Eine schnelle und stabile Internetverbindung ist heute entscheidend, doch entlegene Gebiete bleiben oft unterversorgt. Als Alternative zu Satelliten- und Erdkabelnetzen könnte bald das Internet aus der Stratosphäre eine wichtige Rolle spielen. Diese Technologie verspricht, Daten mittels Plattformen in großer Höhe zu übertragen und so auch abgelegene Regionen zuverlässig zu versorgen.
So funktioniert das Internet aus der Stratosphäre
Das Konzept nutzt unbemannte Flugobjekte oder Ballons, die in der Stratosphäre in etwa 20 Kilometern Höhe positioniert werden. Diese Schicht der Erdatmosphäre ist ideal, da es dort kaum Wetterereignisse und Flugverkehr gibt. Die Plattformen agieren als schwebende Mobilfunkmasten, wodurch sie große Gebiete abdecken können. Ein Vorteil dieser Methode ist die geringere Entfernung zur Erde im Vergleich zu Satelliten, was zu einer deutlich niedrigeren Latenz führt. Die Latenz beschreibt die Verzögerungszeit bei der Datenübertragung.
Die Datenübertragung zwischen den Plattformen sowie zum Boden erfolgt mittels optischer Signale, also Laserlicht. Das US-Unternehmen Aalyria, eine Ausgründung von Google, entwickelt hierfür die Technologie „Tightbeam“. Dieses System kann Daten auch bei schlechtem Wetter stabil übertragen und erreicht extrem hohe Geschwindigkeiten. Die intelligente Software „Spacetime“ steuert das gesamte Netzwerk, indem sie Datenströme vorausschauend lenkt und bei Störungen automatisch Alternativrouten findet.
Vorteile gegenüber Satellitennetzwerken
Im direkten Vergleich zu Satellitennetzwerken wie Starlink bietet das Internet aus der Stratosphäre einige entscheidende Vorteile. Da die Plattformen viel näher an der Erdoberfläche operieren, ist die Signallaufzeit erheblich kürzer. Dies führt zu einer geringeren Latenz, was besonders für zeitkritische Anwendungen wie Online-Gaming oder Videokonferenzen wichtig ist.
Außerdem sind die Kosten für den Aufbau und Betrieb solcher stratosphärischen Netzwerke potenziell geringer. Anstatt tausende Satelliten in den Orbit zu schießen, können wenige Plattformen ausreichen, um ein großes Gebiet abzudecken. Unternehmen wie World Mobile Stratospheric arbeiten an autonomen Flugzeugen, die mit flüssigem Wasserstoff betrieben werden und tagelang in der Luft bleiben können. Ein einziges dieser Fluggeräte könnte theoretisch bis zu 500.000 Nutzer gleichzeitig mit schnellem Internet versorgen.
Anwendungsmöglichkeiten und Zukunftsaussichten
Die Einsatzbereiche für stratosphärisches Internet sind vielfältig und reichen weit über die Versorgung ländlicher Regionen hinaus. Die Technologie eignet sich hervorragend für die Vernetzung von Schiffen auf offener See oder von Flugzeugen, da hier eine Verbindung zu Bodenstationen oft nicht möglich ist. Durch ein Netzwerk aus Schiffen und Flugzeugen könnte ein globales maritimes Internet entstehen.
Auch für die Verteidigung ist die Technologie von großem Interesse. Die flexiblen und schwer zu störenden Netzwerke können eine sichere Kommunikation in Krisengebieten gewährleisten. Aalyria arbeitet bereits mit der US-Marine zusammen, um die Technologie für militärische Zwecke zu erproben. Obwohl sich die Technologie noch in der Entwicklung befindet, zeigt sie bereits jetzt das Potenzial, die globale Konnektivität grundlegend zu verändern und eine ernsthafte Konkurrenz für etablierte Systeme zu werden.
