Der dänische Pharmakonzern Novo Nordisk steht nach einer Phase beeindruckenden Wachstums vor neuen Herausforderungen. Angetrieben durch den enormen Erfolg der Diabetes- und Abnehmmittel Ozempic und Wegovy, stieg das Unternehmen zum wertvollsten in Europa auf. Allerdings erfordert dieser Erfolg nun eine grundlegende strategische Neuausrichtung, um die Spitzenposition langfristig zu sichern und Produktionsengpässe zu überwinden.
Die Herausforderung des rasanten Wachstums
Der Erfolg der Medikamente, die auf dem Wirkstoff Semaglutid basieren, hat die Nachfrage weltweit explodieren lassen. Dadurch steht Novo Nordisk vor der gewaltigen Aufgabe, die eigene Produktion schnell genug hochzufahren. Konzernchef Lars Fruergaard Jørgensen muss diesen Spagat bewältigen, während er gleichzeitig das Unternehmen für die Zukunft rüstet, denn die Konkurrenz, insbesondere der US-Konzern Eli Lilly, schläft nicht.
Die hohe Nachfrage führte wiederholt zu Lieferengpässen, was nicht nur Patienten betrifft, sondern auch den Aktienkurs unter Druck setzt. Um die Produktionskapazitäten massiv zu erweitern, investiert der Konzern hohe Summen. Beispielsweise fließt ein zweistelliger Milliardenbetrag in den Ausbau von Standorten in Dänemark und Frankreich, um die Fertigung nachhaltig zu stärken.
Strategische Weichenstellungen für die Zukunft
Die Novo Nordisk Strategie fokussiert sich nicht mehr nur auf die reine Produktion, sondern auch auf eine breitere Aufstellung des Unternehmens. Jørgensen betont die Notwendigkeit, schneller und agiler zu werden. Intern werden deshalb Prozesse verschlankt und Hierarchien abgebaut, damit Entscheidungen zügiger getroffen werden können. Dieser Kulturwandel soll die Innovationskraft des Konzerns erhalten.
Ein weiterer zentraler Punkt ist die Forschung. Obwohl Semaglutid aktuell ein Blockbuster ist, laufen Patente in den nächsten Jahren aus. Novo Nordisk investiert daher massiv in die Entwicklung von Nachfolgeprodukten und erforscht neue Anwendungsgebiete für seine Wirkstoffe, etwa bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder der Nierenfunktion. Zudem sollen strategische Übernahmen das Portfolio erweitern und neue Technologien ins Haus holen.
Der Druck durch Wettbewerb und Markt
Der schärfste Konkurrent Eli Lilly hat mit seinem Medikament Mounjaro ein ähnlich wirksames Präparat auf dem Markt, was den Wettbewerbsdruck deutlich erhöht. Beide Unternehmen liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen um Marktanteile, insbesondere auf dem lukrativen US-Markt. Für Novo Nordisk ist es daher entscheidend, die Lieferfähigkeit zu gewährleisten und gleichzeitig durch neue Studienergebnisse die Überlegenheit der eigenen Produkte zu belegen.
Die enorme Marktkapitalisierung hat außerdem die Erwartungen der Anleger in die Höhe getrieben. Jede Nachricht über Produktionsprobleme oder Studienergebnisse der Konkurrenz kann den Aktienkurs empfindlich treffen. Die Unternehmensführung muss daher eine klare und überzeugende Vision für die Zeit nach dem ersten großen Hype um die Abnehmmittel präsentieren.
