Renndress Farbe und Geschwindigkeit: Warum Weiß schneller macht

Im professionellen Skirennsport entscheiden oft nur Hundertstelsekunden über Sieg oder Niederlage. Während die perfekte Linienwahl und das Material entscheidend sind, rückt ein oft übersehener Faktor in den Fokus: der Renndress. Aktuelle Forschungen von Swiss-Ski zeigen, dass die Renndress Farbe die Geschwindigkeit maßgeblich beeinflussen kann, weshalb selbst kleinste Details im Windkanal optimiert werden.

Seit rund eineinhalb Jahren arbeitet der Schweizer Skiverband unter strenger Geheimhaltung am neuen Olympia-Anzug. Dabei wird eine Tradition fortgesetzt, denn bereits in den 1970er-Jahren profitierten Legenden wie Marie-Theres Nadig und Bernhard Russi von aerodynamischen Tests im Windkanal.

Systematische Tests im Windkanal

Um den Einfluss der Farbe wissenschaftlich zu untersuchen, testete das Forschungsteam um Björn Bruhin zwei extreme Varianten: einen komplett weißen und einen dunkelblauen Renndress. Für die Olympischen Spiele wird ohnehin ein neues Design ohne Werbeaufdrucke entwickelt, daher bot sich die Gelegenheit, den Effekt von hellen und dunklen Stoffen systematisch zu analysieren.

Die Tests finden im Windkanal der Ruag in Emmen statt und sind sehr aufwändig. Testfahrer müssen dabei für jeweils 30 Sekunden in der Abfahrtshocke verharren, während der Wind mit Geschwindigkeiten von 80, 100 und sogar 120 km/h auf sie einwirkt. Zahlreiche Durchgänge sind notwendig, denn die messbaren Unterschiede im Luftwiderstand sind äußerst gering.

Warum die Renndress Farbe die Geschwindigkeit beeinflusst

Die Ergebnisse der Tests sind eindeutig: Der weiße Anzug ist schneller als der blaue. Obwohl der Unterschied im Luftwiderstand bei unter einem Prozent liegt, kann sich dieser minimale Vorteil auf einer langen Abfahrtsstrecke wie dem Lauberhorn zu einem Zeitgewinn von über einer Sekunde summieren.

Die Ursache für diesen Effekt wird unter dem Mikroskop sichtbar. Um einen Stoff zu färben, werden Farbpigmente auf die Oberfläche gedruckt. Diese winzigen Partikel sind mit bloßem Auge nicht zu erkennen, allerdings verändern sie die Oberflächenstruktur des Gewebes. Dadurch wird der Stoff minimal rauer, was wiederum den Luftwiderstand erhöht und den Anzug langsamer macht.

Strategisches Design für den Olympia-Erfolg

Dieses Wissen nutzt Swiss-Ski gezielt für das Design des neuen Olympia-Anzugs. Anstatt eines rein weißen Modells wurde ein rot-weißer Dress entwickelt, bei dem die Farben strategisch platziert sind. Der glattere und somit schnellere weiße Stoff kommt an jenen Körperstellen zum Einsatz, die dem Fahrtwind am stärksten ausgesetzt sind.

An weniger exponierten Stellen wird hingegen der rote Stoff verwendet. Durch diese clevere Kombination optimiert das Team nicht nur die Aerodynamik, sondern schafft gleichzeitig ein ansprechendes Design. Laut Forschungsleiter Bruhin kann ein perfekt optimierter Renndress im Vergleich zu einem schlechteren Modell einen Vorteil von bis zu 0,2 Sekunden bringen.

Eine lange Tradition der Optimierung

Die kontinuierliche Verbesserung der Renndresse hat bei Swiss-Ski eine lange Geschichte. Schon in den 1980er-Jahren wurde an Stoffen und Schnitten gefeilt, um Athleten wie Pirmin Zurbriggen oder Maria Walliser entscheidende Vorteile zu verschaffen. Auch der legendäre „Käsedress“ aus den 1990er-Jahren war das Ergebnis intensiver Entwicklungsarbeit.

Der aktuelle Weltcup-Anzug mit dem Namen „Levada“ basiert ebenfalls auf modernster Technologie. Dafür wurden die Körper der Athleten mittels Bodyscans vermessen und zwei verschiedene Hightech-Stoffe miteinander verklebt. Die neuesten Erkenntnisse über den Einfluss der Farbe stellen nun den nächsten logischen Schritt in dieser Entwicklung dar und bieten eine vielversprechende Ausgangslage für die kommenden Speedrennen.

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