Im Landkreis Birkenfeld rollen bald 20 neue Elektrobusse des chinesischen Herstellers BYD durch den Hunsrück. Diese Modernisierung verspricht eine erhebliche CO2-Einsparung, wirft aber gleichzeitig Fragen zur Datensicherheit auf. Die Debatte um ein mögliches chinesische Elektrobusse Sicherheitsrisiko gewinnt dadurch an Fahrt, denn moderne Fahrzeuge sind hochgradig vernetzt und sammeln permanent Daten.
Die neuen Busse sollen ab dem Frühjahr vor allem in Idar-Oberstein und auf Verbindungsstrecken in der Region eingesetzt werden. Sie decken rund drei Viertel des lokalen Nahverkehrs ab, wodurch jährlich etwa 1.500 Tonnen CO2 eingespart werden. Diese umweltfreundliche Initiative wird vom Bund mit 4,3 Millionen Euro gefördert, weil sie einen wichtigen Beitrag zur Verkehrswende leistet.
Warum chinesische Elektrobusse für Kommunen attraktiv sind
Die Entscheidung für den Hersteller BYD fiel nach einer europaweiten Ausschreibung, bei der strenge Sicherheitsauflagen galten. Laut Bernhard Ehmann, dem Geschäftsführer der Nahverkehrsbetriebe Birkenfeld, bot der chinesische Weltmarktführer das beste Preis-Leistungs-Verhältnis. Daher erhielt BYD den Zuschlag für die 20 Fahrzeuge.
BYD ist in Europa bereits stark vertreten und baut seine Präsenz kontinuierlich aus. Der Konzern betreibt seit 2016 ein Werk in Ungarn, in dem derzeit jährlich 400 E-Busse für den europäischen Markt gefertigt werden. Inzwischen fahren die Busse des Herstellers in über 100 europäischen Großstädten, allerdings sind die Fahrzeuge in Birkenfeld die ersten ihrer Art in Rheinland-Pfalz.
Datenerfassung als Standard bei modernen E-Fahrzeugen
Alle modernen Elektrofahrzeuge sind vernetzte Fahrzeuge, was bedeutet, dass sie über eine Internetverbindung verfügen und Daten mit dem Hersteller austauschen. Florian Dräger, Professor für E-Mobilität an der Hochschule Trier, erklärt, dass diese Datensammlung ein branchenüblicher Standard ist. Fahrzeuge nutzen Kameras und Sensoren, um ihre Umgebung zu erfassen und Fahrsituationen zu analysieren.
Diese gesammelten Informationen werden an die Server des Herstellers gesendet. Dort dienen sie dazu, die Algorithmen für Assistenzsysteme zu verbessern und Software-Updates aus der Ferne aufzuspielen. Langfristig verfolgen alle Hersteller damit das Ziel, das autonome Fahren weiterzuentwickeln, weshalb eine umfangreiche Datenbasis einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil darstellt.
Das chinesische Elektrobusse Sicherheitsrisiko: Wie real ist die Gefahr?
Die Sorge vor Spionage und unbefugtem Zugriff ist nicht unbegründet. In Norwegen gab es einen Vorfall mit Elektrobussen eines anderen chinesischen Herstellers, die theoretisch ferngesteuert werden konnten. Daraufhin entfernten die dortigen Betreiber die SIM-Karten aus den Fahrzeugen, was allerdings zur Folge hatte, dass keine automatischen Updates mehr möglich waren.
BYD versichert, dass solche Eingriffe bei ihren Modellen ausgeschlossen sind und die hohen europäischen Normen für Cybersicherheit erfüllt werden. Auch das zuständige rheinland-pfälzische Umweltministerium sieht derzeit keine konkreten Bedenken hinsichtlich der Datensicherheit bei vernetzten Fahrzeugen. Professor Dräger schätzt das Risiko für den öffentlichen Nahverkehr ebenfalls als gering ein, da die Busse auf festgelegten Routen fahren. Kritischer wäre der Einsatz solcher Fahrzeuge in sicherheitssensiblen Bereichen wie auf einem Kasernengelände, wo sensible Infrastruktur gefilmt werden könnte.
So gehen andere Verkehrsbetriebe mit der Herausforderung um
Andere Nahverkehrsbetriebe in Rheinland-Pfalz setzen bislang überwiegend auf europäische Hersteller. Die Stadtwerke Trier beispielsweise nutzen 39 Elektrobusse von Mercedes, halten sich bei zukünftigen Ausschreibungen jedoch alle Optionen offen. Auch die Deutsche Bahn hat Rahmenverträge mit verschiedenen Anbietern wie MAN, IVECO und Daimler abgeschlossen.
Allerdings umfasst die Flotte der DB Regio auch eine kleine Anzahl von Bussen der chinesischen Hersteller BYD und Zhongtong. Dies zeigt, dass die Anbieter aus China zunehmend als ernstzunehmende Konkurrenz wahrgenommen werden. Der Verkehrsverbund Rhein-Mosel (VRM) plant deshalb, die Sicherheitsanforderungen in künftigen Vergabeverfahren für alle Hersteller zu erhöhen, um einheitliche Standards zu gewährleisten.
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