Verbrenner-Aus Lockerung: Die teuren Folgen für Autobauer

Die Debatte um eine mögliche Lockerung vom Verbrenner-Aus ab 2035 sorgt für Unsicherheit bei den europäischen Autoherstellern. Eine Rücknahme des geplanten Verbots könnte für die Konzerne erhebliche finanzielle Folgen haben. Denn die bestehenden CO₂-Grenzwerte der EU bleiben davon unberührt und würden weiterhin strenge Vorgaben für den Flottenausstoß machen.

Sollten Hersteller nach 2035 weiterhin in großem Stil Autos mit Benzin- oder Dieselmotor verkaufen, drohen ihnen hohe Strafzahlungen. Diese könnten sich auf mehrere Milliarden Euro summieren. Der Grund dafür liegt in den komplexen Regelungen der EU zur Reduzierung von Treibhausgasen im Verkehrssektor.

So funktionieren die EU-Flottengrenzwerte

Die Europäische Union gibt für jeden Hersteller einen spezifischen Grenzwert für den durchschnittlichen CO₂-Ausstoß seiner Neuwagenflotte vor. Dieser Wert wird schrittweise verschärft, um die Klimaziele zu erreichen. Für das Jahr 2035 ist eine Reduktion auf null Gramm CO₂ pro Kilometer vorgesehen, was dem faktischen Verkaufsstopp für neue Verbrenner entspricht.

Wenn ein Unternehmen diesen flottenweiten Durchschnittswert überschreitet, werden für jedes zu viel ausgestoßene Gramm CO₂ und pro verkauftem Fahrzeug Strafen fällig. Aktuell beträgt die Strafzahlung 95 Euro pro Gramm Überschreitung. Dadurch entsteht schnell ein hoher finanzieller Druck, die Flotte auf emissionsarme Fahrzeuge wie Elektroautos umzustellen.

Ein Rechenbeispiel verdeutlicht das Risiko: Verkauft ein Hersteller eine Million Autos, die im Schnitt nur 15 Gramm CO₂ zu viel ausstoßen, müsste er bereits eine Strafe von rund 1,4 Milliarden Euro zahlen. Eine Aufweichung des Verbrenner-Verbots würde an diesem Mechanismus nichts ändern, solange die CO₂-Ziele bestehen bleiben.

Hohe Kosten durch eine Lockerung vom Verbrenner-Aus

Eine Studie der Unternehmensberatung Berylls Strategy Advisors hat die möglichen Konsequenzen für die Autoindustrie analysiert. Die Experten kommen zu dem Ergebnis, dass eine Abkehr vom Verbrenner-Aus ohne Anpassung der Klimaziele für die Hersteller teuer würde. Sie müssten weiterhin massiv in die Elektromobilität investieren, um die Flottengrenzwerte zu erreichen.

Gleichzeitig würde eine Fortführung des Verbrennermotors zusätzliche Entwicklungskosten verursachen, um diese so sparsam wie möglich zu machen. Diese Doppelbelastung aus Investitionen in zwei Antriebsarten könnte die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Autobauer schwächen. Außerdem würde es die Planungssicherheit für langfristige Unternehmensstrategien erheblich beeinträchtigen.

Was sind die praktischen Auswirkungen?

Die Hersteller müssten den Verkauf von Verbrennern künstlich begrenzen, um Strafzahlungen zu vermeiden. Dies könnte dazu führen, dass sie den Preis für Benzin- und Dieselfahrzeuge deutlich anheben. Währenddessen könnten Elektroautos durch interne Quersubventionierung günstiger angeboten werden, um den Absatz zu fördern und den Flottendurchschnitt zu senken.

Für die Verbraucher würde das bedeuten, dass Neuwagen mit Verbrennungsmotor sehr teuer werden könnten. Letztlich würde der Markt also trotz einer offiziellen Lockerung des Verbots in Richtung Elektromobilität gelenkt, allerdings über den Preis und nicht über ein direktes Verkaufsverbot.