Der Rückbau des ehemaligen DDR-Atomkraftwerks Greifswald entwickelt sich zu einer enormen Herausforderung. Die Arbeiten sind nicht nur komplexer und teurer als ursprünglich geplant, sondern es treten auch unerwartet hohe Strahlenwerte auf. Dadurch wird der gesamte Prozess erheblich erschwert und verzögert.
Der komplexe Rückbau des AKW Greifswald
Das Atomkraftwerk in Lubmin bei Greifswald war einst das größte der DDR und wurde kurz nach der Wiedervereinigung aus Sicherheitsgründen stillgelegt. Seitdem laufen die aufwendigen Rückbauarbeiten, die ursprünglich bis 2028 abgeschlossen sein sollten. Dieser Zeitplan ist allerdings nicht mehr haltbar, denn die vollständige Beseitigung der Anlage wird sich voraussichtlich um viele Jahre verzögern.
Die Demontage eines Kernkraftwerks ist ein technisch anspruchsvolles Unterfangen. Zuerst werden die nicht radioaktiven Teile entfernt, bevor die hochbelasteten Komponenten im Inneren des Reaktors zerlegt werden können. Diese Arbeiten müssen größtenteils ferngesteuert erfolgen, um das Personal vor der gefährlichen Strahlung zu schützen.
Unerwartet hohe Strahlung als Problem
Eine wesentliche Schwierigkeit beim Rückbau des AKW Greifswald ist die unerwartet hohe radioaktive Strahlung. Messungen haben ergeben, dass die Werte die ursprünglichen Annahmen deutlich übersteigen. Diese erhöhte Strahlung resultiert aus Kobalt-60, einem Isotop, das während des Reaktorbetriebs entsteht.
Die starke Strahlung hat zur Folge, dass die speziell für den Rückbau entwickelten Werkzeuge und Roboter schneller verschleißen. Außerdem müssen die Arbeiter ihre Einsatzzeiten in den belasteten Bereichen stark reduzieren, um die gesetzlichen Grenzwerte für die Strahlenbelastung nicht zu überschreiten. Dies verlangsamt den gesamten Prozess erheblich und führt zu weiteren Komplikationen.
Steigende Kosten und lange Dauer
Die Verzögerungen und technischen Probleme treiben die Kosten für den Rückbau in die Höhe. Ursprünglich wurden die Gesamtkosten auf rund 6,5 Milliarden Euro geschätzt. Inzwischen gehen Experten jedoch von einer Summe von über 10 Milliarden Euro aus, die vollständig vom Bund getragen werden.
Während der Rückbau andauert, müssen die radioaktiven Abfälle sicher gelagert werden. Dafür wurde in der Nähe des Kraftwerks das Zwischenlager Nord errichtet. Dort lagern nicht nur die Brennelemente aus Greifswald, sondern auch Atommüll aus anderen Forschungsreaktoren der DDR. Die Suche nach einem dauerhaften Endlager für hochradioaktive Abfälle in Deutschland ist jedoch weiterhin ungelöst.
