Nach einer umfassenden Sanierung öffnet die historische Yrjönkatu-Schwimmhalle Helsinki am 2. Februar 2026 wieder ihre Türen für die Öffentlichkeit. Das traditionsreiche Bad, das erstmals 1928 eingeweiht wurde, verbindet auf einzigartige Weise nordeuropäische Architekturgeschichte mit finnischer Saunakultur. Ab dem 3. Februar steht das Hauptbecken allen Schwimmerinnen und Schwimmern zur Verfügung, während am Eröffnungstag geführte Touren durch die erneuerten Räumlichkeiten angeboten werden.
Die Anlage gilt als eines der bestgehüteten Geheimnisse der finnischen Hauptstadt und wird von den Einheimischen sehr geschätzt. Während der Planungsphase für die Renovierung war die klare Botschaft der Bürgerinnen und Bürger, die Seele des Gebäudes unbedingt zu bewahren. Das Bad ist nicht nur eine Sportstätte, sondern auch ein national bedeutendes Kulturdenkmal.
Eine Ikone der Badekultur: Geschichte und Bedeutung
Die Yrjönkatu-Schwimmhalle zählt zu den ältesten Hallenbädern in ganz Nordeuropa und ist ein lebendiges Zeugnis der Helsinkier Badekultur. Während die Sauna heute weltweit bekannt ist, gehört sie in Finnland seit Jahrhunderten zum Alltag. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich daraus in Helsinki eine ausgeprägte Kultur mit Seebädern und Kurorten, deren Tradition das Bad fortführte.
Bei ihrer Eröffnung war die Schwimmhalle die erste ganzjährig geöffnete Anlage Finnlands für Schwimmen, Sport und Entspannung. Sie bot damals weit mehr als nur Badevergnügen, denn Besucher konnten auch Dienstleistungen wie Schuhputzen, Kleiderbügeln oder Friseurbesuche in Anspruch nehmen. Dadurch wurde das Bad zu einem gesellschaftlichen Treffpunkt.
Architektur zwischen Klassizismus und Art déco
Das Gebäude ist ein herausragendes Beispiel des nordischen Klassizismus, einer Architekturströmung der 1920er-Jahre, die klare Formen und monumentale Ästhetik betont. Es weist außerdem deutliche Einflüsse des Art déco auf, was sich in den eleganten Details der Innenausstattung zeigt. Der Architekt Väinö Vähäkallio schuf hier technisch anspruchsvolle und raffinierte Innenräume.
Eine besondere ingenieurtechnische Leistung war der Bau auf einem begrenzten Grundstück innerhalb eines dichten Innenstadtblocks. Die Architekten lösten dieses Problem durch eine seltene Konstruktion: Die Schwimmbecken wurden vertikal übereinander angeordnet. Im Erdgeschoss befinden sich das große Becken und die Saunen, während der zweite Stock ein spa-ähnliches Erlebnis mit privaten Ruhekabinen, weiteren Saunen und einem Café mit Blick auf das Wasser bietet.
Die Sanierung der Yrjönkatu-Schwimmhalle Helsinki
Die Renovierungsarbeiten, die 2024 unter der Leitung des Bauunternehmens Peab begannen, wurden mit großem Respekt vor dem kulturellen Erbe durchgeführt. Obwohl die Halle nicht offiziell unter Denkmalschutz stand, behandelte man sie so. Das Hauptziel war es, die historischen, architektonischen und kulturellen Werte zu erhalten und gleichzeitig die Gebäudetechnik auf den neuesten Stand zu bringen.
Die Sanierung erfolgte daher in enger Zusammenarbeit mit den städtischen Fachstellen für Baukultur und Denkmalpflege. Während das historische Erscheinungsbild und die Proportionen der Räume bewahrt wurden, modernisierte man die technischen Anlagen. Dadurch erfüllt das Gebäude nun moderne Umwelt- und Energiestandards. Sichtbare Veränderungen, etwa im Kassenbereich oder im Bereich der Badeaufsicht, wurden bewusst minimal gehalten.
Jede Entscheidung wurde sorgfältig abgewogen, um originale Materialien wie die charakteristischen Keramikfliesen aus den 1920er-Jahren zu schützen. Die einzigartige Raumwirkung und die historischen Details blieben somit vollständig erhalten.
Verbesserte Barrierefreiheit und neue Kunst
Ein wichtiger Aspekt der Modernisierung war die Verbesserung der Zugänglichkeit. Im zweiten Stock der Halle wurde ein barrierefreier Umkleide- und Duschbereich geschaffen. Außerdem erleichtern zusätzliche Handläufe den Zugang zu den Becken, allerdings konnte aus baulichen Gründen kein Pool-Lift installiert werden. Die visuelle und akustische Barrierefreiheit im gesamten Gebäude wurde ebenfalls optimiert.
Im Zuge der Renovierung entstand zudem ein neues Kunstwerk im Rahmen des „Percent for Art“-Programms der Stadt Helsinki. Die Fotokünstlerin Noora Sandgren schuf die Installation Water Bodies, die aus sechs auf Glas gedruckten Fotografien im Eingangsbereich besteht. Das Werk thematisiert Wasser als lebensspendende Kraft und das Zusammenspiel verschiedener Organismen.
Ein einzigartiges Badeerlebnis: Was Besucher erwartet
Die Yrjönkatu-Schwimmhalle bietet ein Badeerlebnis, das in Helsinki einzigartig ist. Besucherinnen und Besucher können wählen, ob sie in Badebekleidung oder nackt schwimmen möchten, denn die Badetage sind traditionell nach Geschlechtern getrennt. Diese Besonderheit unterstreicht den historischen Charakter als klassisches Stadtbad.
Die beiden Ebenen des Gebäudes ermöglichen unterschiedliche Erlebnisse. Während das Erdgeschoss dem klassischen Schwimmen und Trainieren dient, lädt der zweite Stock zur Entspannung ein. Dort finden sich mehrere Saunen, darunter eine traditionelle holzbefeuerte Sauna und ein Dampfbad, sowie private Ruhekabinen. Diese Kombination aus öffentlichem Schwimmbad und historischem Spa macht den besonderen Reiz der Anlage aus.
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