Die Stiftsbibliothek St. Gallen ist für viele Einheimische eine vertraute Sehenswürdigkeit, die oft schon während der Schulzeit besucht wird. Doch ein aktueller Bericht eines preisgekrönten Reisejournalisten rückt das weltberühmte Kulturerbe in ein neues Licht und zeigt, warum der Ort für Besucher aus aller Welt eine Quelle der Faszination ist. Während der Alltag die Wahrnehmung manchmal trübt, enthüllt der Blick von aussen die wahre Magie dieses historischen Ortes.
Ein himmlischer Ort in den Augen der Welt
Der schottische Reisejournalist Mike MacEacheran beschrieb die Stiftsbibliothek in einem kürzlich für die BBC veröffentlichten Artikel als einen „wahrlich himmlischen Ort“ und einen „Zufluchtsort für die Seele“. Seine enthusiastische Schilderung steht im Kontrast zur oft routinierten Wahrnehmung der lokalen Bevölkerung, für die ein Besuch fast zur Pflichtaufgabe gehören kann. MacEacheran hebt besonders Details hervor, die Einheimischen vielleicht nicht mehr auffallen.
Sofort beim Betreten fiel ihm das beeindruckende Deckenfresko ins Auge. Außerdem zeigten die kunstvoll verzierten Bücherregale und die fantasievolle Einrichtung des Barocksaals eine tiefe Wirkung auf ihn. Die aussergewöhnliche Atmosphäre und das hohe Alter der Bibliothek hinterliessen einen bleibenden Eindruck, den er mit eindrucksvollen Adjektiven beschrieb. Sein Bericht erinnert daran, dass vertraute Orte durch die Augen eines Fremden neu entdeckt werden können.
Auch die St.Galler Altstadt wusste den Journalisten zu begeistern, denn er bezeichnete sie als lebendiges Museum. Die verwinkelten Gassen mit Kopfsteinpflaster, die zahlreichen Innenhöfe und die traditionellen Erststockbeizen wie das „Goldene Schäfli“ oder die Weinstube zum Bäumli nannte er wahre Geheimtipps, die den historischen Charakter der Stadt unterstreichen.
Ein Erbe, das Jahrhunderte überdauerte
Während seines Besuchs führte Albert Holstein, Leiter der Fachstelle für schriftliches Kulturerbe, den Journalisten durch die geschichtsträchtigen Räume. Dabei erläuterte er, wie die wertvollen Bestände der Stiftsbibliothek St. Gallen unzählige religiöse und politische Umbrüche überstanden haben. Diese Beständigkeit macht die Bibliothek nicht nur zu einem Aufbewahrungsort für Bücher, sondern auch zu einem Zeugen einer langen und wechselvollen europäischen Geschichte.
Die Sammlung umfasst Manuskripte und frühe Drucke von unschätzbarem Wert, weshalb die Bibliothek heute ein zentraler Bestandteil des UNESCO-Weltkulturerbes des Stiftsbezirks ist. Die Führung verdeutlichte, dass jeder Band in den Regalen eine eigene Geschichte erzählt und Teil eines grossen kulturellen Puzzles ist. Dadurch wird die Bedeutung der Institution als Hüterin des Wissens und der Kultur greifbar.
Vom Schulausflug zum globalen Anziehungspunkt
Für viele St.Gallerinnen und St.Galler ist die erste Erinnerung an die Bibliothek mit einem Schulausflug und den obligatorischen Filzpantoffeln verbunden. Diese Pantoffeln sind notwendig, um den wertvollen Holzboden des Barocksaals zu schützen. Während diese Anekdote den lokalen Charme unterstreicht, hat sich die Wahrnehmung der Bibliothek international stark gewandelt.
Heute ist die Stiftsbibliothek St. Gallen ein globaler Touristenmagnet. Virale Videos auf Plattformen wie TikTok haben in jüngster Zeit zu einem regelrechten Besucheransturm geführt. Die wachsende Internationalität und der Tourismus sorgten zuletzt für ein Rekordjahr im gesamten Stiftsbezirk, was die globale Anziehungskraft dieses einzigartigen Ortes bestätigt.
Umgang mit dem Besucherrekord im Stiftsbezirk
Der enorme Zuspruch bringt allerdings auch Herausforderungen mit sich. Der Stiftsbezirk verzeichnete so viele Besucherinnen und Besucher wie nie zuvor, sodass die Verantwortlichen nun Massnahmen ergreifen müssen, um den Ansturm zu bewältigen. Einerseits wurden die Öffnungszeiten erweitert, um den Gästen mehr Flexibilität zu bieten und die Menschenmengen besser zu verteilen.
Andererseits mussten öffentliche Führungen gestrichen werden, um den Betrieb aufrechtzuerhalten und die empfindlichen Kulturgüter zu schützen. Diese Anpassungen zeigen, wie die Verwaltung auf die gestiegene Popularität reagiert, um ein Gleichgewicht zwischen Zugänglichkeit für Touristen und dem Schutz des unersetzlichen Erbes zu finden. Der Erfolg fordert also eine sorgfältige Planung, damit die Stiftsbibliothek St. Gallen auch für künftige Generationen erhalten bleibt.
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