Stresslevel Astronauten messen – ESA testet Tool gegen Burnout

Die psychische Gesundheit von Raumfahrern ist eine der größten Herausforderungen für Langzeitmissionen im All. Deshalb testet die französische ESA-Astronautin Sophie Adenot auf der Internationalen Raumstation ISS derzeit eine neue Technologie, um das Stresslevel von Astronauten zu messen. Das sogenannte „PhysioTool“, entwickelt von der Universität Lothringen, soll präzise Daten über die mentalen Belastungen im Orbit liefern und somit zukünftige Missionen sicherer machen.

Sophie Adenot ist kürzlich mit weiteren internationalen Kollegen zur ISS aufgebrochen, wo sie die bestehende Besatzung verstärkt. Während ihres Aufenthalts führt sie im Auftrag von Forschern des Labors für Psychologie und Neurowissenschaften der Verhaltensdynamik (2LPN) in Nancy ein wegweisendes Experiment durch. Dieses Projekt konzentriert sich darauf, die vielfältigen Stressfaktoren im Weltraum objektiv zu erfassen.

Wie das PhysioTool das Stresslevel von Astronauten misst

Das „PhysioTool“ ist kein einzelnes Gerät, sondern ein integriertes System, das verschiedene physiologische und psychologische Daten erfasst. Es wurde entwickelt, um ein umfassendes Bild der mentalen Verfassung einer Person zu zeichnen. Obwohl die genauen technischen Details vertraulich sind, basieren solche Systeme typischerweise auf der Messung von Biomarkern, die direkt mit dem Stresssystem des Körpers verbunden sind.

Dazu gehören beispielsweise die Herzfrequenzvariabilität, also die kleinen Schwankungen im Abstand zwischen zwei Herzschlägen, die Hautleitfähigkeit oder sogar hormonelle Indikatoren. Zusätzlich kombiniert das Tool diese objektiven Messwerte wahrscheinlich mit subjektiven Eingaben der Astronautin, zum Beispiel durch kurze, regelmäßige Befragungen auf einem Tablet. Dadurch entsteht ein detailliertes Stresstagebuch, das den Forschern auf der Erde wertvolle Einblicke gewährt.

Die extremen Stressfaktoren im Weltraum

Astronauten auf der ISS sind einer einzigartigen Kombination von Belastungen ausgesetzt, die das „PhysioTool“ nun quantifizieren soll. Die Wissenschaftler möchten verstehen, wie sich diese Faktoren gegenseitig beeinflussen und wann kritische Belastungsgrenzen erreicht werden. Zu den primären Stressoren gehören:

  • Isolation: Die extreme Entfernung zur Erde und der eingeschränkte Kontakt zu Familie und Freunden stellen eine enorme psychische Belastung dar.
  • Eingeschränkter Lebensraum: Die Crew lebt und arbeitet monatelang auf engstem Raum, was soziale Spannungen fördern kann und kaum Privatsphäre zulässt.
  • Hohe Arbeitsbelastung: Der Zeitplan auf der ISS ist streng getaktet und voller komplexer wissenschaftlicher Experimente sowie anspruchsvoller Wartungsarbeiten, die höchste Konzentration erfordern.
  • Technische Risiken: Das Bewusstsein, sich in einer lebensfeindlichen Umgebung aufzuhalten, in der ein technischer Defekt fatale Folgen haben kann, erzeugt einen permanenten unterschwelligen Stress.

Indem die Forscher diese Belastungen besser verstehen, können sie gezielte Gegenmaßnahmen entwickeln. Denkbar wären zum Beispiel personalisierte Entspannungsübungen, angepasste Arbeitspläne oder verbesserte Kommunikationsmöglichkeiten mit der Erde.

Vom Weltraum zur Erde: Potenziale für den Alltag

Die Erkenntnisse aus der Mission von Sophie Adenot sollen allerdings nicht nur zukünftigen Raumfahrern helfen. Die Universität Lothringen betont, dass das Projekt einen direkten Nutzen für Anwendungen auf der Erde hat. Das „PhysioTool“ könnte eine entscheidende Rolle in der Prävention von Burnout und der Unterstützung von Menschen in Hochleistungsberufen spielen.

Berufsgruppen wie Piloten, Feuerwehrleute, Notärzte oder Manager sind ebenfalls hohem psychischem Druck ausgesetzt. Ein angepasstes System könnte hier frühzeitig Warnsignale für chronischen Stress erkennen, bevor dieser zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen führt. Unternehmen könnten solche Technologien nutzen, um gesündere Arbeitsumgebungen zu schaffen und die Resilienz ihrer Mitarbeiter gezielt zu fördern.

Die Forschung auf der ISS liefert dafür eine ideale Grundlage, denn die extremen Bedingungen im All wirken wie ein Vergrößerungsglas für Stressreaktionen. Die gewonnenen Daten sind daher besonders wertvoll, um robuste und zuverlässige Modelle zur Stresserkennung zu entwickeln, die später auf alltägliche Situationen übertragen werden können.

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