Im Appenzellerland sorgen derzeit vielfältige Themen für Gesprächsstoff. Von kostengünstigeren Bauprojekten über emotionale Konzerte bis hin zu wichtigen politischen Weichenstellungen – die Region zeigt sich in Bewegung. Diese aktuellen Nachrichten aus dem Appenzellerland bieten einen umfassenden Überblick über die Geschehnisse in den Gemeinden, von der Kultur bis zum Sport.
Günstigere Bauprojekte und neues Ärztehaus in Teufen
Der Gemeinderat Teufen genehmigte die Abrechnungen für zwei Bauprojekte, die beide erfreulicherweise unter dem budgetierten Kredit abschlossen. Der Umbau der geschützten Wohngruppe «Edelweiss» im Haus Lindenhügel kostete rund 368’000 Franken, während ursprünglich 450’000 Franken bewilligt waren. Durch diese Modernisierung konnte das Angebot für Menschen mit fortgeschrittener Demenz erweitert werden, sodass Betroffene bei steigendem Pflegebedarf in ihrer vertrauten Umgebung bleiben können.
Auch die Verlegung der Landhausstrasse, die im Zuge des Neubaus des Sekundarschulhauses notwendig wurde, blieb unter dem Kostendach. Die effektiven Kosten beliefen sich auf rund 295’000 Franken und unterschritten damit das Budget von 300’000 Franken nur knapp. Außerdem hat die Gemeinde die Umnutzung des denkmalgeschützten Haus Bächli in ein modernes Ärztehaus erfolgreich abgeschlossen. Das Gebäude von 1825, einst ein Waisen- und Armenhaus, stand seit 2017 leer, weshalb diese neue Nutzung einen wichtigen Beitrag zur lokalen medizinischen Grundversorgung leistet.
Die Umsetzung war allerdings anspruchsvoller als erwartet, denn zusätzliche Anforderungen an Brandschutz, Statik und Schadstoffsanierung trieben die Kosten in die Höhe. Die Netto-Investitionen belaufen sich auf rund 3,36 Millionen Franken. Heute beherbergt das Haus eine Praxisgemeinschaft, eine Physiotherapiepraxis sowie eine Kinderarztpraxis, wodurch die Gemeinde langfristige Mietverträge und somit Planungssicherheit gewinnt.
Emotionale Momente und gelebte Traditionen
Für einen besonders emotionalen Moment sorgte die britische Sängerin Raye bei ihrem Konzert im Zürcher Hallenstadion. Die 28-jährige Londonerin, deren Großvater Hans Fuchs aus dem Appenzell stammte, widmete ihren Auftritt ihrem kürzlich verstorbenen Opa. Vor rund 15’000 Fans erinnerte sie an ihre Schweizer Wurzeln und erzählte, wie stolz ihr Großvater auf sie gewesen sei, während sie auf der Bühne zwischen Lachen und Tränen schwankte.
In Urnäsch stand hingegen das Brauchtum im Fokus, denn der Historiker und Volkskundler Johannes Schläpfer stellte sein neues Buch «Das Bloch» vor. In seinem Werk beleuchtet er die Geschichte und Bedeutung dieses mitteleuropäischen Brauchs. Schläpfer hat dafür intensiv in Archiven recherchiert und die Tradition umfassend aufgearbeitet, weshalb das Buch mit zahlreichen Fotografien die Faszination des Rituals dokumentiert. Die Buchvorstellung in der Kirche Urnäsch wurde von der Blochgesellschaft musikalisch umrahmt.
Olympia-Traum und Liga-Alltag im Appenzeller Sport
Der 17-jährige Snowboarder Mischa Zürcher aus Appenzell erlebte bei den Olympischen Spielen eine wertvolle, wenn auch herausfordernde Erfahrung. In der Halfpipe-Qualifikation verpasste das Mitglied des SC Appenzell den Einzug in den Final der besten zwölf Athleten. Nach einem Sturz im ersten Lauf stand er im zweiten Durchgang unter Druck, verpasste jedoch bei einer Dreifachdrehung die Landung, nachdem er beeindruckende 5,3 Meter über die Halfpipe hinausflog.
Zürcher zeigte sich nach dem Wettkampf selbstkritisch und erklärte, dass das Niveau extrem hoch sei und es noch viel zu arbeiten gebe. Er gestand ein, die Sache mental auf die leichte Schulter genommen zu haben, was auf diesem Level leider nicht funktioniere. Trotz des verpassten Finals war die Teilnahme für den jüngsten Athleten der Schweizer Delegation die Erfüllung eines Traums.
Im Handball feierte das Herren-1-Team des TV Appenzell einen wichtigen Auswärtssieg gegen den HSC Kreuzlingen mit 35:31. Nach einer ausgeglichenen ersten Halbzeit (17:17) steigerten sich die Innerrhoder nach der Pause entscheidend. Mit zwei intensiven Phasen zogen sie davon und sicherten sich so die zwei Punkte, wodurch sie ihre Position an der Tabellenspitze festigten.
Ausbildungsprojekte und politische Weichenstellungen
Im Resort Hof Weissbad erhalten Auszubildende eine besondere Chance, denn sie führen erstmals ein eigenes Pop-up-Restaurant in Eigenregie. Von der Menüplanung über den Einkauf bis hin zur Organisation übernehmen die Lernenden aus Küche, Service und Hauswirtschaft alle Aufgaben. Dieses Projekt soll ihnen wertvolle praktische Erfahrungen in der Organisation und Gästebetreuung vermitteln, während sie von den Ausbildungsverantwortlichen begleitet werden.
Politisch wurden im Appenzellerland ebenfalls wichtige Weichen gestellt. Die GLP Appenzellerland unterstützt nach einem Hearing die Nationalratskandidatin Jennifer Abderhalden (FDP). Sie habe in gesellschaftspolitischen Fragen sowie in der Ausländer- und Asylpolitik stärker überzeugt. Die SVP Vorderland wiederum nominierte Edgar Bischof einstimmig als ihren Kandidaten für die Nationalratswahl und wählte Paul Bischofberger zum neuen Präsidenten.
Beide Parteien fassten zudem Parolen für die nationalen Vorlagen. Während die GLP die Individualbesteuerung befürwortet, lehnen die Mitglieder der SVP diese ab. Die SRG-Initiative wird von beiden Parteien abgelehnt, ebenso wie die Klimafonds-Initiative.
Wichtige Gesetzespakete für Innerrhoden
In Appenzell Innerrhoden hat die Standeskommission wichtige gesetzliche Grundlagen zur neuen Kantonsverfassung an den Grossen Rat überwiesen. Das Paket umfasst das Bürgerrechtsgesetz, das Gesetz über die politischen Rechte und das Gesetz über den Grossen Rat. Die Vorlagen bilden die heutigen Verhältnisse weitgehend ab, schliessen aber auch Regelungslücken und bereinigen Unstimmigkeiten.
Eine wesentliche Neuerung betrifft das Bürgerrechtsgesetz, das es dem Grossen Rat künftig erlaubt, die Zuständigkeit für Einbürgerungen an eine Kommission zu delegieren. Außerdem werden die Unvereinbarkeitsregeln verschärft, sodass höhere Mitarbeitende der kantonalen Verwaltung nicht gleichzeitig ein Mandat im Grossen Rat oder in einem Gericht ausüben dürfen. Die Beratung der Gesetze ist für die Sessionen im März und Juni 2026 geplant, bevor das Gesamtpaket der Landsgemeinde 2027 vorgelegt wird und per 1. Januar 2028 in Kraft treten soll.
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