Der Spagat zwischen anspruchsvollen Führungsaufgaben und den Bedürfnissen der Familie stellt für viele Eltern eine immense Belastung dar. Wenn dieser Druck dauerhaft anhält, kann er zu einem ernsthaften Erschöpfungszustand führen, dem sogenannten Parental Burnout. Dieses Phänomen betrifft Mütter und Väter gleichermaßen, allerdings zeigen sich bei Führungskräften oft besondere Symptome und Herausforderungen.
Was ist Parental Burnout bei Führungskräften?
Parental Burnout beschreibt einen Zustand tiefer emotionaler, geistiger und körperlicher Erschöpfung, der direkt auf die langanhaltende Überforderung in der Elternrolle zurückzuführen ist. Anders als beim klassischen Job-Burnout entsteht der Stress primär durch die familiären Anforderungen. Führungskräfte sind dabei besonders gefährdet, denn sie müssen nicht nur im Job permanent leistungsbereit und entscheidungsstark sein, sondern auch zu Hause eine anspruchsvolle Rolle ausfüllen.
Die ständige Verfügbarkeit und der hohe Verantwortungsdruck aus beiden Lebensbereichen verschmelzen häufig zu einer ununterbrochenen Belastung. Dadurch fehlt die notwendige Zeit zur Erholung, was den Körper und die Psyche stark beansprucht. Die Betroffenen fühlen sich oft fremdbestimmt und verlieren das Gefühl, die Kontrolle über ihr eigenes Leben zu haben.
Typische Anzeichen und besondere Merkmale
Ein zentrales Symptom des Parental Burnouts ist eine wachsende emotionale Distanz zu den eigenen Kindern. Eltern fühlen sich innerlich leer und können nicht mehr die Zuneigung zeigen, die sie eigentlich empfinden. Während sie im Beruf weiterhin professionell und kontrolliert auftreten, fehlt ihnen zu Hause die Energie, um geduldig und präsent zu sein. Dies führt häufig zu starken Schuldgefühlen.
Weitere Anzeichen sind unter anderem:
- Chronische Müdigkeit: Eine tiefe Erschöpfung, die auch durch Schlaf nicht mehr verschwindet.
- Reizbarkeit und Zynismus: Betroffene reagieren schnell gereizt oder entwickeln eine zynische Haltung gegenüber ihren Aufgaben.
- Gefühl der Ineffizienz: Das Gefühl, weder im Job noch in der Familie den eigenen Ansprüchen gerecht zu werden.
- Körperliche Beschwerden: Anhaltende Kopfschmerzen, Schlafstörungen oder Magen-Darm-Probleme können ebenfalls auftreten.
Bei Managern kommt erschwerend hinzu, dass sie es gewohnt sind, stets die Kontrolle zu behalten und Probleme eigenständig zu lösen. Daher fällt es ihnen oft besonders schwer, Schwäche einzugestehen und sich Hilfe zu suchen, sowohl im beruflichen als auch im privaten Umfeld.
Strategien zur Vorbeugung und Bewältigung
Um einem Parental Burnout vorzubeugen, ist es entscheidend, aktiv Grenzen zu setzen. Führungskräfte sollten lernen, nicht nur im Job, sondern auch gegenüber der Familie klare Linien zu ziehen. Das bedeutet beispielsweise, feste Zeiten für die Arbeit und feste Zeiten für die Familie zu definieren, in denen man jeweils ungestört ist.
Zudem ist es wichtig, die eigenen Erwartungen an sich selbst zu überprüfen. Perfektionismus in allen Lebensbereichen ist unrealistisch und führt direkt in die Überforderung. Stattdessen sollten Eltern lernen, Aufgaben zu delegieren und Unterstützung anzunehmen – sei es durch den Partner, Großeltern oder externe Hilfe.
Regelmäßige Pausen und Zeit für eigene Interessen sind ebenfalls kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit für die psychische Gesundheit. Selbst kleine Auszeiten im Alltag, in denen man bewusst etwas für sich tut, helfen dabei, die eigenen Energiereserven wieder aufzuladen und widerstandsfähiger gegen Stress zu werden.
