Die von Saudi-Arabien finanzierte LIV Golf Tour hat einen wichtigen Meilenstein erreicht, denn ihre Spieler erhalten zukünftig offizielle Weltranglistenpunkte. Allerdings sorgt die Entscheidung der Official World Golf Rankings (OWGR) für erhebliche Kontroversen, da die Vergabe der LIV Golf Weltranglistenpunkte an strenge Bedingungen geknüpft ist. Während die Tour dies als längst überfällige Anerkennung feiert, äußert sie gleichzeitig scharfe Kritik an den Details der neuen Regelung.
Diese Neuerung ist für die Spieler der Tour von großer Bedeutung, da die Punkte in der Weltrangliste entscheidend für die Qualifikation zu den vier großen Major-Turnieren im Golfsport sind. Die OWGR ist das System, das die Leistungen von professionellen männlichen Golfern weltweit erfasst und vergleicht. Bislang waren LIV-Spieler von diesem System ausgeschlossen, was ihre Karrieremöglichkeiten stark einschränkte.
Die neue Regelung im Detail
Die OWGR hat bekannt gegeben, dass sie die Vergabe von Punkten an LIV-Golfer ermöglicht, um der veränderten Landschaft im Profigolf gerecht zu werden. Jedoch gibt es eine entscheidende Einschränkung: Nur die besten zehn Spieler eines LIV-Turniers erhalten Weltranglistenpunkte. Alle anderen Teilnehmer, die das Turnier beenden, gehen leer aus, unabhängig von ihrer Leistung.
Diese Vorgehensweise stellt einen deutlichen Unterschied zu den 24 anderen professionellen Männertouren dar, die Teil des OWGR-Systems sind. Dort erhalten üblicherweise alle Spieler, die den sogenannten „Cut“ schaffen, also die Qualifikation für die Finalrunden, Weltranglistenpunkte. Dadurch wird eine breitere Anerkennung von soliden Leistungen im gesamten Teilnehmerfeld sichergestellt.
Kritik von LIV Golf: Eine „beispiellose“ Entscheidung
Die Verantwortlichen der LIV Golf Tour kritisierten die Begrenzung scharf und bezeichneten sie als „beispiellos“. In der Geschichte der offiziellen Golf-Weltrangliste sei noch nie eine Turnierserie einer solchen Beschränkung unterworfen worden. Dadurch werde ein Spieler, der auf dem elften Platz landet, genauso behandelt wie der Letztplatzierte, obwohl seine Leistung deutlich besser war.
LIV Golf argumentiert, dass diese Regelung insbesondere Spieler benachteiligt, die konstant auf hohem Niveau spielen, aber die Top-10-Marke knapp verfehlen. Die Organisation betonte außerdem, sie habe den Prozess im guten Glauben begonnen und werde sich weiterhin für ein faires Ranglistensystem einsetzen, das Leistung über die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Tour stellt. Dennoch wird die aktuelle Entscheidung als wichtiger erster Schritt betrachtet.
Warum die OWGR die LIV Golf Weltranglistenpunkte einschränkt
Das OWGR-Gremium begründete seine Entscheidung mit mehreren Faktoren, durch die sich die LIV Tour von etablierten Standards unterscheidet. Die Verantwortlichen der Weltrangliste erkennen an, dass LIV Golf in einigen Bereichen die Kriterien für eine uneingeschränkte Aufnahme noch nicht erfüllt. Daher wurde ein Kompromiss gesucht.
Zu den genannten Gründen für die Einschränkung gehören unter anderem:
- Kleinere Teilnehmerfelder: Die Turniere haben durchschnittlich 57 Teilnehmer, während die OWGR-Regularien ein Minimum von 75 Spielern vorsehen.
- Keine „Cuts“: Bei LIV-Events sind alle Spieler für die gesamte Dauer des Turniers spielberechtigt, es gibt keine Reduzierung des Feldes nach den ersten Runden.
- Eingeschränkte Qualifikationswege: Die Wege, um sich einen Platz auf der Tour zu sichern, sind restriktiv und basieren nicht ausschließlich auf einem offenen Leistungsprinzip.
- Spielerauswahl: Ein Teil der Spieler wird direkt rekrutiert und nicht über sportliche Qualifikationsturniere ermittelt.
Allerdings erkennt die OWGR an, dass sich die LIV Tour weiterentwickelt. Beispielsweise werden die Turniere ab 2026 über 72 Löcher statt wie bisher über 54 Löcher gespielt. Die Organisation wird die weiteren Entwicklungen daher genau beobachten und bewerten.
Konkrete Auswirkungen auf Spieler und Majors
Die begrenzte Punktevergabe hat erhebliche Folgen für die Spieler. Der Sieger eines LIV-Events erhält voraussichtlich etwa 23 Weltranglistenpunkte. Im Vergleich dazu bekommt der Gewinner eines regulären Turniers auf der europäischen DP World Tour circa 25 Punkte, während der Sieger eines Events der amerikanischen PGA Tour wie der WM Phoenix Open mit rund 59 Punkten rechnen kann.
Diese Diskrepanz bedeutet, dass LIV-Spieler eine anhaltende Serie von Top-Platzierungen benötigen, um sich in der Weltrangliste signifikant zu verbessern. Aktuell befinden sich mit Tyrrell Hatton (22.) und Bryson DeChambeau (33.) nur zwei LIV-Spieler in den Top 50 der Welt. Stars wie Jon Rahm sind weiter abgerutscht, obwohl sie durch frühere Erfolge bei Majors weiterhin für diese Turniere qualifiziert sind.
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