Eine amtliche Unwetterwarnung vor Glatteis in Niedersachsen sorgt seit dem frühen Morgen für erhebliche Probleme im Straßen- und Nahverkehr. Gefrierender Regen und Blitzeis haben viele Straßen in gefährliche Rutschbahnen verwandelt, wodurch es bereits zu zahlreichen Unfällen und Sperrungen kam. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hält seine Warnung für Teile des Landes, darunter die Region Hannover und die Nordseeküste, noch bis zum Vormittag aufrecht.
In den westlichen und südlichen Landesteilen wurde die offizielle Unwetterwarnung zwar bereits aufgehoben, allerdings bleiben die Straßenverhältnisse vielerorts kritisch. Infolge der Wetterlage haben zahlreiche Landkreise und Städte den Schulunterricht für heute abgesagt, um die Sicherheit der Schülerinnen und Schüler zu gewährleisten.
Schwerpunkt Autobahnen: Zahlreiche Unfälle durch Blitzeis
Besonders die Autobahn A1 ist stark von der Glätte betroffen, wo sogenanntes Blitzeis am frühen Morgen zu einer Serie von Unfällen zwischen Osnabrück und Bremen führte. Blitzeis entsteht, wenn Regen auf eiskalten Boden trifft und dort schlagartig zu einer spiegelglatten Eisschicht gefriert. Vor allem Lastwagen waren in die Unfälle verwickelt, weshalb die Verkehrsmanagement-Zentrale Niedersachsen weiterhin vor extremer Glätte warnt.
Aktuell bestehen auf der A1 zwei Vollsperrungen, die den Verkehr massiv behindern. Nahe Engelmannsbäke blockiert ein querstehender Anhänger die Fahrbahn in Richtung Osnabrück, während bei Vechta ein aufgerissener Lkw-Tank eine aufwendige Reinigung der Fahrbahn erfordert. Glücklicherweise kam es bei den meisten Unfällen bislang nur zu Blechschäden. Die Autobahn A2 bei Lauenau ist nach einem Unfall mit mehreren Lkw inzwischen wieder für den Verkehr freigegeben.
Weitreichende Folgen: Schulausfälle und gestörter Nahverkehr
Die winterlichen Witterungsbedingungen beeinträchtigen zudem den Alltag vieler Menschen abseits der Autobahnen. Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) meldet in mehreren Regionen erhebliche Einschränkungen, denn die Sicherheit kann auf den glatten Straßen nicht überall garantiert werden.
Die Auswirkungen im Regional- und Stadtverkehr sind vielfältig:
- Landkreis Nienburg: Die Verkehrsgesellschaft hat den Busverkehr wegen akuter Straßenglätte vorübergehend komplett eingestellt.
- Region Osnabrück: Der Regionalverkehr ins Münsterland war am Morgen für mehrere Stunden ausgesetzt.
- Hildesheim und Hannover: Hier kommt es ebenfalls zu Ausfällen und Verspätungen im Busbetrieb, wobei insbesondere das Umland betroffen ist.
- Weitere Städte: Auch aus Emden, Göttingen, Lüneburg und Wilhelmshaven werden Verspätungen im Busverkehr gemeldet.
Das Bahnunternehmen metronom warnt ebenfalls vor möglichen Beeinträchtigungen im Zugverkehr. Fahrgäste werden daher dringend gebeten, sich vor Fahrtantritt online über den aktuellen Status ihrer Verbindung zu informieren.
Warnstreik im Winterdienst verschärft die Lage
Die angespannte Verkehrslage wird außerdem durch einen Warnstreik im öffentlichen Dienst verschärft, zu dem die Gewerkschaft ver.di aufgerufen hat. Dadurch sind auch die Kapazitäten der Straßenmeistereien und des Winterdienstes eingeschränkt, sodass Verkehrsteilnehmer mit schlecht oder gar nicht geräumten Straßen rechnen müssen.
Die Gewerkschaft rät daher zu einer besonders vorsichtigen und witterungsangepassten Fahrweise und empfiehlt, deutlich mehr Zeit für den Weg zur Arbeit einzuplanen. Zwar können streikende Mitarbeiter in Notsituationen zum Dienst herangezogen werden, allerdings gilt dies vorrangig für schwere Unfälle oder umgestürzte Bäume. Gefrierender Regen und Schneeverwehungen allein gelten laut Landesbehörde für Straßenbau nicht als Notfall, sondern als normale winterliche Erscheinung.
Wetterausblick: So entwickelt sich die Glättesituation
Verantwortlich für die gefährliche Straßenglätte ist laut DWD gefrierender Regen, der seit den Abendstunden über das Land zieht und von Schneefall begleitet wird. Die Wetterexperten rechnen mit bis zu drei Zentimetern Neuschnee, was die Glätte zusätzlich verstärkt. Die Temperaturen bewegen sich dabei zwischen -1 °C im Südwesten und bis zu -7 °C im Wendland.
Im Laufe des Tages soll der Niederschlag nachlassen, sodass sich die Lage langsam entspannen könnte. Für die Nacht zum Donnerstag wird jedoch bereits neuer, mäßiger Schneefall aus Südosten erwartet. Die Temperaturen bleiben mit Werten zwischen -2 °C und -6 °C weiterhin im Frostbereich, weshalb Vorsicht auf den Straßen geboten bleibt.
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