Die elektronische Patientenakte, kurz ePA, sollte das Gesundheitswesen modernisieren und den Austausch von Gesundheitsdaten vereinfachen. Ein Jahr nach der flächendeckenden Einführung in Bremen zeigt sich jedoch ein gespaltenes Bild, denn in der Praxis treten erhebliche elektronische Patientenakte Probleme auf. Während Krankenkassen eine positive Zwischenbilanz ziehen, klagen Ärzte über technische Hürden und Datenschützer warnen vor mangelnder Transparenz.
Kritik aus den Arztpraxen: Mehr Arbeit statt Entlastung
Das ursprüngliche Ziel der ePA war es, den Arbeitsalltag in medizinischen Einrichtungen zu erleichtern. Laut dem Bremer Hausärztinnen- und Hausärzteverband ist dieses Versprechen bisher allerdings nicht eingelöst worden. Statt einer Zeitersparnis führe die digitale Akte aktuell sogar zu einem Mehraufwand in den Praxen.
Der Hauptgrund für diese Unzufriedenheit liegt in der eingesetzten Software. Ärzte berichten, dass die Programme oft langsam und wenig intuitiv gestaltet sind. Dadurch wird das Suchen und Eintragen von Informationen zu einem langwierigen Prozess, der den Praxisablauf stört, anstatt ihn zu optimieren.
Datenschutz und Transparenz als zentrale Hürden
Neben den technischen Schwierigkeiten gibt es außerdem massive Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes. Patientenschützer kritisieren, dass die Kontrollmechanismen für Versicherte unzureichend sind. Es sei für Patienten oft nicht klar nachvollziehbar, wer genau ihre hochsensiblen Gesundheitsdaten einsehen kann.
Diese fehlende Transparenz ist ein wesentlicher Faktor, der das Vertrauen in das System untergräbt. Solange Versicherte nicht die volle Kontrolle darüber haben, wer auf ihre Befunde, Diagnosen oder Medikationspläne zugreift, bleibt die Akzeptanz der ePA gering. Ein robuster Datenschutz ist daher eine Grundvoraussetzung für den Erfolg des Projekts.
Geringe Akzeptanz bei Patienten: Zahlen belegen die Skepsis
Die Kritik von Ärzten und Datenschützern spiegelt sich direkt im Verhalten der Patienten wider. Obwohl Krankenkassen wie die AOK von einer breiten Akzeptanz sprechen, zeigen die konkreten Nutzungszahlen ein anderes Bild. Die aktive Nutzung der ePA, beispielsweise zum Einsehen eigener Daten oder zur Verwaltung von Zugriffsrechten, ist verschwindend gering.
In Bremen hat laut einer regionalen Auswertung nur etwa ein Prozent der Versicherten die Funktionen der ePA aktiv genutzt. In Niedersachsen liegt dieser Wert mit knapp zwei Prozent nur unwesentlich höher. Diese Zahlen deuten darauf hin, dass die Mehrheit der Bürger dem System entweder skeptisch gegenübersteht oder die Vorteile für sich noch nicht erkannt hat.
Besonders aussagekräftig ist zudem der Vergleich mit den Widersprüchen. Annähernd doppelt so viele Menschen haben der Überführung ihrer Gesundheitsdaten in die elektronische Akte aktiv widersprochen. Dieses Opt-out-Verhalten zeigt deutlich, dass die Bedenken in der Bevölkerung weit verbreitet sind und die Kommunikation über Nutzen und Sicherheit der ePA verbessert werden muss.
Die Software als Kern der elektronische Patientenakte Probleme
Der Knackpunkt für die derzeitige Situation scheint die Software zu sein, mit der Arztpraxen die ePA verwalten müssen. Seit Oktober 2025 sind Praxen verpflichtet, mit der elektronischen Akte arbeiten zu können, während Patienten die freie Wahl haben, ob sie eine solche Akte wünschen. Diese Diskrepanz führt dazu, dass Praxen eine Infrastruktur vorhalten müssen, die nur von einem kleinen Teil der Patienten genutzt wird.
Die mangelnde Benutzerfreundlichkeit der Systeme führt zu Frustration beim medizinischen Personal. Wenn das Hochladen eines Arztbriefes oder das Abrufen eines Laborbefundes komplizierter ist als der herkömmliche Weg, geht der Mehrwert der Digitalisierung verloren. Effizienzsteigerung kann nur dann gelingen, wenn die Technologie reibungslos und selbsterklärend funktioniert.
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