In den Karnevalshochburgen zeichnet sich ein deutlicher Wandel ab, denn immer mehr junge Menschen verzichten bewusst auf Alkohol. Sie feiern ausgelassen auf Umzügen, Sitzungen und Partys, möchten den Tag danach jedoch ohne Kater erleben. Dieser Trend zu einem Karneval ohne Alkohol wird von vielen Vereinen und Beobachtern bestätigt und spiegelt eine generelle gesellschaftliche Entwicklung wider.
Ein neuer Trend in den Hochburgen: Alkoholfrei feiern
Vertreter großer Karnevalsvereine beobachten diese Entwicklung seit einigen Jahren. Andreas Peters, Präsident der Arbeitsgemeinschaft Trierer Karneval, stellt fest, dass viele Jugendliche auch mit wenig oder ganz ohne Alkohol eine gute Zeit haben. Ähnliche Eindrücke schildert Michael Bonewitz vom Mainzer Carneval-Verein (MCV), der von einem gefühlten Rückgang des Alkoholkonsums spricht, obwohl ihm dazu keine exakten Zahlen vorliegen.
Auch Andreas Münch von der Arbeitsgemeinschaft Koblenzer Karneval spürt den Wandel hin zu einem nüchterneren Feiern. Er betont allerdings, dass Alkohol für eine andere Gruppe von Feiernden weiterhin ein wesentlicher Bestandteil der Fastnacht bleibt. Die Veranstalter reagieren daher auf beide Bedürfnisse.
Was sich an den Theken und auf der Straße ändert
Der Trend zeigt sich direkt an den Verkaufsständen, wo die Nachfrage nach alkoholfreien Alternativen stetig wächst. Ralf Kraft, der die Stände für den MCV betreibt, verkauft von Jahr zu Jahr mehr alkoholfreies Bier. Aus diesem Grund erweitert er sein Sortiment und wird erstmals auch alkoholfreien Gin und Sekt anbieten, da er ein großes Potenzial in diesem Markt sieht.
Neben komplett alkoholfreien Getränken sind außerdem leichtere Varianten sehr beliebt. Besonders häufig bestellen die Feiernden eine „dünne Weinschorle“. Diese schmeckt zwar nach Wein, enthält aber nur wenig Alkohol und ermöglicht dadurch einen längeren und bewussteren Genuss.
Warum Karneval ohne Alkohol bei Jungen beliebt ist
Die Entwicklung an Fastnacht ist Teil eines größeren gesellschaftlichen Trends, wie auch Suchtexperten bestätigen. Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen meldet einen kontinuierlich abnehmenden Alkoholkonsum in der Bevölkerung. Im Jahr 2023 lag der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch bei 10,2 Litern Reinalkohol, was den niedrigsten Stand seit 2012 darstellt.
Dieser Rückgang ist besonders bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen ausgeprägt. Die bewusste Entscheidung für einen gesünderen Lebensstil und der Wunsch, Momente klar und authentisch zu erleben, tragen maßgeblich zu diesem Verhalten bei. Der Karneval wird somit für viele zu einem Fest der Gemeinschaft und nicht des Rausches.
Aufklärung und Jugendschutz: Vereine handeln
Die Karnevalsvereine tragen aktiv zur Sensibilisierung bei und fördern einen verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol. Klaus-Ludwig Fess, Präsident des Bundes Deutscher Karneval (BDK), berichtet von umfangreichen Aufklärungsmaßnahmen. So wird beispielsweise darauf geachtet, dass niemand mit einer Bierflasche auf der Bühne steht, damit Alkoholkonsum nicht als selbstverständlich wahrgenommen wird.
Zudem spielt der Jugendschutz eine immer wichtigere Rolle. Im Kreis Bernkastel-Wittlich haben sich viele Vereine der Aktion „Jugendschutz im Karneval“ angeschlossen. Durch eine Selbstverpflichtung sichern sie zu, bei Veranstaltungen keinen Alkohol an Personen unter 16 Jahren auszuschenken und damit ihrer Vorbildfunktion gerecht zu werden.
Herausforderungen bleiben: Alkohol weiterhin ein Thema
Trotz des positiven Trends bleibt übermäßiger Alkoholkonsum ein Problem, das nicht verschwunden ist. Ein Polizeieinsatz in Mainz am Rosenmontag des vergangenen Jahres verdeutlicht dies. Dort wurden bei 600 Jugendlichen insgesamt 77 Liter unerlaubt mitgeführter Alkohol sichergestellt.
Dennoch halten Experten eine Eskalation wie im Jahr 2012 in Trier für unwahrscheinlich. Damals kollabierten an Weiberfastnacht dutzende betrunkene Jugendliche. Das exzessive „Vorglühen“ mit hochprozentigen Spirituosen sei heute nicht mehr so verbreitet, was auf ein gestiegenes Bewusstsein und eine veränderte Feierkultur hindeutet.
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