Ein kontroverser Beitrag des früheren saarländischen Ministerpräsidenten Oskar Lafontaine sorgt am Holocaust-Gedenktag für erhebliche politische Spannungen. Lafontaine löste mit seinem Vergleich von angeblichem „Russenhass“ und Antisemitismus eine Welle der Empörung aus. Während das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) seine Aussagen unterstützt, äußern andere Parteien und der Antisemitismus-Beauftragte des Saarlandes scharfe Kritik an diesem Lafontaine Holocaust Vergleich.
Die Debatte entzündete sich an einer Veröffentlichung auf Lafontaines Blog sowie seinem Facebook-Profil. Dort formulierte er den Satz: „Der Russenhass ist ebenso verwerflich wie der Antisemitismus.“ Außerdem behauptete er, eine solche Haltung sei „deutsche Staatstradition“. Diesen Standpunkt vertrat er dabei nicht nur für sich, sondern auch im Namen des BSW.
Der Zeitpunkt der Veröffentlichung verleiht der Aussage eine besondere Brisanz. Denn der 27. Januar ist der internationale Holocaust-Gedenktag, an dem an die Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau durch Truppen der Roten Armee im Jahr 1945 erinnert wird.
Scharfe Kritik am Lafontaine Holocaust Vergleich
Aus der Landespolitik und von zivilgesellschaftlichen Akteuren kam umgehend heftiger Widerspruch. Roland Rixecker, der Antisemitismus-Beauftragte der saarländischen Landesregierung, bezeichnete die Äußerung als „beschämend und peinlich“. Der Inhalt und der gewählte Zeitpunkt seien respektlos gegenüber den Opfern des Holocaust.
Rixecker kritisierte, dass Lafontaines Vergleich völlig inakzeptabel sei. Er setze die berechtigte Kritik an der russischen Regierung und deren völkerrechtswidrigem Angriffskrieg mit der Shoa, dem systematischen Völkermord an den europäischen Juden, gleich. Dadurch würde der Holocaust verharmlost und für tagespolitische Zwecke instrumentalisiert.
Auch Vertreter der im saarländischen Landtag vertretenen Parteien SPD und CDU reagierten mit Unverständnis. Sie warfen Lafontaine vor, den Gedenktag bewusst zu missbrauchen, um mediale Aufmerksamkeit für sich und das politisch unter Druck stehende BSW zu erzeugen. Ulrich Commerçon, Fraktionschef der SPD, betonte, er erlebe in Deutschland keinen Hass auf das russische Volk, sondern eine klare Ablehnung der Taten Wladimir Putins.
Ähnlich äußerte sich Raphael Schäfer, Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU. Wer an einem solchen Tag einen derartigen Vergleich ziehe, suche gezielt die Provokation, um in die Schlagzeilen zu kommen. Dieses Verhalten sei in schärfsten Worten zurückzuweisen, da es den Anstand und den Respekt vor den Opfern verletze.
Lafontaines Rechtfertigung und die bewusste Provokation
Oskar Lafontaine selbst wies die Vorwürfe einer Gleichsetzung zurück. Er argumentierte, es gehe ihm nicht darum, die Verbrechen zu vergleichen, sondern auf eine doppelte historische Verantwortung Deutschlands hinzuweisen. Seiner Ansicht nach sei Deutschland nicht nur gegenüber den sechs Millionen ermordeten Juden verpflichtet, sondern auch gegenüber Russland, da im Zweiten Weltkrieg zwölf Millionen Russen getötet wurden.
Allerdings deutet vieles darauf hin, dass der Zeitpunkt der Veröffentlichung bewusst gewählt war, um maximale Aufmerksamkeit zu erzielen. Der Text war bereits Mitte Januar in der rechtspopulistischen „Schweizer Weltwoche“ erschienen, bevor Lafontaine ihn am Vorabend des Gedenktages erneut prominent platzierte.
BSW stellt sich hinter Lafontaine
Trotz der massiven Kritik und der Vorwürfe der Geschichtsrelativierung stellte sich das Bündnis Sahra Wagenknecht explizit hinter die Aussagen seines prominenten Mitglieds. Diese Unterstützung isoliert die neue Partei in dieser Debatte jedoch, während andere politische Kräfte, einschließlich der AfD, den Vergleich als unangemessen ablehnen.
Der stellvertretende AfD-Fraktionsvorsitzende Christoph Schaufert erklärte, historische Vergleiche mit der NS-Zeit seien grundsätzlich verfehlt. Die Verbrechen dieser Epoche seien einzigartig und dürften nicht für aktuelle politische Debatten herangezogen werden. Die Kontroverse zeigt erneut, dass Lafontaine weiterhin polarisiert und auch vor heiklen historischen Themen nicht zurückschreckt.
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