Die winterliche Kulisse auf Hamburgs Alster und Kanälen lockt viele Menschen ins Freie, doch der Anblick einer geschlossenen Eisdecke ist trügerisch. Die Behörden warnen eindringlich, denn das Betreten der gefrorenen Gewässer ist lebensgefährlich. Die akute Gefahr auf Eisflächen in Hamburg wurde bereits zur traurigen Realität, da in dieser Woche schon zwei Personen ins Eis eingebrochen sind.
Trotz der wiederholten Warnungen und der offensichtlichen Risiken wagen sich immer wieder Spaziergänger auf die Alster und die angrenzenden Kanäle. Aus diesem Grund hat die Hamburger Polizei für das kommende Wochenende verstärkte Kontrollen angekündigt, um Schlimmeres zu verhindern und die Bevölkerung zu schützen.
Warum die Eisdecke so trügerisch ist
Die Hamburger Umweltbehörde hat die Eisdicke an mehreren Stellen überprüft und ein alarmierendes Ergebnis festgestellt. Die Eisschicht misst an vielen Stellen lediglich rund zwei Zentimeter und ist zudem porös. Poröses Eis entsteht, wenn eine gefrorene Oberfläche zwischendurch antaut und anschließend erneut gefriert, wodurch Lufteinschlüsse die Stabilität massiv schwächen.
Diese Instabilität führt dazu, dass die Eisdecke keine nennenswerte Last tragen kann. An einigen Stellen ist das Eis sogar so dünn, dass selbst Vögel beim Landen durch die Oberfläche brechen. Eine geschlossene Optik täuscht daher über die tatsächliche Gefahr hinweg und macht jeden Schritt auf dem Eis zu einem unkalkulierbaren Risiko.
Lebensgefahr durch Kälteschock und Unterkühlung
Wer ins eiskalte Wasser einbricht, gerät unmittelbar in Lebensgefahr. Der plötzliche Kälteschock kann zu einem unkontrollierten Atemstillstand, Panik und einem schnellen Verlust der Orientierung führen. Außerdem entzieht das Wasser dem Körper rapide Wärme, sodass innerhalb kürzester Zeit eine schwere Unterkühlung, eine sogenannte Hypothermie, einsetzt.
Die jüngsten Vorfälle in Hamburg verdeutlichen die ernste Lage. Am Jungfernstieg wollte ein Mann die Tragfähigkeit des Eises testen und brach sofort ein. In Ohlsdorf endete der Ausflug einer Frau mit ihren Hunden tragisch: Sie stürzte ebenfalls ins Wasser und konnte von der Feuerwehr gerettet werden, während eines ihrer Tiere verstarb. Die Frau erlitt eine starke Unterkühlung und musste im Krankenhaus behandelt werden.
Verstärkte Kontrollen wegen der Gefahr auf Eisflächen in Hamburg
Angesichts der anhaltenden Unvernunft vieler Menschen wird die Polizei ihre Präsenz an den Gewässern deutlich erhöhen. Beamte werden an der Alster und den Kanälen patrouillieren, um Passanten vom Betreten der Eisflächen abzuhalten. Zusätzlich ist die Wasserschutzpolizei mit einer speziellen „Eisstreife“ im Einsatz.
Die Maßnahmen dienen ausschließlich der Prävention, denn ein Rettungseinsatz ist immer mit hohen Risiken für alle Beteiligten verbunden. Die Behörden appellieren daher dringend an die Eigenverantwortung der Bürgerinnen und Bürger.
Richtiges Verhalten im Notfall: Das können Sie tun
Wenn Sie beobachten, wie eine Person ins Eis einbricht, ist schnelles und überlegtes Handeln entscheidend. Beachten Sie dabei unbedingt die folgenden Punkte, um sich selbst nicht zu gefährden:
- Notruf wählen: Alarmieren Sie sofort die Feuerwehr über die 112 oder die Polizei über die 110. Geben Sie den genauen Standort des Unglücks an.
- Abstand halten: Betreten Sie die Eisfläche auf keinen Fall selbst. Die Einbruchstelle zeigt, dass das Eis nicht trägt, und Sie würden sich ebenfalls in Lebensgefahr begeben.
- Von Land aus helfen: Versuchen Sie, der eingebrochenen Person vom sicheren Ufer aus zu helfen. Reichen Sie ihr lange Gegenstände wie Äste, Schals, Jacken oder einen Rettungsring.
- Person beruhigen: Sprechen Sie mit der Person im Wasser. Ruhe und Zuspruch können helfen, eine Panikreaktion zu vermeiden und wertvolle Kräfte zu sparen, bis die Rettungskräfte eintreffen.
Appell der Behörden: Eisflächen unbedingt meiden
Die aktuelle Wetterlage hat keine stabile und tragfähige Eisdecke geschaffen. Jeder Schritt auf dem Eis ist ein potenziell tödliches Risiko. Die Hamburger Behörden fordern daher alle auf, die gefrorenen Gewässer strikt zu meiden und auch Kinder eindringlich über die Gefahren aufzuklären.
Artikelempfehlung: Funkloch beim Notruf – Was tun, wenn die 112 nicht geht?
