Deutsche Biathlon Mixed Staffel Olympia holt Bronze nach Krimi

Die deutsche Biathlon Mixed Staffel hat zum Auftakt der Olympischen Spiele in Antholz überraschend die Bronzemedaille gewonnen. Trotz eines dramatischen letzten Schießens sicherte sich das Quartett aus Justus Strelow, Philipp Nawrath, Vanessa Voigt und Franziska Preuß im 4×6-Kilometer-Rennen den erhofften Platz auf dem Podest. Dieser Erfolg beendet eine lange Durststrecke für das deutsche Team in dieser Disziplin bei Olympischen Spielen.

Der Sieg ging erwartungsgemäß an die Top-Favoriten aus Frankreich, während Gastgeber Italien sich über die Silbermedaille freuen durfte. Für die deutsche Mannschaft war es jedoch ein Rennen der Extreme, das von Nervenstärke, präziser Schießleistung und einem packenden Finale geprägt war.

Ein Medaillenkrimi im letzten Schießen

Die Entscheidung über die Medaillen fiel erst im allerletzten Stehendschießen. Bis dahin lag die deutsche Mannschaft dank einer fehlerfreien Leistung der ersten drei Läufer aussichtsreich im Rennen. Schlussläuferin Franziska Preuß ging als Dritte in die Loipe und hielt diese Position auch nach ihrem fehlerfreien Liegendschießen. Der Abstand zur Spitze war zwar bereits angewachsen, doch der Vorsprung auf die viertplatzierten Norweger bot ein kleines Polster.

Im finalen Anschlag kam es dann zur Zitterpartie, denn Preuß leistete sich vier Schießfehler. Folglich musste sie nach dem Einsatz ihrer drei Nachlader eine Strafrunde absolvieren – eine 150 Meter lange Extrarunde, die im Biathlon oft über Sieg oder Niederlage entscheidet. Der Traum von einer Medaille schien in diesem Moment zu platzen, allerdings patzte auch die norwegische Konkurrentin Maren Kirkeeide und musste sogar zweimal in die Strafrunde. Dadurch konnte Preuß den dritten Platz verteidigen und sicherte dem deutschen Team mit einem Rückstand von knapp über einer Minute die Bronzemedaille.

Nach dem Rennen zeigte sich Preuß überwältigt und selbstkritisch zugleich. Sie berichtete von muskulären Problemen und zitternden Knien, die ihre Konzentration am Schießstand beeinträchtigt hätten. Dennoch betonte sie die herausragende Vorleistung ihrer Teamkollegen, die diesen Erfolg erst möglich gemacht habe.

Starke Teamleistung als Schlüssel zum Erfolg

Der Grundstein für die Medaille wurde bereits von den ersten drei Athleten gelegt. Startläufer Justus Strelow erfüllte die in ihn gesetzten Erwartungen voll und ganz. Er überzeugte mit einer schnellen und vor allem sicheren Schießleistung, weshalb er ohne Nachlader auskam. Auch läuferisch hielt der Sachse mit der Weltspitze mit und übergab als Vierter an Philipp Nawrath, womit er das Team in eine exzellente Ausgangsposition brachte.

Philipp Nawrath knüpfte nahtlos an diese Leistung an. Mit einer beeindruckenden Vorstellung in der Loipe, wo er die drittbeste Laufzeit erzielte, und einem ebenfalls fehlerfreien Schießen brachte er Deutschland zwischenzeitlich sogar an die Spitze des Feldes. Während Konkurrenten wie Frankreichs Quentin Fillon Maillet nachladen mussten, blieb Nawrath souverän. Zum Wechsel auf Vanessa Voigt lag das deutsche Team schließlich auf einem hervorragenden zweiten Platz.

Auch Vanessa Voigt zeigte ein nervenstarkes Rennen. Sie befand sich in einem packenden Vierkampf um die Medaillenplätze mit den Läuferinnen aus Frankreich, Italien und Norwegen. Als Einzige in dieser Gruppe blieb sie am Schießstand fehlerfrei, was die Medaillenchancen weiter festigte. Sie übergab als Dritte an Franziska Preuß und schuf damit die Basis für das dramatische Finale.

Emotionale Reaktionen im Ziel

Im Zielbereich war die Freude bei der gesamten deutschen Mannschaft riesig. Vanessa Voigt fand kaum Worte für das Erlebte und zeigte sich unheimlich stolz auf die gemeinsame Leistung. Auch die männlichen Teamkollegen waren nach dem Rennen sichtlich erleichtert und glücklich. Justus Strelow beschrieb die große Anspannung, die ihn den ganzen Tag über begleitet hatte, und seine Freude darüber, seine Aufgabe als Startläufer erfolgreich gemeistert zu haben.

Philipp Nawrath hob die besonderen Herausforderungen des Rennens in der Höhenlage von Antholz auf 1.600 Metern hervor. Die dünne Luft macht die anspruchsvollen Anstiege noch kräftezehrender und erfordert eine kluge Renneinteilung. Seine Hoffnung, dass Schlussläuferin Preuß die Nerven behalten würde, erfüllte sich am Ende trotz der Schwierigkeiten am Schießstand.

Ein Blick auf die Konkurrenz

Den Sieg sicherte sich souverän die französische Staffel um Eric Perrot, Quentin Fillon Maillet, Lou Jeanmonnot und Julia Simon. Sie blieben ohne Strafrunde und leisteten sich lediglich sieben Nachlader, womit sie ihrer Favoritenrolle gerecht wurden. Dahinter feierte das italienische Team mit Tommaso Giacomel, Lukas Hofer, Dorothea Wierer und Lisa Vittozzi vor heimischem Publikum die Silbermedaille.

Andere Nationen erlebten hingegen eine Enttäuschung. Das schwedische Team, ebenfalls zu den Medaillenkandidaten gezählt, verbaute sich bereits früh alle Chancen. Startläufer Sebastian Samuelsson musste nach zwei Strafrunden als 18. übergeben, ein Rückstand, den das Team trotz einer Aufholjagd nicht mehr kompensieren konnte. Am Ende reichte es nur für den fünften Platz.

Ende einer olympischen Pechsträhne für die deutsche Biathlon Mixed Staffel

Der Gewinn der Bronzemedaille hat für die deutsche Biathlon Mixed Staffel eine besondere historische Bedeutung. Seit der Aufnahme der Disziplin ins olympische Programm im Jahr 2014 war das deutsche Team stets ohne Medaille geblieben. Bei der Premiere in Sotschi wurde das Team nach einem Dopingfall nachträglich disqualifiziert, nachdem es ursprünglich als Vierter ins Ziel kam.

Auch in den folgenden Jahren wollte es nicht klappen: 2018 in Pyeongchang reichte es ebenfalls nur für den vierten Platz und 2022 in Peking sprang lediglich Rang fünf heraus. Die jüngsten Ergebnisse im Weltcup, mit einem achten und einem elften Platz, ließen zudem nicht unbedingt auf einen Podestplatz hoffen. Umso größer ist nun die Freude über Bronze, die eine lange Serie von Enttäuschungen beendet und dem deutschen Team einen perfekten Start in die Olympischen Spiele beschert.

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