Neue Berichte werfen ein kritisches Licht auf das Vorgehen des US-Militärs vor der Küste des Jemen. Demnach sollen US-Einheiten gezielt Überlebende von Angriffen auf Boote getötet haben, anstatt sie zu retten. Diese Vorwürfe basieren auf Recherchen, die sich auf interne Dokumente und Zeugenaussagen stützen.
Die Vorfälle ereigneten sich den Berichten zufolge zwischen 2015 und 2017 im Kontext des Bürgerkriegs im Jemen. Die USA unterstützten zu dieser Zeit eine von Saudi-Arabien geführte Militärkoalition gegen die Huthi-Rebellen. Die Angriffe galten mutmaßlich Waffenschmugglern, die die Rebellen versorgen sollten.
Gezielte Tötungen statt Rettungseinsätze
Die Recherchen legen nahe, dass amerikanische Spezialeinheiten nach der Zerstörung von verdächtigen Booten die Anweisung hatten, keine Überlebenden zu retten. Stattdessen sollen sie gezielt auf Menschen geschossen haben, die sich im Wasser befanden. Dieses Vorgehen wird als „Aufräumen“ bezeichnet und widerspricht fundamental dem internationalen Seerecht, welches zur Rettung von Schiffbrüchigen verpflichtet.
Interne Dokumente und Aussagen von Beteiligten sollen dieses Vorgehen belegen. Während einige Soldaten die Befehle offenbar hinterfragten, wurden sie von Vorgesetzten unter Druck gesetzt. Das US-Militärkommando Centcom hat die Vorwürfe bisher nicht umfassend kommentiert, allerdings betont, dass alle Operationen im Einklang mit dem Kriegsrecht stünden.
Mögliche Kriegsverbrechen im Jemen
Die beschriebenen Handlungen könnten als Kriegsverbrechen gewertet werden, da das Töten von wehrlosen Überlebenden einen schweren Verstoß gegen die Genfer Konventionen darstellt. Die Berichte basieren unter anderem auf der Auswertung von Videos und internen Protokollen. Diese legen den Verdacht nahe, dass es sich nicht um Einzelfälle, sondern um eine systematische Praxis gehandelt haben könnte.
Die Aufarbeitung dieser Vorfälle wird durch die komplexe Lage im Jemen erschwert. Der langjährige Bürgerkrieg hat zu einer humanitären Katastrophe geführt, außerdem ist die Region für unabhängige Beobachter nur schwer zugänglich. Daher ist die Verifizierung der genauen Opferzahlen und der Umstände kompliziert.
Kontext des Vorgehens des US-Militärs
Die Operationen des US-Militärs fanden im Rahmen der Bekämpfung des Waffenschmuggels vom Iran zu den Huthi-Rebellen statt. Die USA sahen darin eine direkte Bedrohung für ihre Verbündeten in der Region, insbesondere Saudi-Arabien. Dennoch rechtfertigt dieser militärische Auftrag nicht die Missachtung fundamentaler humanitärer Prinzipien.
Die Enthüllungen könnten nun politische und juristische Konsequenzen nach sich ziehen. Menschenrechtsorganisationen fordern bereits eine umfassende und unabhängige Untersuchung der Vorwürfe. Es bleibt abzuwarten, ob der US-Kongress oder internationale Gremien Ermittlungen einleiten werden.
