Holocaust-Gedenktag Schleswig-Holstein: Termine und Orte

Am 27. Januar gedenkt Deutschland der Opfer des Nationalsozialismus, denn an diesem Tag befreiten sowjetische Truppen 1945 das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz. Aus diesem Anlass finden am Holocaust-Gedenktag Schleswig-Holstein zahlreiche Veranstaltungen statt, um an die Millionen Opfer und die Verbrechen des NS-Regimes zu erinnern. Die Gedenkfeiern bieten vielfältige Formate von Kranzniederlegungen über Ausstellungen bis hin zu Schülerprojekten.

Seit 1996 ist der 27. Januar in Deutschland ein offizieller Gedenktag. Er soll die Erinnerung an die systematische Verfolgung und Ermordung von Juden, Sinti und Roma, politisch Andersdenkenden, Homosexuellen, Menschen mit Behinderung und vielen anderen Gruppen wachhalten. Die Veranstaltungen im ganzen Land tragen dazu bei, Lehren aus der Geschichte zu ziehen und ein Zeichen gegen Hass und Ausgrenzung zu setzen.

Zentrale Gedenkfeier zum Holocaust-Gedenktag Schleswig-Holstein in Itzehoe

Die zentrale Gedenkveranstaltung des Landes Schleswig-Holstein findet in diesem Jahr in Itzehoe statt und zeichnet sich durch eine besondere Kooperation aus. Erstmals richten der Landtag, eine Schule und die Kirche die Feier gemeinsam aus. Sie findet in der Aula des Sophie-Scholl-Gymnasiums statt und erinnert zugleich an das 80-jährige Bestehen des ersten deutschen NS-Mahnmals, das 1946 in Itzehoe errichtet wurde.

Das Programm ist vielfältig gestaltet und bindet verschiedene Generationen und Perspektiven ein. Neben einer öffentlichen Kranzniederlegung am Mahnmal umfasst die Feier Ansprachen, interreligiöse Gebete und musikalische Beiträge. Ein Höhepunkt ist das Zeitzeugengespräch mit einem Holocaust-Überlebenden, der sich den Fragen von Schülerinnen und Schülern stellt.

  • 17:30 Uhr: Öffentliche Kranzniederlegung am Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus.
  • 18:30 Uhr: Beginn der Gedenkfeier in der Aula des Sophie-Scholl-Gymnasiums mit einer Begrüßung durch Landtagspräsidentin Kristina Herbst.
  • Anschließend findet ein Gespräch zwischen dem Holocaust-Überlebenden Nicolaus Blättermann und Schülern statt.
  • Darüber hinaus präsentieren die Schüler eigene Gedenkbeiträge, während das Ensemble „Cello-Manifesto“ für die musikalische Begleitung sorgt. Eine Anmeldung ist erforderlich.

Gedenken in Dithmarschen und Segeberg

Im Kreis Dithmarschen stehen Schülerprojekte und Lichteraktionen im Mittelpunkt des Gedenkens. In Meldorf präsentiert die Initiative „Blumen für Gudendorf“ einen Schülerfilm, außerdem wird die Gedenkstätte in der Vierthstraße am Abend beleuchtet. Währenddessen lädt in Heide das Aktionsbündnis „Dithmarschen ist bunt“ zu einer Kranzniederlegung und einer Schweigeminute an der Postelvilla ein, ergänzt durch kulturelle Beiträge in der St. Jürgen-Kirche.

  • Meldorf (ab 16:00 Uhr): Filmvorführung im Dörpshus Gudendorf und Beleuchtung der Gedenkstätte.
  • Heide (ab 17:30 Uhr): Kranzniederlegung am Markt 29 und anschließende Veranstaltung in der St. Jürgen-Kirche mit einer Ausstellung und einer szenischen Lesung.

Auch der Kreis Segeberg beteiligt sich mit Gedenkstunden, die das Erinnern aktiv gestalten. Der Verein Chaverim e.V. organisiert gemeinsam mit der Stadt Norderstedt eine Gedenkstunde mit Kranzniederlegung an der KZ-Gedenkstätte Wittmoor. In Kaltenkirchen wiederum verdeutlichen Schüler der Gemeinschaftsschule am Marschweg die Bedeutung der Menschenrechte anhand der Biografie eines Überlebenden des KZ-Außenlagers Kaltenkirchen.

  • Norderstedt (15:00 Uhr): Gedenkstunde mit musikalischer Begleitung an der KZ-Gedenkstätte Wittmoor.
  • Kaltenkirchen (17:00 bis 19:00 Uhr): Schülerbeitrag und Kulturprogramm im Rathaus Kaltenkirchen.

