Wiederholter Schulausfall wegen Schnee und Glatteis stellt in Niedersachsen viele Familien und Schulen vor große Herausforderungen. Besonders im Landkreis Emsland fiel der Unterricht in diesem Winter bereits achtmal aus, was vor allem für Schülerinnen und Schüler in Abschlussklassen zu einem ernsten Problem wird. Ihnen fehlt dadurch wertvolle Zeit zur Vorbereitung auf wichtige Prüfungen.
Die Unterrichtsausfälle führen zu erheblichem organisatorischem Aufwand und Wissenslücken. Wenn der Präsenzunterricht nicht stattfinden kann, weil die Schulwege als zu gefährlich eingestuft werden, müssen Inhalte nachgeholt werden. Dies betrifft nicht nur den regulären Stoff, sondern auch entscheidende Leistungsnachweise.
Konsequenzen für den Schulabschluss
Die Auswirkungen sind für Abschlussjahrgänge besonders gravierend. An einem Gymnasium in Haselünne beispielsweise mussten drei wichtige Vorabiturklausuren kurzfristig verschoben werden. Solche Änderungen bringen den straffen Zeitplan der Schülerinnen und Schüler durcheinander und erhöhen den Lerndruck erheblich.
Als mögliche Lösung schlagen Lehrkräfte vor, die Klausuren an Samstagen nachzuholen. Dieser Vorschlag stößt bei den Betroffenen allerdings auf wenig Begeisterung, denn er greift stark in die private Freizeit ein. Der versäumte Unterrichtsstoff muss also unter hohem Druck nachgearbeitet werden, während der reguläre Lehrplan weiterläuft.
Distanzunterricht als lückenhafte Alternative
Während der Corona-Pandemie war digitaler Unterricht zu Hause die Standardlösung bei Schulschließungen. Aktuell findet Distanzunterricht bei witterungsbedingten Ausfällen jedoch oft nicht statt. Das niedersächsische Kultusministerium erklärte bereits im Januar, dass vielen Schulen die technischen Voraussetzungen für eine kurzfristige und flächendeckende Umstellung fehlen.
Aus diesem Grund gibt es keine landesweite Vorgabe, die die Schulen zum digitalen Unterricht verpflichtet. Stattdessen entscheidet jede Schulleitung individuell, ob und in welcher Form ein alternatives Lernangebot gemacht wird. Diese uneinheitliche Regelung führt zu einem Flickenteppich, bei dem manche Schüler lernen, während andere komplett frei haben.
Politik verspricht Besserung für den nächsten Winter
Die Landesregierung hat das Problem erkannt und plant, die rechtlichen Grundlagen für die Zukunft zu schaffen. Kultusministerin Julia Willie Hamburg kündigte an, dass die Voraussetzungen dafür vorbereitet werden, damit Schulleitungen Distanzunterricht verbindlich anordnen können. Dadurch soll eine verlässlichere Unterrichtsversorgung bei kurzfristigem Schulausfall wegen Schnee sichergestellt werden.
Die Ministerin geht davon aus, dass bereits zum nächsten Winter alle Schulen über ein funktionierendes Konzept für den digitalen Unterricht verfügen. So sollen sie besser auf unvorhergesehene Ausfälle vorbereitet sein und den Unterrichtsbetrieb aufrechterhalten können, auch wenn die Gebäude geschlossen bleiben müssen.
Kritik vom Landeselternrat: Konzepte und soziale Ungleichheit
Der Landeselternrat übt jedoch Kritik an der aktuellen Situation und sieht die Schulen in der Pflicht, schneller zu handeln. Christine Winter vom Landeselternrat fordert, dass die Schulen umgehend eigene Konzepte für den Umgang mit Unterrichtsausfällen entwickeln müssen. Es sei reines Glück, wenn eine Schule derzeit in der Lage ist, reibungslos auf digitalen Unterricht umzusteigen.
Außerdem warnt der Elternrat davor, die soziale Komponente des Distanzunterrichts zu vernachlässigen. Nicht jedes Kind hat zu Hause die gleichen Lernbedingungen. Ein ruhiger Arbeitsplatz, eine stabile Internetverbindung und die nötige technische Ausstattung sind keine Selbstverständlichkeit, weshalb digitale Lösungen die Bildungsschere weiter öffnen könnten.
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