Der französische Videospielkonzern Ubisoft setzt seinen rigiden Sparkurs fort und greift nun auch am eigenen Hauptsitz durch. Im Rahmen des umfassenden Umbaus des Unternehmens wurde ein Programm für freiwillige Kündigungen eingeleitet. Der Ubisoft Stellenabbau in Paris betrifft die internationale Zentrale und zielt darauf ab, bis zu 200 Arbeitsplätze zu streichen, was einen erheblichen Einschnitt darstellt.
Diese Maßnahme ist keineswegs ein Einzelfall, sondern fügt sich in eine ganze Reihe von drastischen Schritten ein, mit denen das Management die Kosten senken will. Ubisoft steht, wie viele andere Branchengrößen auch, unter erheblichem Druck, seine Effizienz zu steigern und die Rentabilität zu verbessern. Die jüngsten Entwicklungen werfen daher ein Schlaglicht auf die tiefgreifenden Veränderungen, die der Konzern durchläuft.
Ubisoft Stellenabbau Paris: Bis zu 200 Stellen betroffen
Die geplante Personalreduktion soll über ein in Frankreich gesetzlich geregeltes Verfahren abgewickelt werden. Hierbei handelt es sich um eine sogenannte „Rupture Conventionnelle Collective“ (RCC), was einem kollektiven Aufhebungsvertrag entspricht. Dieser Prozess basiert auf Freiwilligkeit, denn er ermöglicht es Mitarbeitern, das Unternehmen im gegenseitigen Einvernehmen gegen eine Abfindung zu verlassen. Allerdings muss das gesamte Verfahren in enger Abstimmung mit den Arbeitnehmervertretungen und Gewerkschaften ausgehandelt werden.
Für die Belegschaft am Pariser Hauptsitz ist der Einschnitt erheblich, denn die angekündigten 200 Stellen machen rund 18 % der Mitarbeitenden in der betroffenen Einheit „Ubisoft International“ aus. Diese Abteilung ist für zentrale strategische Aufgaben zuständig, darunter Finanzen, Personalmanagement und die Analyse von Markttrends. Paradoxerweise wird also genau jene Organisation verkleinert, die den neuen, schlankeren Konzern steuern und strategisch ausrichten soll.
Das Unternehmen betonte in einer offiziellen Stellungnahme, dass es sich bisher um einen Vorschlag handle. Eine endgültige Entscheidung falle erst, nachdem eine Vereinbarung mit den Arbeitnehmervertretern getroffen und von den französischen Behörden genehmigt wurde. Außerdem seien ausschließlich Mitarbeiter mit französischen Verträgen am Hauptsitz betroffen und keine anderen Niederlassungen in Frankreich oder weltweit.
Ein Teil eines größeren Sanierungsplans
Der Stellenabbau ist die direkte Folge einer bereits zuvor angekündigten, dramatischen Restrukturierung. Mit diesem umfassenden Plan will Ubisoft seine jährlichen Kosten um rund 200 Millionen Euro senken. Um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen, hat das Management bereits mehrere schmerzhafte Entscheidungen getroffen, die weit über den Personalbereich hinausgehen und die gesamte Produktstrategie betreffen.
So wurden die Arbeiten an sechs geplanten Spielen komplett eingestellt, darunter auch die lange erwartete Neuauflage des Klassikers Prince of Persia. Gleichzeitig wurde die Veröffentlichung von sieben weiteren Titeln verschoben, was die Release-Pipeline des Unternehmens spürbar ausdünnt. Diese Maßnahmen sollen Entwicklungsressourcen bündeln und auf Projekte mit höherem Erfolgspotenzial konzentrieren.
Zusätzlich sorgte die Anordnung einer vollständigen Rückkehr ins Büro für Unmut. Während der Pandemie etablierte Homeoffice- und Hybrid-Modelle wurden gestrichen, was von Gewerkschaften scharf kritisiert wird. Sie sehen darin den Versuch, Mitarbeiter indirekt zur Kündigung zu bewegen. Dieser Schritt reiht sich in eine Serie von Studio-Schließungen und früheren Entlassungswellen ein, die bereits Standorte wie Ubisoft Stockholm trafen.
