Thüringer des Monats Januar: Erfurts Puppenschnitzer geehrt

Der Erfurter Puppenschnitzer Martin Gobsch wurde für sein herausragendes künstlerisches und ehrenamtliches Wirken als Thüringer des Monats Januar ausgezeichnet. Seit 15 Jahren bereichert er mit seiner Werkstatt das Leben auf der Krämerbrücke, doch die Ehrung durch den MDR und die Thüringer Ehrenamtsstiftung würdigt vor allem seinen unermüdlichen Einsatz für die Gemeinschaft. Gobsch ist nicht nur Künstler, sondern auch ein wichtiger sozialer Motor des berühmten Erfurter Wahrzeichens.

In seinem nur 22 Quadratmeter großen Atelier, das einer Märchenwelt gleicht, entstehen aus Lindenholz kunstvolle Puppen. Besucher können ihm bei der Arbeit über die Schulter schauen, wodurch eine besondere Nähe zwischen Handwerker und Publikum entsteht. Ein besonderes Highlight ist sein „Theatrum Mundi“, ein mechanisches Figurentheater, das im Schaufenster der Werkstatt zu einer Attraktion für Passanten geworden ist.

Der Künstler und sein Handwerk auf der Krämerbrücke

Martin Gobschs Werkstatt ist ein fester Bestandteil des einzigartigen Kosmos der Krämerbrücke, einer der wenigen vollständig bebauten und bewohnten Brücken Europas. Seine Arbeit ist transparent, denn er schnitzt seine Figuren oft vor den Augen der Besucher. Dies schafft nicht nur Vertrauen, sondern macht das alte Handwerk des Puppenschnitzens direkt erlebbar. Wenn Passanten eine noch unfertige Figur bereits als bekannte Märchengestalt erkennen, ist das für ihn die schönste Bestätigung.

Sein „Theatrum Mundi“ ist mehr als nur eine Dekoration. Es ist ein kleines, bewegliches Theater, das Geschichten ohne Worte erzählt und damit Menschen aller Altersgruppen fasziniert. Dadurch trägt Gobsch maßgeblich zur kulturellen Anziehungskraft der Brücke bei und schafft einen Ort des Innehaltens im städtischen Trubel.

Ein Macher für die Gemeinschaft: Ehrenamtliches Engagement

Neben seiner künstlerischen Tätigkeit engagiert sich der 47-Jährige seit zehn Jahren ehrenamtlich im Stiftungsrat der Krämerbrücke. Als einer der Mietervertreter ist er eine zentrale Ansprechperson für alle Belange der Bewohner und Händler. Sein Engagement geht dabei weit über formale Pflichten hinaus, denn er kümmert sich um die Organisation von Festen und ist an wichtigen Entscheidungen beteiligt, etwa bei der Auswahl neuer Mieter.

Stadtführer Roland Büttner, der Gobsch für die Auszeichnung vorschlug, beschreibt ihn als einen „Schrittmacher“. Anstatt nur Ideen zu äußern, ergreift Gobsch die Initiative und setzt Projekte aktiv um. Diese proaktive Haltung ist für das enge Zusammenleben in dem „Dorf in der Stadt“, wie die Bewohner ihren Lebensraum nennen, von unschätzbarem Wert.

Die Kunst der Vermittlung als Schlüssel zum Erfolg

Eine besondere Fähigkeit, die ihm von seinen Nachbarn zugeschrieben wird, ist sein Talent zur Moderation. In einer Gemeinschaft, in der unterschiedliche Interessen aufeinandertreffen können, fungiert Martin Gobsch als ausgleichende Kraft. Schmuckkünstlerin Ute Wolff-Brinckmann lobt seine ruhige und zugewandte Art, mit der er Diskussionen entschärft und für alle tragfähige Kompromisse findet.

Auch Heiko Hilscher, der den Linkshändlerladen führt, betont Gobschs vermittelnde Art. In Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung sei es besonders wichtig, Menschen zu haben, die Brücken zwischen verschiedenen Lagern bauen können. Ein konkretes Beispiel war eine Debatte über das Hissen von Regenbogenfahnen zum Christopher Street Day, während bereits die Fahnen zum Brückenjubiläum wehten. Anstatt eine Seite zu bevorzugen, organisierte Gobsch kurzerhand zusätzliche Fahnenhalter, sodass beide Anliegen gewürdigt werden konnten.

Impulsgeber für das Jubiläumsjahr der Krämerbrücke

Besonders im Jubiläumsjahr 2025, als „700 Jahre steinerne Krämerbrücke“ gefeiert wurde, zeigte sich Gobschs Tatkraft. Er war die treibende Kraft hinter vielen Aktionen, die das Jubiläum unvergesslich machten. So initiierte er die Herausgabe einer Jubiläumsbriefmarke und sorgte dafür, dass jedes Haus auf der Brücke eine eigene Flagge erhielt, die bei besonderen Anlässen gehisst werden kann. Solche Details stärken die Identität und den Zusammenhalt der Gemeinschaft nachhaltig.

Nils Lange, der Geschäftsführer der Thüringer Ehrenamtsstiftung, hebt hervor, dass Menschen wie Martin Gobsch das Fundament einer funktionierenden Gesellschaft bilden. Sein Engagement sorgt nicht nur für ein gutes Miteinander, sondern auch dafür, dass die Krämerbrücke als kulturelles Erbe lebendig bleibt und für Besucher attraktiv ist.

Die verdiente Auszeichnung als Thüringer des Monats Januar

Die Ehrung zum Thüringer des Monats Januar wurde von den anderen Bewohnern der Krämerbrücke heimlich organisiert, um Martin Gobsch zu überraschen. Unter dem Vorwand eines Interviews zur Bilanz der 700-Jahr-Feier wurde er ins Haus der Stiftungen gelockt. Die Überraschung gelang, und der sichtlich gerührte Puppenbauer betonte in seiner Dankesrede, dass dieser Preis auch den vielen anderen Ehrenamtlichen und seiner Familie gebühre, ohne deren Unterstützung sein Einsatz nicht möglich wäre.

Die Aktion „Thüringer des Monats“ von MDR THÜRINGEN und der Thüringer Ehrenamtsstiftung würdigt seit 1994 Menschen, die sich in besonderer Weise ehrenamtlich für ihre Mitmenschen einsetzen. Die Auszeichnung für Martin Gobsch unterstreicht, wie wichtig kreative, engagierte und vermittelnde Persönlichkeiten für das kulturelle und soziale Leben in Thüringen sind.

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