DRY-Prinzip Softwareentwicklung: Richtig anwenden, Fehler vermeiden

Das DRY-Prinzip in der Softwareentwicklung ist ein grundlegender Leitsatz, der vielen Entwicklern bekannt ist. Das Akronym DRY steht für „Don’t Repeat Yourself“, was auf Deutsch „Wiederhole dich nicht“ bedeutet. Ziel dieses Prinzips ist es, die Wiederholung von Code zu vermeiden, um die Wartbarkeit und Stabilität von Software zu verbessern.

Die Grundidee klingt zunächst sehr einleuchtend. Wenn derselbe Code an mehreren Stellen im Projekt existiert, muss bei einer Änderung jede dieser Stellen einzeln angepasst werden. Dadurch steigt das Risiko, eine Stelle zu übersehen, was zu Fehlern führen kann. Durch die Zentralisierung des Codes an einem Ort soll dieses Problem gelöst werden.

So funktioniert das DRY-Prinzip in der Softwareentwicklung

In der Praxis wird das DRY-Prinzip oft durch die Erstellung von Abstraktionen umgesetzt. Eine Abstraktion ist eine verallgemeinerte Form eines spezifischen Problems. Entwickler fassen dabei doppelt vorhandene Codeblöcke in einer einzigen Funktion oder Methode zusammen. Diese zentrale Funktion kann dann an allen Stellen aufgerufen werden, an denen die entsprechende Logik benötigt wird.

Ein einfaches Beispiel verdeutlicht dies: Angenommen, in einer Anwendung wird an drei verschiedenen Stellen die Mehrwertsteuer für einen Betrag berechnet. Statt den Rechenschritt dreimal zu schreiben, wird eine einzige Funktion `berechneMehrwertsteuer()` erstellt. Wenn sich also der Steuersatz ändert, muss nur diese eine Funktion angepasst werden, was den Prozess deutlich vereinfacht.

Die Risiken einer falschen Anwendung

Obwohl das Prinzip viele Vorteile bietet, birgt eine zu strikte oder falsche Anwendung erhebliche Gefahren. Das größte Problem entsteht, wenn Code-Teile zusammengefasst werden, die nur zufällig gleich aussehen, aber unterschiedliche Geschäftsanforderungen abbilden. Ändert sich eine dieser Anforderungen, muss die gemeinsame Abstraktion angepasst werden, was jedoch unbeabsichtigte Nebenwirkungen auf die anderen Anwendungsfälle haben kann.

Diese Art der Verknüpfung wird als „versehentliche Duplizierung“ bezeichnet und führt zu einer unerwünschten Kopplung. Statt die Wartung zu erleichtern, schafft man dadurch eine komplexe Abhängigkeit. Eine kleine Änderung an der zentralen Funktion kann somit weitreichende und schwer nachvollziehbare Fehler im gesamten System verursachen. Deshalb ist es entscheidend, genau zu prüfen, ob es sich um echte oder nur scheinbare Duplizierung handelt.

Tipps für den richtigen Umgang mit Code-Wiederholungen

Eine bewusste Entscheidung gegen eine sofortige Abstraktion kann oft die bessere Wahl sein. Das WET-Prinzip („Write Everything Twice“) schlägt vor, Code-Wiederholungen zunächst zuzulassen. Erst wenn derselbe Code ein drittes Mal benötigt wird, sollte über eine Zusammenführung nachgedacht werden. Dieser Ansatz gibt Entwicklern mehr Zeit, um die tatsächlichen Zusammenhänge im Code zu verstehen.

Folgende Punkte helfen bei der Entscheidung:

  • Kontext prüfen: Analysiere genau, ob die doppelten Code-Stellen wirklich dieselbe fachliche Anforderung erfüllen. Wenn sie unterschiedliche Domänen oder Kontexte repräsentieren, sollten sie getrennt bleiben.
  • Abwarten und beobachten: Widerstehe dem Drang, Duplikate sofort zu entfernen. Beobachte, wie sich die Anforderungen entwickeln, bevor du eine gemeinsame Abstraktion schaffst.
  • Kleine Schritte bevorzugen: Wenn du dich für eine Zusammenführung entscheidest, beginne mit kleinen, überschaubaren Abstraktionen. Große, komplexe Abstraktionen sind fehleranfälliger und schwerer zu warten.

Fehler vermeiden: Wann Duplikate sinnvoll sind

Nicht jede Code-Wiederholung ist schlecht. Manchmal ist es besser, Code zu duplizieren, um Systeme voneinander zu entkoppeln. Insbesondere in modernen Architekturen wie Microservices kann eine bewusste Redundanz die Unabhängigkeit der einzelnen Dienste stärken. Eine strikte Einhaltung des DRY-Prinzips würde hier zu engen Abhängigkeiten zwischen den Services führen, was dem Grundgedanken dieser Architektur widerspricht.

Letztlich erfordert die Anwendung des DRY-Prinzips viel Erfahrung und Kontextverständnis. Es ist kein starres Gesetz, sondern eine Leitlinie, die mit Bedacht angewendet werden sollte. Eine voreilige Abstraktion kann mehr Schaden anrichten als die Duplizierung, die sie eigentlich beseitigen sollte. Daher ist es wichtig, die langfristigen Konsequenzen jeder Entscheidung abzuwägen.