KI-Musik Erkennung: So stoppt Deezer Betrug und schützt Künstler

Die Flut an KI-generierter Musik stellt Streaming-Dienste vor enorme Herausforderungen, denn ein erheblicher Teil davon dient dem Betrug. Der Musikstreaming-Dienst Deezer hat deshalb bereits vor einem Jahr ein Werkzeug zur KI-Musik Erkennung eingeführt, das solche Titel automatisch identifiziert. Nun stellt das Unternehmen diese Technologie auch anderen Plattformen zur Verfügung, um die Branche im Kampf gegen Streaming-Betrug zu unterstützen und die Vergütung menschlicher Künstler sicherzustellen.

Die Entscheidung basiert auf alarmierenden Zahlen. Laut Deezer sind 85 % aller Abrufe von vollständig KI-generierten Musiktiteln als betrügerisch einzustufen. Täglich werden rund 60.000 neue, künstlich erzeugte Songs auf die Plattform geladen, was die Gesamtzahl auf über 13,4 Millionen ansteigen ließ. Dies stellt eine massive Zunahme dar, denn noch im Vorjahr lag die Zahl bei etwa 20.000 Titeln pro Tag.

So funktioniert die KI-Musik Erkennung von Deezer

Das von Deezer entwickelte System ist darauf spezialisiert, Musik zu identifizieren, die vollständig von künstlicher Intelligenz erschaffen wurde. Es erkennt dabei Produktionen von führenden generativen Modellen wie Suno oder Udio. Sobald ein Titel als KI-generiert markiert ist, wird er automatisch aus den algorithmischen und redaktionellen Empfehlungen entfernt, wodurch seine Sichtbarkeit stark eingeschränkt wird.

Darüber hinaus greift ein entscheidender Mechanismus: Die Monetarisierung dieser Tracks wird gestoppt. Das bedeutet, sie werden aus dem sogenannten Royalty Pool ausgeschlossen – dem Geldtopf, aus dem die Tantiemen an Künstler und Songwriter verteilt werden. Dadurch soll verhindert werden, dass Einnahmen durch betrügerische Klicks an die Ersteller von KI-Musik fließen. Laut Unternehmensangaben arbeitet das Werkzeug mit einer beeindruckenden Genauigkeit von 99,8 %.

Der Kampf gegen Streaming-Betrug und seine Dringlichkeit

Streaming-Betrug ist ein wachsendes Problem in der Musikindustrie, denn er untergräbt die faire Vergütung von Kreativen. Dabei werden Klicks künstlich erzeugt, oft durch den Einsatz von Bots, um die Streamingzahlen eines Titels in die Höhe zu treiben und so unrechtmäßig Tantiemen zu kassieren. KI-generierte Musik erleichtert diesen Prozess, da sich massenhaft neue Songs ohne menschliches Zutun produzieren lassen.

Ein prominenter Fall aus dem Jahr 2024 verdeutlicht die Dimension des Problems. Damals klagte das US-Justizministerium einen Musiker an, der mithilfe von KI-Songs und Bot-Netzwerken seine Titel milliardenfach abspielen ließ. Auf diese Weise ergaunerte er Streaming-Tantiemen in Höhe von mehr als 10 Millionen US-Dollar. Solche Vorfälle zeigen, wie wichtig technologische Gegenmaßnahmen sind.

Unterschiedliche Strategien in der Musikbranche

Die Musikindustrie reagiert bisher uneinheitlich auf die Herausforderungen durch künstliche Intelligenz. Die verschiedenen Akteure verfolgen dabei unterschiedliche Ansätze, um ihre Interessen zu wahren:

  • Strikte Verbote: Plattformen wie Bandcamp haben sich für einen radikalen Schritt entschieden und KI-generierte Musik vollständig von ihrer Seite verbannt.
  • Regulierung und Kennzeichnung: Spotify hingegen hat seine Richtlinien angepasst. Der Dienst verbietet nicht autorisierte Stimm-Klone explizit und arbeitet an Systemen, um KI-generierte Inhalte transparenter zu kennzeichnen und Spam zu reduzieren.
  • Kooperation und Lizenzierung: Große Plattenfirmen wie Universal Music Group und Warner Music Group gehen einen anderen Weg. Sie haben strategische Partnerschaften mit KI-Startups wie Suno und Udio geschlossen. Durch diese Lizenzverträge stellen sie sicher, dass ihre Künstler und Songwriter fair entlohnt werden, wenn ihre Werke zum Trainieren der KI-Modelle verwendet werden.

Ein Werkzeug für die gesamte Industrie

Mit der Öffnung seiner Technologie will Deezer einen branchenweiten Standard etablieren. Laut CEO Alexis Lanternier stößt das Angebot auf großes Interesse, und mehrere Unternehmen hätten bereits erfolgreiche Tests durchgeführt. Zu den ersten Partnern gehört die französische Verwertungsgesellschaft Sacem, die über 300.000 Musikschaffende vertritt, darunter international bekannte Künstler wie David Guetta.

Genaue Preisinformationen für das Tool nannte das Unternehmen nicht, da die Kosten je nach Art der Vereinbarung variieren. Deezers Initiative wird jedoch als wichtiger Schritt gesehen, um menschliche Kreativität zu schützen und die Integrität der Streaming-Ökosysteme zu bewahren. Das Unternehmen selbst unterstreicht sein Engagement, indem es als erste Musikplattform die globale Erklärung zum KI-Training unterzeichnete.

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