Pendler und Reisende müssen sich heute in weiten Teilen des Landes auf massive Störungen einstellen, denn ein umfassender Warnstreik im Nahverkehr in Baden-Württemberg legt zahlreiche Bus- und Bahnverbindungen lahm. Die Gewerkschaft ver.di rief die Beschäftigten zu Arbeitsniederlegungen auf, um den Druck in den laufenden Tarifverhandlungen zu erhöhen. Diese Maßnahme betrifft den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in insgesamt sieben Städten und führt dort zu erheblichen Ausfällen.
Die Auswirkungen des Streiks sind vor allem in den Ballungsräumen zu spüren. Betroffen sind die Verkehrsbetriebe in Stuttgart, Karlsruhe, Heilbronn, Freiburg, Baden-Baden, Esslingen und Konstanz. Fahrgäste sollten sich daher vorab informieren, da die meisten Linien ganztägig nicht bedient werden. Ausnahmen kann es allerdings auf Strecken geben, die von privaten Subunternehmen betrieben werden, weshalb einzelne Verbindungen weiterhin verfügbar sein könnten. Der Regionalverkehr der Deutschen Bahn ist von diesem Warnstreik nicht betroffen.
Hintergründe zum Warnstreik im Nahverkehr und weitere Verkehrsprobleme
Die Gewerkschaft ver.di fordert für die rund 6.700 Beschäftigten im kommunalen Nahverkehr spürbare Verbesserungen der Arbeitsbedingungen. Im Zentrum der Forderungen stehen unter anderem höhere Zuschläge für Überstunden sowie für Arbeit in der Nacht oder an Wochenenden. Durch den Warnstreik soll der Arbeitgeberseite signalisiert werden, dass die Belegschaft hinter diesen Forderungen steht. Die nächste Runde der Tarifverhandlungen ist für den 9. Februar angesetzt.
Während in vielen Städten gestreikt wird, steht der Schienenverkehr auf der Schönbuchbahn zwischen Böblingen und Dettenhausen aus einem anderen Grund still. Der Böblinger Landrat Roland Bernhard hat den Betrieb der Bahn vorläufig komplett einstellen lassen, nachdem es wiederholt zu technischen Problemen und Ausfällen mit den neuen Elektrotriebwagen kam. Er kritisierte den spanischen Hersteller CAF scharf und warf dem Unternehmen vor, unzuverlässige Fahrzeuge geliefert und Versprechen gebrochen zu haben. Für die Fahrgäste wird der Schienenersatzverkehr daher den gesamten Februar über aufrechterhalten.
Politische Entwicklungen: Von einer ungewöhnlichen Wahl bis zu neuen Sicherheitsmaßnahmen
Eine besondere Form der direkten Demokratie ereignete sich in Limbach im Neckar-Odenwald-Kreis. Dort fand eine Bürgermeisterwahl ohne offizielle Kandidaten statt, eine sogenannte „wilde Wahl“. Bei diesem Verfahren können die Wahlberechtigten den Namen einer wählbaren Person aus der Gemeinde auf einen leeren Stimmzettel schreiben. Das Ergebnis war eindeutig: Der amtierende Bürgermeister Thorsten Weber, der sich nicht zur Wiederwahl gestellt hatte, erhielt über 90 Prozent der Stimmen und nahm die Wahl anschließend an.
Auf Landesebene bereiten die Grünen unterdessen die Nachfolge von Ministerpräsident Winfried Kretschmann vor, der 2026 nicht erneut antreten wird. Als Spitzenkandidat und Hoffnungsträger für den Machterhalt wurde Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir nominiert. Umfragen deuten auf eine hohe Zustimmung für Özdemir hin, was die Partei im kommenden Wahlkampf nutzen möchte. Obwohl die Grünen derzeit noch hinter der CDU liegen, holen sie in der Wählergunst auf.
Für mehr Sicherheit im Berufsalltag sorgt das Justizministerium bei den Gerichtsvollziehern des Landes. Als Reaktion auf einen tödlichen Angriff im Saarland werden die 536 Beschäftigten ab sofort mit Schutzausrüstung ausgestattet. Dazu gehören ballistische Schutzwesten mit Stichschutz sowie schnittfeste Armstulpen und Handschuhe, deren Kosten das Land vollständig übernimmt. Justizministerin Marion Gentges betonte, man wolle diejenigen bestmöglich schützen, die oft in schwierigen Situationen für den Rechtsstaat einstünden.
Sport im Südwesten: Enttäuschung und Jubel
Trotz einer kämpferisch starken Leistung hat die deutsche Handball-Nationalmannschaft den Europameistertitel knapp verpasst. Im Finale unterlag das junge Team dem Gastgeber und Favoriten Dänemark mit 27:34. Kapitän Johannes Golla zeigte sich nach dem Spiel dennoch stolz auf die Silbermedaille und die Entwicklung der Mannschaft. Ein geplanter großer Empfang in der Heimat wurde vom Deutschen Handballbund allerdings abgesagt, was unter anderem mit den erwarteten Einschränkungen durch die Warnstreiks im Nahverkehr begründet wurde.
Im baden-württembergischen Bundesliga-Duell zwischen dem VfB Stuttgart und dem SC Freiburg fiel die Entscheidung erst in letzter Minute. Der ehemalige Freiburger Ermedin Demirovic erzielte in der 90. Minute den Siegtreffer zum 1:0 für die Stuttgarter. Durch diesen Heimsieg festigt der VfB seinen vierten Tabellenplatz, während Freiburg auf dem siebten Rang verbleibt.
Kultur, Lokales und ein Blick auf das Wetter
Musical-Fans in Stuttgart dürfen sich auf eine neue Produktion freuen, denn ab Oktober feiert das Stück „& Julia“ im SI-Centrum seine Premiere. Das Musical erzählt eine alternative Geschichte von Shakespeares Julia und wird von bekannten Pop-Hits untermalt. Es folgt auf das Queen-Musical „We will rock you“, das im August zum letzten Mal aufgeführt wird.
In Heidelberg wurde die historische Stadthalle nach einer sechsjährigen Sanierungsphase feierlich wiedereröffnet. Bei dem 57 Millionen Euro teuren Umbau, der durch den Mäzen Wolfgang Marguerre finanziert wurde, stellte man das ursprüngliche Jugendstil-Ambiente wieder her. Zudem wurde das Gebäude durch neue Aufzüge barrierefreier gestaltet und steht künftig auch Vereinen und Initiativen offen.
Ein tragischer Unfall ereignete sich am Wochenende auf einer Kreisstraße bei Cleebronn, wo ein 51-jähriger Fußgänger beim Überqueren der Fahrbahn von einem Auto erfasst und tödlich verletzt wurde. Der Mann war an einer Stelle ohne Ampel oder Zebrastreifen auf die Straße getreten. Ein Notfallseelsorger betreute die anwesende Ehefrau und den Autofahrer.
Zum Wochenstart zeigt sich das Wetter in Baden-Württemberg von einer freundlicheren Seite. Nach viel Regen bleibt es tagsüber weitgehend trocken und die Sonne zeigt sich regional. Die Temperaturen bewegen sich zwischen 1 °C an der Donau und bis zu 11 °C im Markgräflerland, begleitet von einem schwachen Südostwind.
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