Der geplante Neubau der Säntis-Schwebebahn sorgt für Auseinandersetzungen zwischen der Unternehmensleitung und dem Gewerkschaftsbund. Während der Bauphase zwischen Mai und Spätherbst müssen für rund 40 Angestellte Übergangslösungen gefunden werden, da der Betrieb stillsteht. Im Mittelpunkt des Konflikts um den Säntis Schwebebahn Umbau und die betroffenen Mitarbeiter steht die Frage, wer das unternehmerische Risiko des Ausfalls trägt.
Für die betroffenen Mitarbeitenden gibt es bisher nur teilweise konkrete Lösungen, weshalb die Unternehmensleitung Entlassungen nicht vollständig ausschließen kann. Der kaufmännische Leiter Urs Dähler betonte jedoch, dass es nicht zu Massenentlassungen kommen werde. Diese Unsicherheit hat den Gewerkschaftsbund St.Gallen-Appenzell alarmiert und zu einer öffentlichen Stellungnahme veranlasst.
Kritik des Gewerkschaftsbundes am Vorgehen
Der Gewerkschaftsbund kritisiert das Vorgehen der Säntis-Schwebebahn AG scharf. Betriebsunterbrüche für Umbauten seien ein normales Geschäftsrisiko, das nicht auf die Belegschaft abgewälzt werden dürfe. Indem das Unternehmen den Angestellten unbezahlten Urlaub anbietet, verlagere es die finanzielle Last auf die Arbeitnehmenden, was inakzeptabel sei.
Darüber hinaus fordert die Gewerkschaft die Erstellung eines umfassenden Sozialplans. Ein Sozialplan ist eine Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmervertretung, die die Nachteile bei Betriebsänderungen wie einem Umbau abfedern soll. Die Gewerkschaft befürchtet zudem, dass vor allem ältere oder gesundheitlich beeinträchtigte Mitarbeitende von möglichen Kündigungen betroffen sein könnten, obwohl das Unternehmen nach dem Umbau wieder auf diese Fachkräfte angewiesen ist. Aus Sicht der Gewerkschaft sind genügend finanzielle Mittel vorhanden, um eine faire Überbrückung für alle zu gewährleisten.
Säntis-Schwebebahn weist Vorwürfe zurück
Jakob Gülünay, der Geschäftsführer der Säntis-Schwebebahn AG, widerspricht den Vorwürfen des Gewerkschaftsbundes vehement. Er stellt klar, dass unbezahlter Urlaub nur eine von mehreren Optionen sei, die den Mitarbeitenden zur Verfügung stünden und von diesen sogar geschätzt werde. Außerdem sichert das Unternehmen zu, während des gesamten Betriebsunterbruchs die Arbeitgeberbeiträge an die Pensionskasse weiterzuzahlen, was eine wichtige finanzielle Stütze für die Angestellten darstellt.
Das Unternehmen bemüht sich aktiv um alternative Beschäftigungen. Viele der betroffenen Personen können intern in anderen Bereichen weiterarbeiten. Dadurch wird versucht, die Kontinuität der Anstellung für so viele Mitarbeitende wie möglich sicherzustellen und Kündigungen zu vermeiden.
Lösungsansätze für Mitarbeiter beim Säntis Schwebebahn Umbau
Um die externen Vermittlungschancen zu verbessern, hat die Säntis-Schwebebahn AG eine Lizenz als Personalvermittler erworben und ein eigenes Jobportal eingerichtet. Dieses Vorgehen ermöglicht es, die Angestellten gezielt und professionell an andere Betriebe in der Region zu vermitteln. Laut Gülünay steht man bereits mit Dutzenden regionalen Unternehmen in Kontakt, die zusammen mehr offene Stellen anbieten, als Mitarbeitende eine Übergangslösung benötigen.
Die Unternehmensleitung betont, dass ein permanenter Austausch mit den Betroffenen stattfindet, um individuelle und passende Lösungen zu finden. Man zeigt sich zuversichtlich, für alle eine zufriedenstellende Regelung zu erreichen. Sollte dies in Einzelfällen nicht gelingen, strebt das Unternehmen sozialverträgliche Lösungen an, um Härtefälle zu vermeiden.
Soziale Verantwortung im Fokus
Ein zentraler Punkt bleibt die soziale Absicherung der Belegschaft. Während die Gewerkschaft einen formellen Sozialplan fordert, verspricht die Unternehmensleitung individuelle und sozialverträgliche Maßnahmen. Die Kritik, dass vorrangig ältere oder gesundheitlich angeschlagene Personen entlassen werden könnten, weist das Bergbahnunternehmen entschieden von sich.
Der Geschäftsführer Jakob Gülünay bekräftigt das Engagement, für jeden einzelnen Angestellten eine passende Lösung zu erarbeiten. Die kommenden Wochen werden zeigen, wie erfolgreich die Vermittlungsbemühungen sind und ob der Konflikt zwischen sozialer Verantwortung und unternehmerischer Praxis beigelegt werden kann.
Artikelempfehlung: Nachrichten Appenzellerland: Wahlen, Sport und Kultur kompakt
