Seit einigen Monaten ist die elektronische Patientenakte, kurz ePA, für Arztpraxen und Krankenhäuser verpflichtend. Sie soll den Datenaustausch im Gesundheitswesen revolutionieren, doch in der Praxis zeigen sich für viele Versicherte und Mediziner erhebliche elektronische Patientenakte Probleme. Obwohl die digitale Akte den Behandlungsalltag erleichtern soll, erweist sie sich häufig als Geduldsprobe mit technischen und organisatorischen Hürden.
So funktioniert die elektronische Patientenakte
Die elektronische Patientenakte fungiert als zentraler, digitaler Speicherort für Gesundheitsdaten. Versicherte erhalten sie automatisch von ihrer Krankenkasse, es sei denn, sie widersprechen aktiv. In dieser digitalen Akte können Ärztinnen und Ärzte wichtige Dokumente wie Befunde, Arztbriefe oder Laborergebnisse hinterlegen. Dadurch erhalten andere behandelnde Mediziner einen schnellen und umfassenden Überblick über die Krankengeschichte und die aktuelle Medikation eines Patienten.
Das Ziel ist eine verbesserte und sicherere Behandlung, denn Doppeluntersuchungen lassen sich so vermeiden und potenzielle Wechselwirkungen von Medikamenten leichter erkennen. Die Hoheit über die Daten liegt dabei grundsätzlich bei den Versicherten. Sie können über eine spezielle App ihrer Krankenkasse selbst auf ihre ePA zugreifen, Dokumente einsehen und entscheiden, welche Informationen für welche Arztpraxis sichtbar sein sollen.
Der Nutzen der ePA und die Realität für Versicherte
Der theoretische Nutzen der ePA ist groß, allerdings sieht die Realität für viele Nutzerinnen und Nutzer anders aus. Schon der erste Schritt, die Anmeldung in der Krankenkassen-App, stellt für viele eine hohe Hürde dar und erfordert oft viel Geduld und technisches Verständnis. Diese komplizierte Einrichtung trägt dazu bei, dass die Akzeptanz und aktive Nutzung bisher gering sind. Eine Umfrage zeigte, dass nur knapp vier Prozent der Versicherten, für die eine ePA angelegt wurde, diese auch tatsächlich selbst aktiv nutzen.
Wer die Anmeldung erfolgreich meistert, stößt oft auf weitere Schwierigkeiten. Anwender berichten von leeren oder unvollständigen Akten, obwohl sie kürzlich in ärztlicher Behandlung waren. Außerdem ist das selbstständige Hochladen von Dokumenten kompliziert, da aus Sicherheitsgründen oft nur spezielle PDF-Formate akzeptiert werden und keine einfachen Handyfotos.
Häufige elektronische Patientenakte Probleme in der Praxis
Die Liste der Schwierigkeiten im Umgang mit der ePA ist lang und betrifft sowohl Patienten als auch medizinisches Personal. Ein zentrales Problem ist die unvollständige Befüllung der Akten. Zwar sind Praxen seit Jahresbeginn bei Nichtnutzung von Sanktionen wie Pauschalkürzungen bedroht, allerdings besteht keine Pflicht, jede Behandlung zu dokumentieren. Laut Bundesgesundheitsministerium müssen lediglich wichtige medizinische Unterlagen eingestellt werden, während ein einfacher Schnupfen nicht zwingend in der ePA erscheinen muss.
Technische Hürden erschweren den Alltag zusätzlich. Hier sind die häufigsten Kritikpunkte:
- Inkompatible Dateiformate: Patienten können oft keine gängigen Formate wie JPEG-Bilder hochladen, was das Teilen von beispielsweise Wundfotos unmöglich macht.
- Veraltete Betriebssysteme: Nach Updates funktionieren die ePA-Apps auf älteren Smartphones manchmal nicht mehr, weil die Mindestanforderungen an das Betriebssystem aus Sicherheitsgründen laufend angepasst werden.
- Leere Akten nach Klinikaufenthalt: Obwohl auch Krankenhäuser zur Nutzung verpflichtet sind, bleibt die ePA nach einem stationären Aufenthalt häufig leer, was die nahtlose Weiterbehandlung erschwert.
Technische Hürden für Arztpraxen und Kliniken
Auch aufseiten der Leistungserbringer läuft nicht alles reibungslos. Die Funktionalität der ePA in Arztpraxen hängt stark von der jeweils genutzten Verwaltungssoftware ab. Zudem ist die Stabilität der sogenannten Telematikinfrastruktur eine große Fehlerquelle. Dies ist das zentrale digitale Netzwerk, das alle Akteure im Gesundheitswesen miteinander verbindet.
Kommt es hier zu Störungen, kann dies den gesamten Praxisbetrieb für Stunden lahmlegen. Für die ohnehin stark belasteten Praxisteams bedeutet dies eine erhebliche zusätzliche Belastung. Daher fordern kassenärztliche Vereinigungen eine deutliche Verbesserung der Betriebsstabilität dieser Infrastruktur, um die Akzeptanz und den Nutzen der ePA zu steigern.
Besonders komplex gestaltet sich die Anbindung in Krankenhäusern. Die technischen und organisatorischen Anforderungen sind hier weitaus höher als in einer ambulanten Praxis. Kritiker bemängeln, dass die ePA primär für den niedergelassenen Bereich und nicht für die komplexen Abläufe in einer Klinik entwickelt wurde. Für Krankenhäuser gilt noch eine Übergangsfrist, bevor auch ihnen bei Nichtbefolgung finanzielle Kürzungen drohen.
Ausblick: Die ePA bleibt ein Projekt in Entwicklung
Trotz der aktuellen Startschwierigkeiten betonen viele Akteure im Gesundheitswesen, dass die ePA ein wichtiger und richtiger Schritt zur Digitalisierung ist. Das System ist nicht als fertiges Produkt gestartet, sondern befindet sich in einem ständigen Entwicklungsprozess. Für die Zukunft sind bereits konkrete Verbesserungen und neue Funktionen geplant.
Dazu gehören beispielsweise die Integration eines digitalen Medikationsplans, die Einführung von Push-Benachrichtigungen bei neuen Einträgen sowie eine Volltextsuche zur leichteren Navigation. Mediziner werben daher um Geduld und betonen, dass der langfristige Nutzen der elektronischen Patientenakte die anfänglichen Probleme überwiegen wird, sobald das System ausgereift und stabil ist.
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