Die neue Unternehmensstrategie: Fünf „Creative Houses“
Im Zentrum der Neuausrichtung steht eine veränderte Organisationsstruktur. Ubisoft wurde in fünf sogenannte „Creative Houses“ aufgeteilt. Jedes dieser Häuser ist für eine Gruppe von Spielmarken verantwortlich, wodurch eine stärkere Fokussierung und eine klarere Verantwortung für Marken wie Assassin’s Creed oder Far Cry erreicht werden soll. Das Ziel ist es, die kreativen Prozesse zu straffen und die Entwicklung von AAA-Titeln zu beschleunigen.
Unterstützt werden diese kreativen Einheiten von einem zentralen Studio für technische Innovationen und einer Abteilung für den Geschäftsbetrieb. Die übergeordnete Steuerung all dieser Bereiche obliegt dem Hauptsitz in Paris – ebenjener Einheit, in der nun massiv Stellen abgebaut werden. Kritiker sehen darin einen Widerspruch, da die zentrale strategische Steuerung geschwächt wird, während gleichzeitig ein neues, zentralisiertes Modell implementiert wird.
Gewerkschaften schlagen Alarm: Kritik am Vorgehen des Managements
Die Reaktionen der Arbeitnehmervertretungen fielen entsprechend scharf aus. Die französische Gewerkschaft Solidaires Informatique bezeichnete den gesamten Restrukturierungsplan als „absurd“ und berichtete von „Wut und Verzweiflung“ unter den Mitarbeitern. Die Gewerkschaft kritisiert nicht nur den Personalabbau selbst, sondern auch die Art und Weise der Umsetzung.
Insbesondere die Rückkehrpflicht ins Büro wird als „versteckter Personalabbauplan“ angeprangert, der darauf abziele, Angestellte aus dem Unternehmen zu drängen. Gleichzeitig bemängeln die Vertreter, dass im Zuge des Umbaus neue, hochrangige und exzessiv bezahlte Managementpositionen geschaffen werden, während an der Basis gespart wird. Aufgrund dieser Entwicklungen beraten die Gewerkschaften nun über mögliche arbeitsrechtliche Schritte und schließen auch Streiks nicht aus.
Die Sorge ist groß, dass das freiwillige Abfindungsprogramm nur der erste Schritt sein könnte. Ein ähnliches Vorgehen bei der Ubisoft-Tochter Massive Entertainment in der Vergangenheit nährt diese Befürchtung. Dort folgte auf eine Phase freiwilliger Kündigungen eine Welle von betriebsbedingten Entlassungen, die schließlich zur Schließung des Stockholmer Studios führte. Ob sich dieses Muster in Paris wiederholt, bleibt abzuwarten.
Ein besorgniserregender Trend in der Spielebranche
Ubisofts Vorgehen steht leider nicht isoliert da, sondern ist Teil eines branchenweiten Trends. Seit dem Ende des pandemiebedingten Booms kämpft die Videospielindustrie mit einer Marktkonsolidierung. Steigende Entwicklungskosten für hochkarätige Spiele, eine unsichere Weltwirtschaftslage und veränderte Konsumgewohnheiten zwingen viele große Publisher und Entwicklerstudios zu drastischen Sparmaßnahmen.
In den vergangenen Monaten haben fast alle großen Akteure der Branche, darunter Microsoft (nach der Übernahme von Activision Blizzard), Electronic Arts und Riot Games, massive Entlassungen angekündigt. Tausende Arbeitsplätze gingen bereits verloren. Der Sparkurs bei Ubisoft ist somit ein weiteres Symptom für eine tiefgreifende Krise, die eine Industrie im Umbruch erfasst hat und deren Ende noch nicht absehbar ist.
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