Globale Krisen und sicherheitspolitische Veränderungen rücken den Bevölkerungsschutz wieder stark in den öffentlichen Fokus. Schutzräume und Bunker gewinnen dadurch an Bedeutung, weshalb auch die technischen und baulichen Voraussetzungen neu bewertet werden. Eine Schlüsselrolle nehmen dabei die Zugangsbereiche ein, denn die Anforderungen an Schutzraumtüren und -tore sind besonders hoch, um im Ernstfall zuverlässigen Schutz zu gewährleisten.
Die neue Norm: Was DIN EN ISO 22359 für Schutzräume bedeutet
Die veränderte Sicherheitslage spiegelt sich inzwischen auch auf internationaler Ebene wider. Deshalb hat die Internationale Organisation für Normung (ISO) im Dezember 2025 die Norm DIN EN ISO 22359 veröffentlicht, die als Leitfaden für verstärkte Schutzräume dient. Dieses Dokument geht in seinem Ansatz teilweise über die Genfer Konventionen von 1949 hinaus, indem es detaillierte Empfehlungen für den Schutz von Zivilisten formuliert.
Die Norm legt allgemeine und funktionale Anforderungen für den Bau und den Unterhalt von Schutzräumen fest. Allerdings verzichtet sie bewusst auf konkrete technische oder konstruktive Vorgaben. Dadurch bleibt offen, wie die Schutzziele in der Praxis erreicht werden sollen, während die Norm gleichzeitig einen wichtigen Orientierungsrahmen bietet. Zu den Gefahren, vor denen Menschen geschützt werden müssen, zählen chemische, biologische, radiologische und nukleare Bedrohungen (kurz: CBRN) sowie physikalische Einwirkungen wie Druckwellen von Explosionen.
Mehrzwecknutzung: Wie aus Parkhäusern Bunker werden
Besonders in dicht besiedelten Ballungsgebieten ist Bauraum ein knappes Gut. Aus diesem Grund verfolgt das Normungsgremium den Ansatz der Mehrzwecknutzung. Schutzräume sollen demnach in friedlichen Zeiten für zivile Zwecke nutzbar sein. Der Fokus liegt dabei auf bereits existierenden Bauwerken mit robusten, unterirdischen Strukturen.
Beispielsweise eignen sich Parkgaragen, Tunnelanlagen, U-Bahnhöfe oder große Logistiklager für eine solche Umnutzung. Diese Orte können im Krisenfall innerhalb einer bestimmten Vorbereitungszeit zu vollwertigen Schutzräumen umfunktioniert werden. Dieser Ansatz macht den Zivilschutz nicht nur flexibler, sondern auch wirtschaftlicher.
Der Zielkonflikt: Hohe Anforderungen an Schutzraumtüren und -tore
Den Türen, Toren und Notausstiegen kommt bei diesem Konzept eine entscheidende und sehr anspruchsvolle Aufgabe zu. In normalen Zeiten müssen sie einen uneingeschränkten und sicheren Zugang für Personen und Fahrzeuge ermöglichen. Hier stehen vor allem Aspekte wie Brandschutz, Rauchschutz und Barrierefreiheit im Vordergrund.
Im Krisenfall verschieben sich die Prioritäten jedoch drastisch. Dann ist die wichtigste Funktion, den Innenraum wirksam gegen äußere Gefahren abzuschirmen. Die primären Schutzziele sind dann eine hohe Beständigkeit gegenüber Druckwellen, eine extreme Dichtigkeit gegen CBRN-Gefahren und ein ausreichender Feuerwiderstand. Zusätzlich kann auch der Schutz vor elektromagnetischen Impulsen (EMP), wie sie bei nuklearen Explosionen entstehen, erforderlich sein. Diese Leistungsanforderungen übersteigen die gängigen Normen für herkömmliche Außentüren und -tore bei Weitem.
Technische Herausforderungen und Lösungsansätze
Dieser Gegensatz zwischen komfortabler Alltagsnutzung und maximaler Schutzwirkung im Ernstfall führt zu Zielkonflikten bei der Planung und Konstruktion. Um die Autarkie, also die Unabhängigkeit eines Schutzraums, zu sichern, müssen nicht benötigte Zugänge im Ernstfall schnell und dauerhaft verschlossen oder versiegelt werden können. Ein solches Konzept für primäre und sekundäre Zugänge muss daher von Anfang an in die Planung integriert werden.
Ein besonderes Augenmerk liegt zudem auf der dauerhaften Funktionssicherheit. Schutzraumabschlüsse haben aufgrund der hohen Anforderungen ein enormes Eigengewicht. Deshalb ist die Qualität der Lagerung entscheidend, damit die Türflügel über Jahrzehnte ihre Position halten und es nicht zu Setzungen kommt. Außerdem müssen die Bauteile so robust sein, dass die Verfügbarkeit von Ersatzteilen wie Dichtungen oder Schlössern langfristig gesichert ist.
Ein ganzheitlicher Blick: Schutzräume als System verstehen
Für eine wirksame Sicherheit ist es entscheidend, Schutzräume als ein ganzheitliches System zu betrachten. Alle Komponenten, von der Lüftung bis zur Energieversorgung, müssen aufeinander abgestimmt sein. Die Türen und Tore spielen dabei eine Schlüsselrolle, denn sie sind die Verbindung zur Außenwelt.
Sie dürfen unter keinen Umständen zur Schwachstelle des Gesamtsystems werden. Deshalb erfordert ihre Planung eine sorgfältige Abwägung aller Anforderungen, um sowohl die Alltagsnutzung als auch den Schutz im Krisenfall zu gewährleisten.
Der nächste Schritt: Nationale Regelungen sind gefragt
Nach der Veröffentlichung der internationalen Norm liegt die Verantwortung nun beim deutschen Staat. Die allgemeinen Anforderungen der DIN EN ISO 22359 müssen in eine klare und verbindliche nationale Regelung überführt werden. Um Einheitlichkeit und Planungssicherheit zu schaffen, wären bundesweit einheitliche Vorgaben wünschenswert.
Sobald die konkreten Leistungsmerkmale für Schutzräume und ihre Zugänge festgelegt sind, können Hersteller passgenaue und praxistaugliche Lösungen entwickeln. Spezialisierte Unternehmen bringen bereits langjährige Erfahrung in der Entwicklung sicherheitsrelevanter Türen und Tore für kritische Infrastrukturen mit und stehen bereit, normkonforme Produkte zu liefern, die den Schutz der Bevölkerung sicherstellen.
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