Verkaufszahlen durch Fortsetzungen steigern: So funktioniert es

Die Ankündigung eines neuen Videospiels in einer etablierten Reihe löst oft mehr aus als nur Vorfreude bei den Fans. Sie kann auch die Verkaufszahlen älterer Titel der gleichen Serie signifikant beleben. Aktuelle Analysen zeigen, dass Publisher gezielt die Verkaufszahlen durch Fortsetzungen steigern, indem sie die Aufmerksamkeit rund um eine Neuerscheinung geschickt für das gesamte Franchise nutzen. Dieses Vorgehen ist kein Zufall, sondern eine durchdachte Marketingstrategie.

Dabei ist es nicht allein die Ankündigung eines Nachfolgers, die das Interesse an Vorgängerspielen neu entfacht. Vielmehr handelt es sich um ein Zusammenspiel aus gesteigerter öffentlicher Wahrnehmung und gezielten Werbemaßnahmen. Sobald ein neuer Teil angekündigt wird, nutzen Unternehmen die Gelegenheit, um auch ältere Titel wieder ins Rampenlicht zu rücken, was Analysten als eine Art „zweite Markteinführung“ bezeichnen.

Wie Fortsetzungen alte Spiele wiederbeleben

Wenn ein großer neuer Titel angekündigt wird, funktioniert er wie eine riesige Marketing-Maschine für die gesamte Marke. Er weckt nicht nur das Interesse von langjährigen Fans, sondern zieht auch neue Spieler an, die die Reihe vielleicht zum ersten Mal entdecken. Genau hier setzen Publisher mit strategischen Maßnahmen an, um diesen Effekt optimal auszunutzen. Sie bewerben aktiv den sogenannten Back Catalogue, also das Portfolio älterer, bereits veröffentlichter Spiele.

Zu den wirksamsten Instrumenten gehören dabei aggressive Rabattaktionen und die Aufnahme der Titel in Abonnement-Dienste. Während die gesteigerte mediale Berichterstattung die Sichtbarkeit erhöht, schaffen die reduzierten Preise einen starken Kaufanreiz. Spieler, die auf den neuen Teil gespannt sind, können so die Wartezeit überbrücken und die bisherige Geschichte der Reihe zu einem günstigen Preis nachholen.

Aktuelle Beispiele: Von Resident Evil bis Ghost of Tsushima

Mehrere aktuelle Fälle belegen die Wirksamkeit dieser Strategie eindrucksvoll. Capcoms Finanzberichte zeigten beispielsweise nach der Ankündigung von Resident Evil Requiem einen deutlichen Anstieg der Verkäufe von Resident Evil 4 und Resident Evil Village. Die umfangreiche Marketingkampagne für den neuen Teil strahlte somit direkt auf die Vorgänger aus und steigerte deren Relevanz.

Ein ähnliches Bild zeichnet sich bei Remedy Entertainment. Nach der Enthüllung von Control: Resonant, der Fortsetzung des von Kritikern gelobten Titels Control aus dem Jahr 2019, verkaufte sich der erste Teil im Jahr 2025 zusätzlich eine Million Mal. Auch Sony meldete einen bemerkenswerten Erfolg, denn nach der Veröffentlichung von Ghost of Yōtei erlebte der Vorgänger Ghost of Tsushima einen massiven Verkaufsschub, selbst auf Plattformen wie Steam, wo die Fortsetzung gar nicht erschienen ist.

Die Strategie dahinter: Wie Publisher Verkaufszahlen durch Fortsetzungen steigern

Analysten wie Mat Piscatella von Circana betonen, dass der Erfolg maßgeblich von gezielten Werbe- und Preisstrategien abhängt. Am Beispiel von Resident Evil Village wird dies besonders deutlich. Vor der Ankündigung des Nachfolgers gab es nur vereinzelte Werbeaktionen. Danach intensivierte Capcom die Bewerbung über zahlreiche digitale Kanäle und passte die Preisgestaltung aggressiv an.

Während das Spiel auf Steam zuvor einem klassischen Hoch-Tief-Preismuster zwischen etwa 39,99 € und knapp 20 € folgte, wurde der Preis nach der Enthüllung von Requiem drastisch auf 10 € gesenkt. Solch ein starker Rabatt führt laut Piscatella oft zu einem überproportional hohen Anstieg der Verkaufszahlen. Die Daten bestätigen dies: Die Zahl der wöchentlich aktiven Nutzer von Village verdoppelte sich auf allen Plattformen kurz nach der Ankündigung.

Nicht nur Fortsetzungen: Jubiläen und Bundles als Verkaufstreiber

Allerdings sind nicht nur Fortsetzungen ein Anlass, um ältere Titel wiederzubeleben. Auch Firmenjubiläen oder andere besondere Ereignisse können als Aufhänger dienen, sofern sie mit einem kommerziellen Anreiz verbunden werden. Video Game Insights (VGI) merkt an, dass ein solcher „kommerzieller Auslöser“ entscheidend ist, um sowohl alte als auch neue Spieler zum Kauf zu bewegen.

Ein erfolgreiches Beispiel hierfür ist das 30-jährige Jubiläum von Remedy, das durch ein spezielles Humble Bundle gefeiert wurde. Diese Aktion führte zu einem erheblichen Verkaufsanstieg für Control und Alan Wake. Darüber hinaus kann die Aufnahme eines Spiels in einen Abonnementdienst wie PlayStation Plus die Spielerzahlen ebenfalls stark erhöhen, wie es bei Alan Wake 2 der Fall war.

Der Unterschied liegt im Genre: Warum narrative Spiele profitieren

Die Strategie, mit neuen Titeln alte zu bewerben, funktioniert jedoch nicht in allen Genres gleich gut. Besonders erfolgreich ist sie bei narrativen, also stark geschichtengetriebenen Spielen wie Resident Evil, Alan Wake oder Ghost of Tsushima. Der Grund dafür ist ein Phänomen, das VGI als „narrative Schuld“ beschreibt.

Eine Fortsetzung macht den Vorgänger hier nicht überflüssig, sondern essenziell, da die Spieler die komplette Geschichte erleben möchten. Im Gegensatz dazu stehen wettbewerbsorientierte Genres wie Sportspiele oder Online-Shooter, die oft jährlich erscheinen. Hier fungiert der neueste Teil meist als direkter Ersatz, wodurch die Community zum neuen Spiel weiterzieht und das Interesse am Vorgänger rapide abnimmt.

Artikelempfehlung: Unity Finanzbericht Q4 2025: Umsatz steigt, Gründer geht