Thüringer des Monats Martin Gobsch: Das Herz der Krämerbrücke

In einer kleinen Werkstatt auf der Erfurter Krämerbrücke schnitzt Martin Gobsch seit 15 Jahren kunstvolle Puppen aus Lindenholz. Seine Arbeit ist dabei für jeden sichtbar und hat sich zu einer Attraktion entwickelt. Für sein außergewöhnliches ehrenamtliches Engagement für die Gemeinschaft der Krämerbrücke wurde er nun vom MDR und der Thüringer Ehrenamtsstiftung als Thüringer des Monats Martin Gobsch im Januar geehrt.

Ein Künstler mit Herz für die Gemeinschaft

Die Werkstatt von Martin Gobsch misst gerade einmal 22 Quadratmeter, wirkt allerdings wie ein Ort aus einem Märchen. Zwischen Werkzeugen und fertigen Figuren haucht der 47-Jährige Holzstücken Leben ein, während Passanten ihm dabei zusehen können. Ein besonderes Highlight ist sein „Theatrum Mundi“, ein mechanisches Figurentheater im Schaufenster, das viele Blicke auf sich zieht. Gobsch empfindet es als Bestätigung, wenn Besucher eine unfertige Figur bereits als bekannten Märchencharakter erkennen, denn dann weiß er, dass er auf dem richtigen Weg ist.

Seine Kunst ist jedoch nur ein Teil seines Lebens auf der berühmten Brücke. Neben seiner kreativen Arbeit investiert er viel Zeit und Energie in das Zusammenleben vor Ort, das die Bewohner liebevoll als ihr „Dorf in der Stadt“ bezeichnen. Dieses Engagement macht ihn zu einer zentralen Figur der Gemeinschaft.

Engagement, das Brücken baut

Seit zehn Jahren engagiert sich Martin Gobsch ehrenamtlich im Stiftungsrat der Krämerbrücke. Dort agiert er als einer der Mietervertreter und ist somit eine wichtige Stimme für die Anwohner und Händler. Seine Aufgaben sind vielfältig, denn er kümmert sich um die Organisation von Festen, die Anliegen der Mieter und ist außerdem an Entscheidungen über neue Händler auf der Brücke beteiligt.

Dieses unermüdliche Engagement war entscheidend für seine Nominierung. Insbesondere während der Vorbereitungen für das Jubiläumsjahr 2025, als die Krämerbrücke ihr 700-jähriges Bestehen feierte, hat er zahlreiche Aktionen initiiert. Dazu gehörten beispielsweise eine eigene Jubiläumsbriefmarke und individuelle Flaggen für jedes Haus, die seitdem bei besonderen Anlässen gehisst werden.

„Thüringer des Monats Martin Gobsch“: Ein Macher, kein Mitläufer

Die Initiative, ihn für die Auszeichnung vorzuschlagen, kam vom Stadtführer Roland Büttner. Er beschreibt Gobsch als einen Schrittmacher, der Probleme aktiv angeht, anstatt nur darüber zu reden. Menschen, die das Heft selbst in die Hand nehmen, sind für eine funktionierende Gemeinschaft unverzichtbar, weshalb sein Beitrag so wertvoll ist.

Auch Nils Lange, der Geschäftsführer der Thüringer Ehrenamtsstiftung, betont die Bedeutung von ehrenamtlich engagierten Bürgern. Sie sind es, die ein gutes gesellschaftliches Miteinander fördern und prägen. Durch Menschen wie Martin Gobsch werden Orte wie die Krämerbrücke noch attraktiver, was wiederum mehr Besucher nach Erfurt zieht und die lokale Kultur stärkt.

Die Kunst des Vermittelns

Seine Nachbarn schätzen an Martin Gobsch vor allem seine ruhige und ausgleichende Art. In einer lebendigen Gemeinschaft kommt es naturgemäß zu unterschiedlichen Meinungen, doch Gobsch hat die besondere Gabe, zu vermitteln und Kompromisse zu finden, mit denen alle leben können. Er hört sich verschiedene Standpunkte an und sucht geduldig nach einer Lösung, die niemanden vor den Kopf stößt.

Ein konkretes Beispiel für seine Fähigkeit, Lager zusammenzuführen, war eine Diskussion über das Hissen von Regenbogenfahnen zum Christopher Street Day. Da bereits die Jubiläumsflaggen wehten, gab es Bedenken. Statt die Debatte eskalieren zu lassen, organisierte Gobsch kurzerhand zusätzliche Fahnenhalter, sodass beide Flaggen Platz fanden und er so den Streit schlichtete.

Eine verdiente Überraschung

Die Verleihung des Titels „Thüringer des Monats“ wurde von den anderen Krämerbrücken-Bewohnern streng geheim organisiert. Sie lockten den Puppenschnitzer unter dem Vorwand eines Interviews ins Haus der Stiftungen, um ihn zu überraschen. Der Plan ging auf, denn Gobsch war sichtlich gerührt und zunächst sprachlos.

In seiner Dankesrede betonte er bescheiden, dass der Erfolg des Jubiläumsjahres eine Gemeinschaftsleistung vieler Engagierter war. Außerdem dankte er seiner Familie, deren Rückhalt ihm die Kraft für seine ehrenamtliche Arbeit gibt. Die Auszeichnung würdigt somit nicht nur seine Person, sondern auch den starken Zusammenhalt auf der Erfurter Krämerbrücke.

Über die Auszeichnung „Thüringer des Monats“

Die Aktion „Thüringer des Monats“ ist eine gemeinsame Initiative von MDR THÜRINGEN und der Thüringer Ehrenamtsstiftung. Seit 1994 werden damit monatlich Menschen gewürdigt, die sich in besonderer Weise ehrenamtlich für ihre Mitmenschen im Freistaat einsetzen. Eine Jury wählt aus den zahlreichen Einsendungen eine Person aus.

Am Ende des Jahres haben die Thüringer die Möglichkeit, aus den zwölf Monatssiegern den „Thüringer des Jahres“ zu wählen. Diese abschließende Wahl erfolgt durch das Publikum von MDR THÜRINGEN und die Nutzer der Online-Angebote, wodurch die besondere Leistung der Ehrenamtlichen eine noch größere Anerkennung erfährt.

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