Dashcam filmt Angriff auf Auto: Eisbrocken von Brücke geworfen

Ein lauter Knall und splitterndes Glas rissen einen jungen Autofahrer in Mühlhausen aus seinen Gedanken. Für den 19-jährigen Ben Hohmann endete eine alltägliche Fahrt in einem Schockmoment, denn Unbekannte hatten einen massiven Eisbrocken von einer Fußgängerbrücke direkt auf seine Windschutzscheibe geworfen. Wie durch ein Wunder blieben er und sein Beifahrer unverletzt. Ein entscheidendes Detail für die Aufklärung der Tat liefert nun die Technik: Eine installierte Dashcam filmt den Angriff auf das Auto und dient der Polizei als wichtiges Beweismittel.

Schock in der Nacht: Der lebensgefährliche Vorfall in Mühlhausen

Der Vorfall ereignete sich an einem späten Samstagabend, genauer am 31. Januar um 23:09 Uhr. Ben Hohmann war mit seinem Fahrzeug auf der Straße „Hoher Graben“ in Mühlhausen unterwegs und näherte sich der dortigen Fußgängerbrücke. Während der Annäherung bemerkte er noch mindestens zwei Personen auf der Brücke, dachte sich aber zunächst nichts dabei.

Sekunden später, direkt unter der Brücke, schlug der Eisbrocken mit voller Wucht in die Frontscheibe seines Wagens ein. Das Glas zersplitterte augenblicklich und nahm dem Fahrer die Sicht. Nur durch eine schnelle Reaktion konnte er das Fahrzeug sicher zum Stehen bringen und einen schweren Unfall verhindern. Der materielle Schaden ist beträchtlich, allerdings wiegt der Schock über die rücksichtslose Tat schwerer.

Für den jungen Fahrer und seinen Mitfahrer ist es unbegreiflich, wie jemand aus reiner Zerstörungswut das Leben anderer Menschen aufs Spiel setzen kann. Die Wut über die Tat ist groß, außerdem besteht der dringende Wunsch, dass die Verantwortlichen gefunden werden. Dadurch soll verhindert werden, dass andere Verkehrsteilnehmer ebenfalls Opfer eines solchen sinnlosen Angriffs werden.

Dashcam filmt Angriff auf Auto: Technik als wichtiger Zeuge

Die genaue Uhrzeit des Vorfalls ist nur dank der Dashcam des Fahrers bekannt. Eine Dashcam, kurz für Dashboard-Kamera, ist eine kleine Videokamera, die an der Windschutzscheibe oder auf dem Armaturenbrett befestigt wird. Sie zeichnet das Verkehrsgeschehen aus der Fahrerperspektive auf und wird daher immer beliebter, um den Hergang von Unfällen oder anderen Vorfällen zu dokumentieren.

In diesem Fall hat die Kamera den Einschlag des Eisbrockens aufgezeichnet, wodurch der Tathergang eindeutig belegt ist. Zwar sind die Täter auf der Brücke auf dem Video nicht zu erkennen, jedoch liefert die Aufnahme unanfechtbare Beweise dafür, was genau passiert ist. Dies ist für die Ermittlungsbehörden von unschätzbarem Wert, denn es untermauert die Aussage des Opfers und klassifiziert die Tat eindeutig als gezielten Angriff.

Die rechtliche Lage für den Einsatz von Dashcams in Deutschland ist komplex. Einerseits steht das Interesse an der Beweissicherung, andererseits der Datenschutz anderer Verkehrsteilnehmer. Der Bundesgerichtshof (BGH) urteilte jedoch 2018, dass Aufnahmen unter bestimmten Umständen als Beweismittel vor Gericht zulässig sind. Insbesondere bei der Aufklärung von Straftaten wiegt das Interesse an der Strafverfolgung oft schwerer als die Datenschutzbedenken, weshalb die Aufnahmen in diesem Fall eine zentrale Rolle spielen.

Kein Dummejungenstreich: Die rechtliche Bewertung des Angriffs

Die Polizei Nordhausen stuft den Vorfall nicht als bloße Sachbeschädigung oder als einen harmlosen Streich ein. Die Ermittlungen laufen wegen des Verdachts eines gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr. Dieser Straftatbestand ist in § 315b des Strafgesetzbuches (StGB) geregelt und zielt darauf ab, die allgemeine Sicherheit im Straßenverkehr zu schützen.

Ein solcher Eingriff liegt vor, wenn Täter von außen die Sicherheit des Verkehrs beeinträchtigen, beispielsweise indem sie Hindernisse bereiten oder Angriffe auf Fahrzeuge verüben. Das Werfen von Gegenständen von einer Brücke ist ein Paradebeispiel dafür. Die Tat ist besonders heimtückisch, da der Fahrer keine Möglichkeit hat, rechtzeitig zu reagieren. Die Folgen können verheerend sein:

  • Der Fahrer könnte die Kontrolle über das Fahrzeug verlieren.
  • Durch die zerstörte Scheibe kann es zu schweren Verletzungen der Insassen kommen.
  • Ein plötzliches Ausweichmanöver oder eine Vollbremsung kann Folgeunfälle verursachen.

Kevin Clemen von der Polizei Nordhausen betonte, dass durch die plötzliche Sichtbehinderung schwere Personenschäden die Folge sein können. Abhängig von den genauen Umständen und der nachweisbaren Absicht der Täter kann juristisch sogar ein versuchtes Tötungsdelikt im Raum stehen. Die Strafen für einen gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr reichen von Geldstrafen bis zu mehrjährigen Haftstrafen.

Ermittlungen laufen: Polizei bittet um Mithilfe aus der Bevölkerung

Die Kriminalpolizei arbeitet mit Hochdruck an der Aufklärung des Falls und ist auf die Unterstützung von Zeugen angewiesen. Jedes noch so kleine Detail kann den entscheidenden Hinweis zur Ergreifung der Täter liefern. Die Ermittler bitten daher die Öffentlichkeit um Mithilfe.

Wer hat am Samstag, dem 31. Januar, gegen 23:00 Uhr verdächtige Personen auf oder im Umfeld der Fußgängerbrücke am Hohen Graben in Mühlhausen gesehen? Wem sind Personen aufgefallen, die sich auffällig verhalten haben oder möglicherweise mit Eisbrocken hantierten? Jeder Hinweis kann wichtig sein.

Zeugen werden gebeten, sich direkt an die Polizei in Mühlhausen unter der Telefonnummer 03601 / 451 0 zu wenden. Alternativ nimmt auch jede andere Polizeidienststelle Hinweise entgegen und leitet diese an die zuständigen Ermittler weiter.

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