Veranstaltungen in Kiel und Neumünster

Die Landeshauptstadt Kiel bietet ein besonders breites Programm, das sich verschiedenen Aspekten des Gedenkens widmet. Die Christian-Albrechts-Universität (CAU) richtet sich mit einer Veranstaltung zum Thema „Antisemitismus im Internet“ speziell an Lehrkräfte. Der Verein Mahnmal Kilian lädt zu einem gemeinsamen Gedenken am erleuchteten Flandernbunker ein, während die Kulturstation Toweddern einen Vortrag und eine Filmvorführung zur Geschichte des „Arbeitserziehungslagers Nordmark“ organisiert.

  • Kiel (16:00 bis 20:00 Uhr): Fachveranstaltung zu Antisemitismus im digitalen Raum an der CAU Kiel.
  • Kiel (ab 18:00 Uhr): Gedenken und Lesung am und im Flandernbunker Kiel.
  • Kiel (ab 19:00 Uhr): Vortrag, Film und Gespräch in der Kulturstation Toweddern.

In Neumünster liegt der Fokus auf einem ökumenischen Gottesdienst in der Vicelinkirche, bei dem die Opfer des Nationalsozialismus im Mittelpunkt stehen. Im Anschluss findet eine offizielle Gedenkveranstaltung im Neuen Rathaus statt. Dort hält der Oberbürgermeister eine Ansprache, bevor eine Kranzniederlegung im Innenhof das Gedenken abschließt.

  • Neumünster (16:00 Uhr): Ökumenischer Gottesdienst in der Vicelinkirche.
  • Neumünster (17:30 Uhr): Gedenkveranstaltung mit Kranzniederlegung im Rathaus-Innenhof.

Erinnerungskultur in Nordfriesland und Schleswig-Flensburg

In Husum wird der Gedenktag zum Anlass genommen, eine wichtige Wanderausstellung zu eröffnen. Die Ausstellung „Rechte Gewalt in Hamburg von 1945 bis heute“ wird im Kreishaus gezeigt und durch eine Andacht sowie eine Einführung durch einen Kurator begleitet. Sie bleibt bis zum 24. Februar zugänglich und regt zur Auseinandersetzung mit Kontinuitäten rechter Gewalt an.

  • Husum (ab 17:30 Uhr): Andacht und Eröffnung der Wanderausstellung im Kreishaus.

Die Stadt Schleswig ruft unter dem Motto „Erinnern heißt handeln – Nie wieder ist jetzt“ zu einer öffentlichen Gedenkveranstaltung auf. Auf dem Capitolplatz wird an alle Opfer des Nationalsozialismus erinnert, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf den NS-„Euthanasie“-Verbrechen liegt. Dabei handelt es sich um die systematische Ermordung von Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen. Ein gemeinsamer Gang führt anschließend zum Alten Kreisbahnhof, einem historischen Ort von Deportationen.

  • Schleswig (ab 18:00 Uhr): Redebeiträge auf dem Capitolplatz, gefolgt von einem Gang zum Alten Kreisbahnhof und Kerzengedenken.

Besondere Akzente in Lübeck und Ostholstein

Ein musikalisches Highlight erwartet Besucherinnen und Besucher im Dom zu Lübeck. Im Rahmen eines ökumenischen Gottesdienstes wird die „Cantata Bolivia“ aufgeführt, die der jüdische Musiker Erich „Erck“ Eisner 1941 im Exil komponierte, nachdem er vor den Nationalsozialisten fliehen musste. Das Jewish Chamber Orchestra Hamburg und der LandesJugendChor Schleswig-Holstein interpretieren das Werk gemeinsam.

  • Lübeck (18:00 bis 20:00 Uhr): Ökumenischer Gottesdienst mit Aufführung der „Cantata Bolivia“ im Dom zu Lübeck.

In Haffkrug im Kreis Ostholstein lädt der Verein „Zukunft braucht Erinnerung“ zu einer szenischen Lesung ein. Schülerinnen und Schüler verschiedener Gymnasien tragen Augenzeugenberichte aus dem Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz vor. Im Anschluss berichten die Jugendlichen von einer gemeinsamen Fahrt zur Gedenkstätte in Auschwitz und teilen ihre persönlichen Eindrücke.

  • Haffkrug (18:00 bis 20:00 Uhr): Szenische Lesung und Bericht über eine Gedenkstättenfahrt im Haffhuus.

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