Die Golfwelt blickt gespannt auf eine neue Regelung, die für erhebliche Diskussionen sorgt. Es geht um die Vergabe von LIV Golf Weltranglistenpunkten, die erstmals möglich ist, allerdings unter strengen Auflagen. Insbesondere der spanische Top-Golfer Jon Rahm, zweifacher Major-Sieger, äußert deutliche Kritik an der Entscheidung der Verantwortlichen des Official World Golf Rankings (OWGR).
Die neue Regelung sieht vor, dass bei Turnieren der von Saudi-Arabien finanzierten LIV Golf Tour nur die zehn bestplatzierten Spieler Punkte für die offizielle Weltrangliste erhalten. Diese Entscheidung stellt einen ersten Schritt zur Anerkennung der umstrittenen Tour dar, führt jedoch gleichzeitig zu Unmut. Denn sie weicht erheblich von der Praxis auf den 24 anderen professionellen Herrentouren ab, wo üblicherweise alle Spieler, die den Cut überstehen, mit Punkten belohnt werden.
Eine umstrittene Entscheidung: So funktioniert die neue Punktevergabe
Das Official World Golf Ranking, kurz OWGR, ist das entscheidende System zur Bewertung der Leistungen von Profigolfern weltweit. Eine hohe Position in dieser Rangliste ist von enormer Bedeutung, da sie unter anderem über die Qualifikation für die vier prestigeträchtigen Major-Turniere entscheidet. Lange Zeit wurde die LIV Golf Tour vom OWGR ignoriert, wodurch deren Spieler stetig in der Weltrangliste abrutschten, obwohl sie teils hohe Preisgelder gewannen.
Nun hat das OWGR-Gremium erstmals Punkte für LIV-Events freigegeben, diese jedoch stark eingeschränkt. Anstatt das gesamte Feld zu werten, werden ausschließlich die Top-10-Platzierungen berücksichtigt. Für Spieler, die auf dem elften Platz oder schlechter landen, hat ein gutes Turnier demnach keine positiven Auswirkungen auf ihre Weltranglistenposition. Vielmehr kann es sogar schaden, wie Kritiker anmerken.
Die Begründung der OWGR-Verantwortlichen
Das OWGR-Komitee verteidigt seine Entscheidung und verweist auf mehrere Punkte, in denen die LIV Golf Tour nicht den etablierten Kriterien entspreche. Einer der Hauptgründe sei die durchschnittliche Größe der Teilnehmerfelder. Während die OWGR-Regularien ein Minimum von 75 Spielern vorsehen, treten bei LIV-Turnieren im Schnitt nur rund 57 Golfer an.
Ein weiterer Kritikpunkt ist das Auswahlverfahren der Spieler. Nach Ansicht des OWGR basiert die Teilnahme bei LIV Golf weniger auf sportlicher Qualifikation als auf der direkten Rekrutierung von Top-Namen. Diese „Selbstauswahl“ stehe im Gegensatz zu den offenen Qualifikationsmechanismen anderer Touren, bei denen sich Spieler ihren Platz durch Leistung verdienen müssen. Aus diesen Gründen sei eine vollständige Anerkennung derzeit nicht gerechtfertigt, so die offizielle Begründung.
Jon Rahms Kritik: „Scheint nicht fair“
Jon Rahm, der erst kürzlich zur LIV Tour wechselte, brachte seine Enttäuschung deutlich zum Ausdruck. Zwar begrüße er die grundsätzliche Anerkennung als positiven Schritt, doch die konkrete Umsetzung empfindet er als ungerecht. Er kritisiert, dass für LIV Golf offenbar andere Regeln gelten als für den Rest der Golfwelt. Seiner Meinung nach sei es nicht nachvollziehbar, warum nur zehn Spieler Punkte erhalten sollten.
Besonders problematisch sei der sogenannte „Divisor“ im Berechnungssystem der Weltrangliste. Jeder Start bei einem gewerteten Turnier erhöht diesen Divisor, durch den die gesammelten Gesamtpunkte geteilt werden. Ein elfter Platz ohne Punktgewinn würde sich daher wie ein verpasster Cut auswirken und den Punktedurchschnitt eines Spielers sogar verschlechtern. Anstatt also von der Anerkennung zu profitieren, könnten einige Spieler durch gute, aber nicht herausragende Leistungen sogar Plätze in der Weltrangliste verlieren.
Ungleiche Maßstäbe? Der Vergleich mit anderen Golfturnieren
Die von LIV Golf und Spielern wie Rahm geäußerte Kritik stützt sich auch auf den Vergleich mit anderen etablierten Turnieren. Es gibt mehrere Events auf der PGA Tour oder der DP World Tour, die ebenfalls kleine Teilnehmerfelder haben und ohne einen Cut auskommen. Dennoch erhalten dort alle Teilnehmer Weltranglistenpunkte, was den Vorwurf der Doppelmoral nährt.
Als Beispiele werden häufig Turniere wie die Hero World Challenge mit nur 20 Spielern oder die hochdotierten Play-off-Events am Saisonende genannt. Die Tour Championship (30 Spieler), die BMW Championship (49 Spieler) und die DP World Tour Championship (52 Spieler) fallen ebenfalls in diese Kategorie. Dass diese Events vollumfänglich gewertet werden, während die LIV Golf Weltranglistenpunkte so stark beschränkt sind, sorgt für Unverständnis und schürt den Verdacht, dass die Entscheidung politisch motiviert sein könnte.
Sportliche Schlagzeilen aus Riad rücken in den Hintergrund
Während die Debatte über die Weltranglistenpunkte die Schlagzeilen dominiert, ist die LIV Golf Saison in Riad gestartet. Dort zeigte der Belgier Thomas Detry bei seinem Debüt eine beeindruckende Leistung. Mit einer fehlerfreien Runde von 65 Schlägen (sieben unter Par) setzte er sich gemeinsam mit dem Amerikaner Peter Uihlein an die Spitze des Feldes.
Auch andere Neulinge wie der Australier Elvis Smylie starteten stark und liegen nur einen Schlag zurück. Jon Rahm selbst befindet sich ebenfalls in einer aussichtsreichen Position. Zusammen mit seinem europäischen Ryder-Cup-Kollegen Tyrrell Hatton liegt er nach der ersten Runde auf dem geteilten vierten Platz. Interessanterweise hat die LIV Tour ihr Format für diese Saison von 54 auf 72 Löcher erweitert, was eine Annäherung an die traditionellen Turniere darstellt und die sportliche Vergleichbarkeit erhöhen soll.
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