Fuchswochen in Deutschland: Darum ist die Jagd so umstritten

Jedes Jahr im Winter intensiviert die Jägerschaft die Jagd auf Raubtiere, insbesondere auf den Rotfuchs. Diese sogenannten Fuchswochen in Deutschland sind jedoch umstritten, denn während Jäger von notwendiger Bestandsregulierung sprechen, zweifeln Naturschützer und Tierschützer am Sinn und an der Wirksamkeit dieser Praxis.

Die Jagd erfreut sich in Deutschland wachsender Beliebtheit, denn die Zahl der Menschen mit einem Jagdschein hat einen neuen Höchststand erreicht. Laut dem Deutschen Jagdverband gibt es bundesweit fast eine halbe Million Jagdscheininhaber. Dieser Trend zeigt sich auch in Schleswig-Holstein mit über 22.600 registrierten Jägerinnen und Jägern, wobei auffällig viele junge Menschen und Frauen dazukommen.

Als Motive für die Jagd werden oft ein intensives Naturerlebnis und der Wunsch nach gesundem, regionalem Wildfleisch genannt. Außerdem sehen sich viele Jäger als aktive Naturschützer, die vor Ort einen Beitrag zum Gleichgewicht im Ökosystem leisten wollen.

Was sind die Fuchswochen und warum finden sie statt?

Die Raubwild- oder Fuchswochen finden bundesweit statt und konzentrieren sich auf die Zeit von Mitte Dezember bis Mitte Februar. Jägerinnen und Jäger nutzen diesen Zeitraum gezielt, da sich Füchse dann in der Paarungszeit befinden, der sogenannten Ranz. Während dieser Phase sind die Tiere deutlich aktiver und auch häufiger am Tag zu sehen, was die Bejagung erleichtert.

Das Hauptziel dieser Jagden ist die Kontrolle der Population von Prädatoren, also Raubtieren, die andere Tiere jagen. Im Fokus steht dabei der anpassungsfähige Rotfuchs. Zusätzlich werden aber auch invasive, also nicht heimische Arten wie der Marderhund oder der Waschbär bejagt, weil sie eine Bedrohung für die heimische Tierwelt darstellen können.

An der Jagd dürfen alle Personen mit einem gültigen Jagdschein teilnehmen, sofern sie sich mit den Pächtern der jeweiligen Jagdreviere absprechen. Die Jagdmethoden variieren je nach Region und Landschaft, wobei meistens der Ansitz auf dem Hochsitz oder die Pirsch, das leise Anpirschen an das Wild, bevorzugt wird. Gelegentlich kommen jedoch auch Treibjagden zum Einsatz, die für Wildtiere erheblichen Stress bedeuten.

Die Argumente der Jägerschaft: Schutz der Artenvielfalt und Seuchenprävention

Jägerverbände und das Landwirtschaftsministerium argumentieren, dass die Fuchsjagd für die Biodiversität notwendig sei. Der Rotfuchs hat in Deutschland kaum noch natürliche Feinde, wodurch sich seine Population stark vermehren kann. Da er ein breites Beutespektrum von Nagetieren über Vögel bis hin zu Jungtieren größerer Säugetiere hat, kann er den Bestand anderer Arten, insbesondere von Bodenbrütern, gefährden.

Durch die Regulierung des Fuchsbestandes soll also das ökologische Gleichgewicht gewahrt und seltenere Arten geschützt werden. Um sicherzustellen, dass nicht zu viele Tiere erlegt werden, überwachen Jäger die Wildtierbestände im Rahmen des sogenannten Wildtier-Katasters. Die gesammelten Daten werden wissenschaftlich von der Universität Kiel ausgewertet, um faktenbasierte Jagdstrategien zu entwickeln.

Ein weiteres zentrales Argument für die Fuchswochen ist die Eindämmung von Krankheiten. Füchse können Überträger von Seuchen wie Staupe sein, die auch für Haushunde tödlich ist. Außerdem können sie die Räude oder den Fuchsbandwurm übertragen, der für Menschen lebensbedrohlich sein kann, obwohl Infektionen sehr selten sind. Die Jagd soll demnach das Risiko einer Ausbreitung dieser Krankheiten minimieren.

Kritik an der Fuchsjagd: Zweifel an der Wirksamkeit

Umweltverbände wie der NABU und der BUND bewerten die intensive Fuchsbejagung differenziert. Einerseits befürworten sie die Jagd in bestimmten Schutzgebieten, beispielsweise an Küsten oder in Wiesenvogelarealen. Dort stellen Füchse eine nachgewiesene Bedrohung für Bodenbrüter dar, weshalb eine Regulierung zum Schutz seltener Vogelarten als sinnvoll erachtet wird.

Andererseits äußern Naturschützer grundsätzliche Zweifel an der langfristigen Wirksamkeit der Fuchswochen zur Bestandsreduktion. Selbst in den 1960er- bis 1980er-Jahren, als Füchse zur Bekämpfung der Tollwut massiv bejagt wurden, konnte die Population nicht wie gewünscht verkleinert werden. Füchse sind territorial, und wenn ein dominantes Tier aus einem Revier entfernt wird, rückt oft ein jüngeres, revierloses Tier nach.

Dieser Effekt kann sogar zu einer höheren Fuchsdichte führen. Durch den Wegfall der Konkurrenz werden Lebensräume frei, die schnell von mehreren Jungfüchsen besetzt werden können. Die Jagd stört also die Sozialstruktur der Tiere, ohne den Bestand nachhaltig zu verringern.

Tierschützer fordern ein Umdenken bei den Fuchswochen in Deutschland

Tierrechtsorganisationen wie PETA lehnen die Fuchsjagd kategorisch ab und halten die Argumente der Jägerschaft für unbegründet. Sie betonen, dass eine Ansteckung mit dem Fuchsbandwurm zu den seltensten Parasitenerkrankungen in Europa gehöre und das Risiko daher vernachlässigbar sei.

Gegen die Staupe, die ebenfalls als Grund für die Jagd genannt wird, biete die Impfung bei Hunden einen zuverlässigen Schutz. Die Räude sei zudem mit modernen Medikamenten gut behandelbar. PETA sieht in den Fuchswochen daher keine Notwendigkeit und hat eine Online-Petition gestartet, um diese bundesweit zu verbieten.

Rechtlicher Rahmen und das Prinzip der Waidgerechtigkeit

Die Jagd in Deutschland ist streng durch Bundes- und Landesjagdgesetze sowie weitere Verordnungen reguliert. Diese Vorschriften sind Teil der anspruchsvollen Ausbildung zum Jäger, die oft als „grünes Abitur“ bezeichnet wird. Ein zentraler Grundsatz ist dabei die Waidgerechtigkeit, ein ethischer Kodex der Jägerschaft.

Dieser Kodex schreibt vor, dass Tiere respektvoll behandelt und Schmerzen beim Erlegen so weit wie möglich vermieden werden müssen. Jagd bedeutet demnach nicht nur das Töten von Tieren, sondern auch die Hege und Pflege von Wild und Natur. Die Landesregierung Schleswig-Holstein hält aus diesen Gründen an den Fuchswochen fest und plant derzeit keine Änderungen an den Jagdzeiten oder -methoden.

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