Das Gesetz wurde nach monatelangen Diskussionen innerhalb der Regierungskoalition verabschiedet und soll Anfang 2026 in Kraft treten. Es stellt eine grundlegende Neuausrichtung dar, seit die Wehrpflicht im Jahr 2011 ausgesetzt wurde. Ziel ist es, die Streitkräfte für die Landes- und Bündnisverteidigung besser aufzustellen.
So funktioniert der neue Wehrdienst
Kern des neuen Modells ist die Wiedereinführung der Erfassung aller wehrfähigen jungen Männer. Diese müssen ab ihrem 18. Lebensjahr einen Online-Fragebogen ausfüllen, der ihre Bereitschaft und ihre Fähigkeiten für einen Dienst bei der Bundeswehr abfragt. Für Frauen ist die Teilnahme an dieser Befragung freiwillig.
Basierend auf den Antworten werden geeignete und motivierte Kandidaten zu einer verpflichtenden Musterung eingeladen. Hierbei wird die körperliche und geistige Eignung für den Militärdienst festgestellt. Die eigentliche Dienstleistung bleibt jedoch grundsätzlich freiwillig, denn der Plan von Verteidigungsminister Boris Pistorius setzt auf die Motivation der jungen Menschen.
Der freiwillige Grundwehrdienst soll eine Dauer von sechs Monaten umfassen, kann aber auf bis zu 23 Monate verlängert werden. Nach dem aktiven Dienst werden die Soldatinnen und Soldaten in die Reserve überführt, wodurch diese nachhaltig gestärkt wird. Um den Dienst attraktiver zu gestalten, ist außerdem eine höhere Besoldung vorgesehen.
Warum wird ein neuer Wehrdienst eingeführt?
Die Einführung des neuen Wehrdienstes ist eine direkte Reaktion auf die gewachsene militärische Bedrohung in Europa, insbesondere seit dem russischen Angriff auf die Ukraine. Experten gehen davon aus, dass die Bundeswehr personell deutlich wachsen muss, um ihre Aufgaben in der Landes- und Bündnisverteidigung, zum Beispiel im Rahmen der NATO, erfüllen zu können. Das neue Modell soll daher helfen, die Personalstärke der Truppe zu erhöhen.
Ein weiteres zentrales Ziel ist der Aufbau einer starken und einsatzbereiten Reserve. Diese gilt als entscheidend für die Durchhaltefähigkeit der Streitkräfte in einem Krisen- oder Verteidigungsfall. Durch die systematische Überführung der Wehrdienstleistenden in die Reserve soll diese personell aufgefüllt und verjüngt werden.
Allerdings sieht das Gesetz auch eine wichtige Klausel vor: Sollte die Zahl der Freiwilligen nicht ausreichen, um den Personalbedarf der Bundeswehr zu decken, kann der Bundestag per Gesetz eine verpflichtende Wehrpflicht für einen bestimmten Bedarf aktivieren. Die genauen Kriterien für eine solche Einberufung sind jedoch noch nicht abschließend geklärt.
Was junge Menschen jetzt wissen sollten
Für junge Männer des Geburtsjahrgangs 2008 wird die Teilnahme an der Erfassung ab 2026 verpflichtend sein. Sie müssen den Fragebogen online ausfüllen und bei einer Einladung auch zur Musterung erscheinen. Eine Weigerung kann Konsequenzen nach sich ziehen, während der Dienst an der Waffe selbst freiwillig bleibt.
Frauen können sich ebenfalls freiwillig melden und den Fragebogen ausfüllen, um ihr Interesse an einem Dienst in der Bundeswehr zu bekunden. Die Streitkräfte werben aktiv um weibliche Rekruten, um die Vielfalt und die Fähigkeiten innerhalb der Truppe zu steigern. Eine Pflicht zur Erfassung oder Musterung besteht für sie jedoch nicht.
Der neue Wehrdienst bietet jungen Menschen die Möglichkeit, eine militärische Grundausbildung zu erhalten und einen Beitrag zur Sicherheit des Landes zu leisten. Er kann zudem persönliche und berufliche Vorteile bringen, beispielsweise durch die Vermittlung von Disziplin, Teamfähigkeit und technischen Kenntnissen. Wer den Dienst verweigern möchte, hat weiterhin das Recht dazu.
