In Bremen hat ein Prozess gegen einen 20-jährigen Mann begonnen, dem versuchter Totschlag vorgeworfen wird. Die Staatsanwaltschaft beschuldigt ihn, Teil einer Gruppe von bis zu 20 Tätern gewesen zu sein, die vor fast einem Jahr eine Shisha-Bar in der Bremer Neustadt überfallen hat. Dieser Prozess zum Angriff auf die Shisha-Bar in Bremen soll die genauen Umstände einer Tat klären, die schwere Verletzungen zur Folge hatte und mutmaßlich im Clanmilieu verwurzelt ist.
Der Angriff ereignete sich in der Großen-Johannis-Straße, als eine Gruppe bewaffneter Männer die Bar stürmte. Laut Anklage führten die Täter unter anderem Stöcke, Metallstangen, Baseballschläger und Messer mit sich. Außerdem fielen während des Überfalls auch Schüsse, wodurch sich die Situation dramatisch zuspitzte.
Die brutalen Folgen des Überfalls
Die Bilanz des Angriffs war verheerend. Eine Person erlitt durch einen heftigen Schlag auf den Kopf lebensgefährliche Verletzungen und musste umgehend in einem Krankenhaus behandelt werden. Zwei weitere Gäste der Bar wurden durch Schüsse getroffen, wobei einer von ihnen so schwer verletzt wurde, dass eine Behandlung auf der Intensivstation notwendig war.
Der nun angeklagte 20-Jährige ist laut Staatsanwaltschaft der einzige aus der Tätergruppe, der bisher eindeutig identifiziert werden konnte. Ihm wird vorgeworfen, während des Angriffs Pfefferspray bei sich getragen zu haben. Zudem soll er sich aktiv daran beteiligt haben, gemeinsam mit den anderen auf die anwesenden Gäste einzuschlagen.
Anklage wegen versuchten Totschlags durch Mittäterschaft
Der schwere Tatvorwurf des versuchten Totschlags ergibt sich aus einem juristischen Prinzip: der Mittäterschaft. Das bedeutet, dass die Taten einzelner Personen der gesamten Gruppe zugerechnet werden, wenn ein gemeinsamer Tatplan vorlag. Daher muss der Angeklagte nicht selbst geschossen haben, um wegen versuchten Totschlags belangt zu werden, wie das Landgericht erläuterte.
Voraussetzung für eine Verurteilung ist allerdings, dass die Staatsanwaltschaft einen solchen gemeinsamen Plan nachweisen kann, den alle Beteiligten kannten und umsetzen wollten. Ob dies tatsächlich der Fall war, ist nun die zentrale Frage, die das Gericht in den kommenden Verhandlungstagen klären muss. Für den Prozess sind neun weitere Termine angesetzt, und es sollen rund 20 Zeugen aussagen.
Mögliches Motiv: Ein Racheakt im Clanmilieu
Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Überfall eine Racheaktion war. Hintergrund soll eine Auseinandersetzung sein, die sich etwa vier Wochen zuvor im nahegelegenen Neustadtspark abgespielt hatte. Damals wurde ein 14-Jähriger bei einem Streit durch Messerstiche verletzt.
Nach diesem Vorfall sollen mehrere Verdächtige in genau die Shisha-Bar geflohen sein, die später zum Ziel des Angriffs wurde. Die Ermittler vermuten daher, dass die Täter gezielt nach den Beteiligten der Messerstecherei suchten, um ihnen erheblichen körperlichen Schaden zuzufügen. Bereits kurz nach der Tat ordnete die Polizei mehrere der Beteiligten der Clankriminalität zu.
Eine Vorgeschichte von Gewalt
Die betroffene Shisha-Bar war schon vor dem brutalen Überfall im Fokus der Ermittler. Bereits im Sommer 2024 stellten Beamte Einschusslöcher in einer Fensterscheibe des Lokals fest. Diesem Fund ging ein größerer Polizeieinsatz voraus, nachdem Zeugen eine drohende Auseinandersetzung zwischen zwei rivalisierenden Gruppen in der Nähe gemeldet hatten.
Obwohl damals von Waffen die Rede war, konnten keine gefunden werden. Ob es einen direkten Zusammenhang zwischen diesen früheren Ereignissen und dem jetzt verhandelten Überfall gibt, ist bislang unklar. Allerdings zeigt dieser Vorfall, dass die Bar bereits zuvor ein Schauplatz von Spannungen und Gewalt war.
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