LIV Golf Weltranglistenpunkte: Die neue Regel einfach erklärt

Nach langem Warten erhalten Spieler der LIV Golf Tour nun endlich offizielle Weltranglistenpunkte. Allerdings ist die Freude über diesen längst überfälligen Anerkennungsschritt getrübt, denn eine umstrittene neue Regelung sorgt für erhebliche Kritik. Diese Neuerung könnte weitreichende Folgen für die Karrieren der Profis haben, da die Vergabe der wichtigen LIV Golf Weltranglistenpunkte stark eingeschränkt ist.

Die von Saudi-Arabien finanzierte Turnierserie, die in ihre fünfte Saison startet, wurde erstmals vom Vorstand der offiziellen Golf-Weltrangliste (OWGR) berücksichtigt. Während dies ein wichtiger Meilenstein ist, stößt die Art der Umsetzung auf deutlichen Widerstand. Die Verantwortlichen von LIV Golf bezeichnen die Entscheidung als beispiellos und unfair gegenüber ihren Athleten.

So funktioniert die neue Punktevergabe für LIV Golf

Die offizielle Golf-Weltrangliste, kurz OWGR (Official World Golf Rankings), ist das entscheidende System zur Einstufung von männlichen Profigolfern weltweit. Eine hohe Platzierung ist oft die Voraussetzung für die Teilnahme an den vier großen Major-Turnieren. Das neue System für LIV Golf weicht jedoch erheblich von den Standards der anderen 24 anerkannten Profitouren ab.

Während bei Turnieren der PGA Tour oder der DP World Tour alle Spieler, die den Cut schaffen, Weltranglistenpunkte erhalten, gilt bei LIV-Events eine andere Regel. Hier werden ausschließlich die besten zehn Finisher mit Punkten belohnt. Diese Einschränkung bedeutet, dass ein Großteil des 57-köpfigen Teilnehmerfeldes trotz guter Leistung leer ausgeht.

Der Streitpunkt: Warum die Regelung für Kritik sorgt

LIV Golf kritisiert diese Entscheidung scharf, da sie in der Geschichte der OWGR einzigartig sei. Bisher wurde keine andere Turnierserie einer derartigen Beschränkung unterworfen. Die Organisation argumentiert, dass die Regelung Spieler unverhältnismäßig benachteiligt, die konstant gute Leistungen zeigen, aber knapp außerhalb der Top 10 landen.

Dadurch entsteht eine Situation, in der ein Spieler auf dem elften Platz genauso bewertet wird wie der Letztplatzierte – nämlich mit null Punkten. LIV Golf fordert daher ein transparentes und gerechtes System, das die tatsächliche Leistung über die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Tour stellt. Die aktuelle Regelung spiegele dies nicht wider und schade der Glaubwürdigkeit des Sports.

Die Begründung der OWGR: Ein Kompromiss mit Bedingungen

Der OWGR-Vorstand verteidigt seine Entscheidung und verweist darauf, dass die Vergabe von Punkten an LIV-Spieler ein Versuch sei, der veränderten Landschaft im Profigolf gerecht zu werden. Gleichzeitig betont das Gremium, dass LIV Golf in mehreren Bereichen nicht die etablierten Kriterien für eine uneingeschränkte Aufnahme erfüllt.

Die Verantwortlichen listen dafür mehrere Gründe auf:

  • Feldgröße: Die durchschnittliche Teilnehmerzahl bei LIV-Turnieren liegt 2026 bei 57 Spielern, während die OWGR-Regularien ein Minimum von 75 fordern.
  • Kein Cut: Alle Events werden ohne einen „Cut“ nach zwei Runden gespielt, wodurch das gesamte Feld bis zum Ende im Wettbewerb bleibt.
  • Qualifikationswege: Die Wege in die Liga sind restriktiv. Lediglich zwei Plätze werden über die International Series der Asian Tour und drei über ein geschlossenes Promotion-Event vergeben, was den Austausch von Spielern stark einschränkt.
  • Spielerauswahl: In vielen Fällen werden Spieler gezielt rekrutiert, anstatt dass sie sich ihren Platz ausschließlich durch sportliche Leistung verdienen. Zudem wurden zuletzt Spieler aufgrund ihrer Nationalität Teams hinzugefügt oder aus ihnen entfernt.

Allerdings erkennt die OWGR an, dass sich die LIV Tour weiterentwickelt. So werden die 14 Events der Saison 2026 über 72 Löcher gespielt statt wie bisher über 54. Weitere Anpassungen für 2027 werden geprüft und könnten zu einer Neubewertung führen.

Was die neuen LIV Golf Weltranglistenpunkte in der Praxis bedeuten

Die eingeschränkte Punktevergabe hat konkrete Auswirkungen. Ein Sieg bei einem LIV-Event bringt dem Gewinner voraussichtlich rund 23 Weltranglistenpunkte ein. Das ist zwar vergleichbar mit einem Sieg bei einem Event der europäischen DP World Tour (ca. 25 Punkte), liegt aber weit hinter den Werten der amerikanischen PGA Tour.

Zum Vergleich: Der Sieger der WM Phoenix Open auf der PGA Tour erhält voraussichtlich 59 Punkte, während bei einem sogenannten Signature Event sogar 66 Punkte vergeben werden. Selbst bei den FedEx-Cup-Playoff-Events am Saisonende, die mit reduziertem Feld und ohne Cut gespielt werden, erhält der Gewinner 37 Punkte. Für LIV-Spieler bedeutet dies, dass sie eine anhaltende Serie von Top-Platzierungen benötigen, um in der Weltrangliste nennenswerte Fortschritte zu machen.

Auswirkungen auf die Spieler und die Major-Turniere

Die Weltranglistenpunkte sind für die Qualifikation zu den vier Majors – dem Masters, der PGA Championship, der US Open und der Open Championship – von entscheidender Bedeutung. Durch die begrenzte Punktevergabe wird es für viele LIV-Golfer schwierig, sich über ihre Ranglistenposition einen Startplatz zu sichern.

Aktuell befinden sich mit dem Engländer Tyrrell Hatton (Platz 22) und dem Amerikaner Bryson DeChambeau (Platz 33) nur zwei LIV-Spieler unter den Top 50 der Welt. Stars wie Jon Rahm sind deutlich abgerutscht. Zwar besitzen einige Top-Spieler wie DeChambeau und Rahm durch frühere Major-Siege mehrjährige Startberechtigungen, doch für den Großteil des Feldes bleibt der Weg zu den wichtigsten Turnieren des Jahres steinig.

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