Moschee Erfurt Einweihung: Friedliche Eröffnung nach Protesten

Nach einer langen Planungs- und Bauphase hat die Ahmadiyya-Gemeinde in Erfurt-Marbach ihre neue Moschee feierlich eröffnet. Die Moschee Erfurt Einweihung markiert damit nicht nur einen wichtigen Meilenstein für die Gemeinde selbst, sondern sie gilt auch als ein bedeutsames Symbol für religiöse Vielfalt in den neuen Bundesländern. Trotz erheblicher Anfeindungen in der Vergangenheit verlief die Zeremonie am Samstag friedlich und unter Teilnahme zahlreicher Gäste.

Die Veranstaltung begann mit der Rezitation von Koranversen, die zu Frieden und gegenseitigem Verständnis aufrufen, wodurch von Beginn an eine versöhnliche Atmosphäre geschaffen wurde. Die Einweihung ist das Ergebnis eines mehr als siebenjährigen Prozesses, der von intensiven Gesprächen und auch von Widerständen begleitet war. Daher stellt die Fertigstellung für die Mitglieder der Gemeinde einen besonderen Erfolg dar.

Ein Zeichen für religiöse Vielfalt in Thüringen

Zahlreiche Vertreter aus Politik und Gesellschaft nahmen an der feierlichen Eröffnung teil und würdigten den Neubau. Unter den rund 120 Gästen befanden sich unter anderem die Bischöfe Ulrich Neymeyr und Friedrich Kramer, die ihre Solidarität bekundeten. Außerdem übermittelte Ministerpräsident Mario Voigt seine Glückwünsche per Videobotschaft und bezeichnete den Tag als einen Anlass zu großer Freude für die gesamte Region.

Bundestagsvizepräsident Bodo Ramelow betonte in seiner Ansprache die gewachsene religiöse Pluralität der Stadt Erfurt. Er zog dabei einen Vergleich zur einzigen Synagoge, die zu DDR-Zeiten auf dem Gebiet der neuen Bundesländer errichtet wurde und ebenfalls in Erfurt steht. Mit der neuen Moschee beweise die Stadt erneut ihre Offenheit und Toleranz. Die im Vorfeld angekündigten Proteste blieben aus, denn lediglich eine einzelne Person protestierte mit einem Plakat vor dem Gelände.

Der lange Weg zur neuen Moschee Erfurt Einweihung

Der Weg bis zur Fertigstellung war von erheblichen Herausforderungen geprägt, wie Suleman Malik, der Präsident der Ahmadiyya-Gemeinde in Thüringen, erklärte. Bereits die Ankündigung des Bauprojekts hatte zu wiederholten islamfeindlichen Protesten geführt. Gegner hatten beispielsweise meterhohe Holzkreuze auf einem benachbarten Grundstück errichtet, während im Jahr 2017 sogar Schweinekadaver auf dem Baugrundstück abgelegt wurden, um das Vorhaben zu stören.

Der Grundstein für das Gotteshaus wurde bereits im Jahr 2018 gelegt, allerdings verzögerte sich der Baufortschritt mehrfach. Während dieser schwierigen Zeit erhielt die Ahmadiyya-Gemeinde jedoch durchgehend Unterstützung von den christlichen Kirchen in Thüringen. Diese setzten sich öffentlich für das Bauvorhaben ein und warben für einen interreligiösen Dialog.

Architektur und Finanzierung des Gotteshauses

Die neue Moschee befindet sich in einem Gewerbegebiet am Rande des Erfurter Stadtteils Marbach. Das Gebäude selbst zeichnet sich durch eine schlichte und funktionale Gestaltung aus. Zu den wesentlichen Merkmalen gehören:

  • Ein einfacher, zweckmäßiger Gebetsraum für die Gläubigen.
  • Ein acht Meter hohes Zierminarett, das bewusst dezent gestaltet ist.
  • Eine integrierte Wohnung für den Imam, den Vorsteher der Gemeinde.

Die Finanzierung des gesamten Projekts erfolgte ausschließlich durch Spenden der Gemeindemitglieder. Die Baukosten beliefen sich auf insgesamt rund 1,35 Millionen €. Dadurch konnte die Gemeinde das Vorhaben unabhängig und aus eigener Kraft realisieren. Als Geste der Offenheit veranstaltet die Gemeinde am Sonntag nach der Eröffnung einen „Tag der offenen Moschee“, um den interreligiösen Austausch zu fördern und interessierten Bürgern Einblicke zu gewähren.

Wer ist die Ahmadiyya-Gemeinde?

Die Ahmadiyya Muslim Jamaat, wie die Gemeinschaft vollständig heißt, versteht sich als eine weltweite islamische Reformbewegung. Sie wurde im späten 19. Jahrhundert in Indien gegründet und legt einen besonderen Fokus auf die Werte Frieden, Toleranz und die Trennung von Religion und Staat. Ihre Mitglieder engagieren sich stark im sozialen Bereich und im interreligiösen Dialog.

Allerdings wird die Ahmadiyya von vielen anderen, größeren muslimischen Strömungen nicht als Teil des Islams anerkannt. In einigen Ländern werden ihre Anhänger deswegen sogar staatlich oder gesellschaftlich verfolgt. In Deutschland hingegen ist die Gemeinschaft als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt und zählt nach eigenen Angaben bundesweit etwa 60.000 Mitglieder, die in über 60 Moscheen organisiert sind.

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