Neue Moschee Erfurt: Erster Neubau im Osten friedlich eröffnet

Nach einer langen Planungs- und Bauphase wurde in Erfurt-Marbach die neue Moschee der Ahmadiyya-Gemeinde feierlich eröffnet. Die Einweihung markiert einen wichtigen Meilenstein, denn es handelt sich um den ersten kompletten Moscheeneubau in den neuen Bundesländern. Trotz erheblicher Anfeindungen in der Vergangenheit verlief die Zeremonie friedlich und setzte ein Zeichen für religiöse Vielfalt.

Die Einweihungszeremonie in friedlicher Atmosphäre

Die Feierlichkeiten begannen mit der Rezitation von Versen aus dem Koran, die zu Frieden und gegenseitigem Verständnis aufrufen. Rund 120 geladene Gäste nahmen an der Veranstaltung teil, darunter hochrangige Vertreter aus Politik und Kirche. Die im Vorfeld befürchteten Proteste blieben aus, wodurch die Zeremonie ungestört stattfinden konnte.

Suleman Malik, der Präsident der Ahmadiyya-Gemeinde in Thüringen, betonte in seiner Ansprache, dass der Neubau keine Selbstverständlichkeit sei. Der Weg dorthin war von zahlreichen Herausforderungen und intensiven Gesprächen geprägt. Seine Worte spiegelten die Erleichterung und Freude der Gemeinde wider, das Projekt nach über sieben Jahren schließlich zum Abschluss gebracht zu haben.

Ein Symbol für religiöse Vielfalt in Thüringen

Zahlreiche Ehrengäste unterstrichen die Bedeutung des Bauwerks für die Stadt und das Bundesland. Bodo Ramelow, Vizepräsident des Bundestages, erinnerte daran, dass Erfurt bereits Standort der einzigen in der DDR-Zeit erbauten Synagoge ist. Die neue Moschee stärke daher die religiöse Pluralität der Landeshauptstadt zusätzlich.

Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt übermittelte seine Glückwünsche per Videobotschaft und sprach von einem „Tag großer Freude“. Außerdem waren die Bischöfe Ulrich Neymeyr und Friedrich Kramer anwesend, deren Teilnahme das gute interreligiöse Verhältnis und die Unterstützung durch die christlichen Kirchen verdeutlichte.

Der lange Weg zur Moschee in Erfurt

Der Grundstein für das Gotteshaus wurde bereits im Jahr 2018 gelegt, doch die Bauphase war von Beginn an von starken Widerständen begleitet. Islamfeindliche Proteste prägten die öffentliche Debatte und führten zu erheblichen Verzögerungen. Gegner des Projekts errichteten beispielsweise meterhohe Holzkreuze auf einem benachbarten Grundstück.

Im Jahr 2017 kam es sogar zu einem besonders geschmacklosen Vorfall, als Unbekannte Schweinekadaver auf dem Baugrundstück ablegten. Während diese Anfeindungen für Verunsicherung sorgten, stellten sich die großen christlichen Kirchen in Thüringen von Anfang an hinter das Bauvorhaben der Ahmadiyya-Gemeinde und unterstützten den Dialog.

Fakten zum Gebäude und zur Finanzierung

Die neue Mahmud-Moschee befindet sich in einem Gewerbegebiet am Rande von Erfurt. Das Gebäude selbst ist schlicht gehalten und umfasst einen Gebetsraum für die Gläubigen. Außerdem gehören ein acht Meter hohes Zierminarett, das nicht für den Gebetsruf genutzt wird, sowie eine Wohnung für den Imam zum Komplex.

Die Baukosten beliefen sich auf insgesamt rund 1,35 Millionen Euro. Diese Summe wurde vollständig durch Spenden von Mitgliedern der Ahmadiyya-Gemeinde aus ganz Deutschland finanziert. Damit ist das Projekt ein reines Gemeinschaftswerk ohne öffentliche Fördermittel.

Die Ahmadiyya-Gemeinde und ihr Dialogangebot

Die Ahmadiyya versteht sich selbst als eine weltweite islamische Reformbewegung, die im 19. Jahrhundert in Indien gegründet wurde. Viele andere muslimische Strömungen erkennen sie jedoch nicht als Teil des Islams an, weshalb ihre Mitglieder in einigen Ländern Verfolgung ausgesetzt sind. Bundesweit hat die Gemeinschaft nach eigenen Angaben circa 60.000 Mitglieder und betreibt mehr als 60 Moscheen.

Um Vorurteile abzubauen und den interreligiösen Austausch zu fördern, lud die Gemeinde direkt am Tag nach der Eröffnung zu einem „Tag der offenen Moschee“ ein. Dieses Angebot soll den Bürgern von Erfurt die Möglichkeit geben, das Gebäude kennenzulernen und mit den Mitgliedern ins Gespräch zu kommen.

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