Im Mittelpunkt steht Delia, eine dreifache Mutter und Ehefrau, deren Alltag von häuslicher Gewalt geprägt ist. Ihr Mann Ivano sieht sie als sein Eigentum an und misshandelt sie regelmäßig. Delia erträgt ihr Schicksal scheinbar stoisch, während sie für ihre Familie sorgt und verschiedene kleine Arbeiten annimmt, um das Einkommen aufzubessern.
Ein leiser Kampf im Italien der Nachkriegszeit
Die Handlung spielt im Jahr 1946, einer Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs in Italien. Während sich das Land von den Folgen des Krieges erholt, sind die patriarchalen Strukturen noch tief verankert. Frauen hatten damals kaum Rechte und waren ihren Ehemännern weitgehend untergeordnet. Der Film zeigt diese Realität eindrücklich am Beispiel von Delias Leben.
Ein Wendepunkt tritt ein, als Delia einen geheimnisvollen Brief erhält. Dieser Brief gibt ihr die Kraft, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und für eine bessere Zukunft zu kämpfen. Dabei geht es nicht nur um ihr eigenes Glück, sondern vor allem um das ihrer ältesten Tochter Marcella, die sie vor einer ähnlichen Zukunft bewahren will.
Die visuelle und erzählerische Gestaltung
Paola Cortellesi entschied sich bewusst dafür, den Film in Schwarz-Weiß zu drehen. Diese Ästhetik fängt nicht nur die Atmosphäre des Roms der 40er Jahre authentisch ein, sondern schafft auch eine visuelle Verbindung zum italienischen Neorealismus. Regisseure wie Roberto Rossellini oder Vittorio De Sica prägten diesen Stil, der das Leben der einfachen Leute in den Mittelpunkt stellte.
Trotz der ernsten Thematik von „Morgen ist auch noch ein Tag“ setzt Cortellesi auf eine besondere Inszenierung. Die Gewaltszenen werden beispielsweise als surreal anmutende Tanzchoreografien dargestellt. Dadurch wird das Gezeigte für das Publikum erträglicher, ohne die Brutalität der Taten zu verharmlosen. Dieser Kunstgriff ermöglicht eine neue Perspektive auf das schwere Thema häuslicher Gewalt.
Der überraschende Erfolg eines Debütfilms
In Italien wurde der Film zu einem Phänomen und übertraf an den Kinokassen sogar internationale Blockbuster wie „Barbie“ oder „Oppenheimer“. Der Erfolg erklärt sich vor allem durch die packende Geschichte und die universelle Botschaft der Hoffnung und Selbstbestimmung. Zudem traf der Film den Nerv der Zeit, da die Debatte über Femizide und Frauenrechte in Italien sehr präsent ist.
Die Geschichte von Delia gipfelt in einem historischen Ereignis: dem Frauenwahlrecht in Italien. Der geheimnisvolle Brief entpuppt sich als Wahlbenachrichtigung für das Referendum über die Abschaffung der Monarchie. Delias geheimer Plan war nicht, mit einem anderen Mann durchzubrennen, wie ihre Familie vermutete, sondern erstmals in ihrem Leben ihr Wahlrecht auszuüben und damit über die Zukunft ihres Landes mitzuentscheiden.
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