Eine neue Ausstellung im Bauhaus Dessau wirft einen ungewöhnlichen Blick auf die Welt des Bauens. Unter dem Titel „Soda | Linsen | Fluff“ präsentiert die Künstlerin Antje Schiffers Werke, die sich mit der Herkunft und Produktion von Baumaterialien beschäftigen. Dabei entfaltet sich eine faszinierende Industriegeschichte, die tief in Sachsen-Anhalt verwurzelt ist und eine Brücke von der DDR-Zeit bis in die Gegenwart schlägt.
Vom Zementwerk zur Kunst: Die Themen der Schau
Die Ausstellung ist Teil des Jubiläumsjahres zum 100-jährigen Bestehen des Bauhauses in Dessau, welches unter dem Motto „An die Substanz“ steht. Dieser Leitgedanke zielt darauf ab, die materielle Welt zu ergründen, die uns täglich umgibt. Die Künstlerin Antje Schiffers und ihr Partner Thomas Sprenger folgen diesem Ansatz, indem sie die Orte, Landschaften und Menschen hinter den Baustoffen untersuchen und deren Veränderungen dokumentieren.
Besucher werden im Bauhaus Museum von zwei monumentalen Wandzeichnungen in Schwarz-Weiß empfangen. Diese hat Schiffers mit Acrylfarbe direkt auf überdimensionale Paneele gemalt. Eine der Zeichnungen zeigt detailreich das Zementwerk in Karsdorf im Burgenlandkreis, während die andere die nahegelegene Kieslagerstätte in Zettweil illustriert. Dadurch wird der Ursprung alltäglicher Baumaterialien greifbar und künstlerisch erfahrbar gemacht.
Industriegeschichte Sachsen-Anhalts im Fokus
Die Schau beleuchtet gezielt die Industrietradition der Region, denn Sachsen-Anhalt ist reich an wichtigen Rohstoffen wie Quarz, Sand und Kalk. Diese Vorkommen bildeten die Grundlage für eine bedeutende Industrie. Beispielsweise war die Soda-Produktion in Staßfurt und Bernburg für ganz Deutschland von zentraler Bedeutung, da Soda ein unverzichtbarer Grundstoff für die Glasherstellung ist.
Schiffers und Sprenger besuchten für ihre Recherche auch eines der großen Flachglas-Werke in der Umgebung. Als Zeugnisse dieser Besuche finden sich in der Ausstellung eindrucksvolle Glasschlacken in den Regalen – erstarrte Reste der Glasschmelze, die wie farbenprächtige Skulpturen wirken. So verbindet die Ausstellung die Rohstoffe mit den Produktionsprozessen und den fertigen Materialien, die unsere gebaute Umwelt prägen.
Soda, Linsen, Fluff: Ein Ausstellungstitel mit Geschichte
Der ungewöhnliche Titel der Ausstellung erschließt sich durch ein skurriles Kapitel der DDR-Wirtschaftsgeschichte. Er verweist auf drei unterschiedliche Materialien und deren Geschichten. Soda steht, wie erwähnt, für die Glasproduktion und die chemische Industrie der Region.
Der Begriff Linsen spielt auf eine bemerkenswerte Praxis des VEB Zement-Anlagenbau Dessau in den 1980er-Jahren an. Der Betrieb exportierte damals komplette Zementwerke nach Kuba, in den Iran und nach Äthiopien. Da Devisen knapp waren, bezahlte Äthiopien eine dieser Fabriken nicht mit Geld, sondern mit Landesprodukten. Die DDR erhielt im Gegenzug für ihre Ingenieursleistung tatsächlich Linsen, aber auch Baumwolle, Kaffee und Sojabohnen. Fluff steht schließlich für moderne, leichte Füllmaterialien aus Polyester und Zellstoff, die heute in vielen Bereichen zum Einsatz kommen.
Warum diese Ausstellung im Bauhaus Dessau genau richtig ist
Die künstlerische Auseinandersetzung mit Arbeit, Landschaft und Ökonomie passt hervorragend zum Selbstverständnis des Bauhauses. Schon die historischen Meister verstanden Gestaltung nicht nur als ästhetische Aufgabe, sondern immer auch als ein gesellschaftliches Projekt. Die aktuelle Ausstellung im Bauhaus Dessau knüpft an diese Tradition an.
Die Werke von Antje Schiffers und Thomas Sprenger zeigen eindrücklich, wie eng diese Bereiche miteinander verwoben sind. Sie machen die komplexen Zusammenhänge hinter den Baumaterialien sichtbar, die oft als selbstverständlich wahrgenommen werden. Dadurch regt die Schau zum Nachdenken über Nachhaltigkeit, Globalisierung und die Spuren an, die die Industrie in unserer Welt hinterlässt.
Besucherinformationen auf einen Blick
Für Interessierte sind hier die wichtigsten Daten zur Ausstellung zusammengefasst:
- Titel: „Soda | Linsen | Fluff. Antje Schiffers“
- Zeitraum: 13. Februar 2026 – 12. Juli 2026
- Ort: Bauhaus Museum Dessau, Mies-van-der-Rohe-Platz 1, 06844 Dessau-Roßlau
- Öffnungszeiten:
- November bis Februar: Dienstag bis Sonntag, 10:00 bis 17:00 Uhr
- März bis Oktober: täglich 10:00 bis 18:00 Uhr
- Eintritt: 10 €, ermäßigt 6 €
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