Zum Start in das Landtagswahljahr in Mecklenburg-Vorpommern zeigt eine neue Wahlumfrage MV deutliche Verschiebungen in der Wählergunst. Während die SPD von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig spürbar zulegen kann, verliert die AfD erstmals seit Längerem leicht an Zuspruch. Die Umfrage von infratest dimap im Auftrag des NDR offenbart damit eine neue Dynamik im politischen Wettbewerb des Bundeslandes.
Die Sozialdemokraten verbessern sich um sechs Prozentpunkte und erreichen nun 25 Prozent. Dadurch verkürzen sie den Abstand zur AfD erheblich, obwohl sie weiterhin auf dem zweiten Platz bleiben. Dieses Ergebnis dürfte für die SPD nach einem längeren Umfragetief eine wichtige moralische Stärkung sein.
Die aktuellen Zahlen der Wahlumfrage MV im Überblick
Der bisherige Höhenflug der AfD scheint vorerst gestoppt. Die Partei, die vom Verfassungsschutz als rechtsextremistischer Verdachtsfall eingestuft wird, kommt aktuell auf 35 Prozent. Das ist zwar weiterhin mehr als eine Verdopplung ihres Wahlergebnisses von 2021, stellt aber einen Rückgang von drei Punkten im Vergleich zur letzten Befragung im September dar.
Damit verfehlt die AfD auch ihre selbst gesetzten Ziele deutlich. Noch vor Kurzem hatten führende Politiker der Partei auf einem Parteitag Wahlergebnisse von über 40 Prozent als Zielmarke ausgegeben. Erstmals seit Mai 2024 kann die AfD im MV-Trend somit keine Zuwächse mehr verzeichnen, was den parteiinternen Erwartungen widerspricht.
Stagnation im Mittelfeld: CDU und Linke ohne Veränderung
Auf dem dritten Platz folgt mit deutlichem Abstand die CDU, die unverändert bei 13 Prozent liegt. Die Christdemokraten unter ihrem Spitzenkandidaten Daniel Peters konnten aus der jüngsten Entwicklung kein Kapital schlagen. Der erhoffte Schub durch die Nominierung von Peters vor wenigen Wochen ist bisher ausgeblieben.
Auch die Linke, kleinerer Partner in der rot-roten Regierungskoalition, verharrt auf ihrem Wert von zwölf Prozent. Die Partei festigt damit ihren vierten Platz und würde ihr Ergebnis von 2021, als sie 9,9 Prozent erreichte, deutlich verbessern. Allerdings fehlt es auch hier an einer positiven Dynamik nach oben.
Kleinere Parteien kämpfen mit Verlusten
Für die Grünen wird die Lage zunehmend kritisch, denn sie müssen um den Wiedereinzug in den Landtag bangen. Nach internen Auseinandersetzungen verlieren sie einen Punkt und landen bei nur noch vier Prozent. Ob die kürzlich gewählte neue Spitzenkandidatin Claudia Müller einen Umschwung bewirken kann, bleibt abzuwarten, da ihre Wahl erst am letzten Tag der Umfrage stattfand.
Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) muss ebenfalls Verluste hinnehmen und sinkt um einen Punkt auf sechs Prozent. Trotz der jüngsten Turbulenzen im Landesverband und dem Rückzug der Namensgeberin vom Bundesvorsitz würde die Partei den Einzug in den Landtag aber schaffen. Die FDP spielt mit Werten unter drei Prozent in der politischen Landschaft des Landes keine Rolle mehr.
Ministerpräsidentin Schwesig punktet mit persönlicher Beliebtheit
Ein entscheidender Faktor für die SPD ist der starke Amtsbonus von Regierungschefin Manuela Schwesig. Bei einer fiktiven Direktwahl des Ministerpräsidenten würden sich 46 Prozent der Befragten für sie entscheiden. Damit liegt sie weit vor ihren Konkurrenten.
AfD-Kandidat Leif-Erik Holm käme auf 25 Prozent, während CDU-Spitzenkandidat Daniel Peters mit nur acht Prozent weit abgeschlagen wäre. Interessant ist hierbei die Strategie der AfD: Holm tritt lediglich als Direktkandidat in Schwerin an und steht nicht auf der Landesliste, weshalb er für die meisten Wähler nicht wählbar ist. Ihr Listenführer Enrico Schult strebt das Amt des Ministerpräsidenten wiederum nicht an.
Kopf-an-Kopf-Rennen um die Regierungsführung
Spannend wird es bei der Frage, welche Partei die nächste Landesregierung anführen soll. Hier liefern sich AfD und SPD ein enges Rennen: 36 Prozent der Befragten sprechen sich für eine von der AfD geführte Regierung aus, während 35 Prozent die SPD an der Spitze sehen wollen. Dies deutet auf eine starke Polarisierung und eine Richtungsentscheidung bei der kommenden Wahl hin.
Für die CDU ist das Ergebnis ernüchternd, denn nur 15 Prozent der Wahlberechtigten wünschen sich die Christdemokraten in der Führungsrolle. Die Ausgangslage für ihren Spitzenkandidaten Peters, der selbst das Amt des Ministerpräsidenten anstrebt, ist daher äußerst schwierig.
Schwierige Regierungsbildung und die wichtigsten Wählerthemen
Mit den aktuellen Umfragewerten hätte die amtierende rot-rote Koalition keine Mehrheit mehr im Landtag. Gleichzeitig fehlt auch der AfD die absolute Mehrheit für eine Alleinregierung, zumal keine andere Partei zu einer Koalition bereit ist. Daher wäre eine Dreier-Koalition aus SPD, CDU und Linken eine der wenigen rechnerisch möglichen Optionen, die jedoch am Unvereinbarkeitsbeschluss der CDU gegenüber der Linken scheitern dürfte.
Als wichtigstes politisches Problem sehen die Bürgerinnen und Bürger in Mecklenburg-Vorpommern mittlerweile den Bereich Schule und Bildung. Das Thema Zuwanderung und Flucht, das zuvor an erster Stelle stand, rückt auf den zweiten Platz. Außerdem gewinnen die Bereiche Wirtschaft und Gesundheitswesen an Bedeutung für die Wähler.
Zunehmende Politikverdrossenheit und Misstrauen in die Demokratie
Die Umfrage zeigt auch eine weitverbreitete Politikverdrossenheit. Nur 19 Prozent trauen der SPD die Lösung der wichtigsten Probleme zu, während es bei der AfD 28 Prozent sind. Ein großer Anteil von 27 Prozent spricht keiner Partei mehr eine Lösungskompetenz zu, was auf tiefes Misstrauen hindeutet.
Besonders alarmierend ist die Unzufriedenheit mit dem Funktionieren der Demokratie in Deutschland. Lediglich 23 Prozent der Befragten sind damit zufrieden. Im Gegensatz dazu äußern sich 73 Prozent unzufrieden – ein dramatischer Anstieg im Vergleich zu 2016, als dieser Wert noch bei 44 Prozent lag.
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