Die Füllstände der deutschen Gasspeicher liegen zu Beginn der Heizperiode deutlich unter den Werten der Vorjahre. Aktuell sind die Speicher zu weniger als drei Viertel gefüllt, was Fragen zur Versorgungssicherheit im kommenden Winter aufwirft. Der aktuelle Füllstand der Gasspeicher in Deutschland ist somit ein wichtiger Indikator für die Stabilität der Energieversorgung.
Nach Angaben von Gas Infrastructure Europe (GIE) betrug der Füllstand zuletzt 74,8 Prozent. Dies ist ein erheblicher Rückgang im Vergleich zum Vorjahr, als die Speicher zu diesem Zeitpunkt nahezu vollständig gefüllt waren. Obwohl die gesetzliche Vorgabe für den 1. November, ein Füllstand von 80 Prozent, nur knapp verfehlt wurde, sorgt die aktuelle Entwicklung für Aufmerksamkeit.
Gründe für den niedrigeren Füllstand der Gasspeicher
Die Ursachen für die geringeren Reserven sind vielschichtig. Einerseits haben sich die Marktbedingungen geändert, weshalb Gasversorger im Sommer weniger stark eingespeichert haben als in den Jahren zuvor. Andererseits wurden die gesetzlichen Zielvorgaben für die Speicherfüllstände angepasst. Die Bundesregierung senkte das Ziel für den 1. November von 90 auf 80 Prozent, um auf die stabilisierte Versorgungslage zu reagieren.
Die Versorgungssicherheit stützt sich mittlerweile stärker auf mehrere Säulen. Dazu gehören neben den Gasspeichern auch die neuen Flüssigerdgas-Terminals (LNG-Terminals) und stabile Gasimporte aus Nachbarländern wie Norwegen, Belgien und den Niederlanden. Dadurch hat die alleinige Bedeutung der Speicher für die Versorgungssicherheit im Vergleich zur Zeit vor der Energiekrise abgenommen.
Einschätzung der aktuellen Versorgungslage
Trotz der im Vergleich zu den Vorjahren niedrigeren Füllstände gibt es derzeit keine Anzeichen für eine drohende Gasmangellage. Experten und die Bundesnetzagentur betonen, dass die Versorgungslage stabil ist. Die Kombination aus Speicherreserven, LNG-Importen und innereuropäischen Gasflüssen sorgt für ein robustes Versorgungssystem.
Allerdings bleibt ein Restrisiko bestehen, denn ein außergewöhnlich kalter Winter oder unvorhergesehene Lieferengpässe könnten die Situation schnell verändern. Aus diesem Grund wird die Entwicklung der Füllstände und des Gasverbrauchs weiterhin genau beobachtet. Die seit Sommer 2025 geltende Frühwarnstufe des Notfallplans Gas unterstreicht die Notwendigkeit fortwährender Wachsamkeit.
So geht es weiter mit der Gasversorgung
Für den weiteren Verlauf des Winters gelten ebenfalls gesetzliche Vorgaben. Zum 1. Februar soll der Füllstand aller Speicheranlagen noch bei mindestens 30 Prozent liegen. Dieses Ziel soll gewährleisten, dass auch gegen Ende der Heizperiode genügend Gasreserven zur Verfügung stehen, um auf Kälteperioden oder andere unvorhergesehene Ereignisse reagieren zu können.
Die Situation zeigt, wie dynamisch der europäische Gasmarkt geworden ist. Während die Gasspeicher eine wichtige Versicherung bleiben, gewinnen flexible Importstrukturen zunehmend an Bedeutung. Für Verbraucher bedeutet die aktuelle Lage vorerst Stabilität, allerdings mahnen Experten weiterhin zu einem bewussten Umgang mit Energie, um die Versorgungssicherheit langfristig zu unterstützen.
