Wellcome-Paten: Wie Freiwillige junge Familien entlasten

Das erste Jahr mit einem Baby ist eine besondere Zeit, aber für viele Eltern auch eine enorme Herausforderung. Fehlende Unterstützung durch Familie oder Freunde kann den Alltag schnell zur Belastungsprobe machen. Genau hier setzt das Projekt „Wellcome“ an, denn in Schleswig-Holstein helfen engagierte Wellcome-Paten ehrenamtlich Familien, diese anspruchsvolle Phase gut zu meistern.

Wie ehrenamtliche Wellcome-Paten Familien im Alltag unterstützen

Die Hilfe der Wellcome-Paten ist praktisch und unbürokratisch gestaltet. Ehrenamtliche wie Carmen Müller-Groeling aus Norderstedt besuchen junge Familien ein- bis zweimal pro Woche für einige Stunden. Während dieser Zeit kümmern sie sich um das Baby, gehen beispielsweise mit dem Kinderwagen spazieren oder spielen mit dem Kind, damit die Eltern eine Verschnaufpause bekommen.

Diese Unterstützung ist als sogenannte „frühe Hilfe“ konzipiert und daher auf das erste Lebensjahr des Kindes beschränkt. Die Patenschaft endet offiziell mit dem ersten Geburtstag des Babys. Allerdings entstehen oft enge persönliche Verbindungen, weshalb viele Paten auch danach noch Kontakt zu den Familien halten.

Warum die Nachfrage nach Unterstützung steigt

Die Koordinatorin von Wellcome Schleswig-Holstein, Julia Wilkens, beobachtet einen klaren Trend: Die Belastungen für junge Familien nehmen zu. Gleichzeitig sinkt die Hemmschwelle, Hilfe in Anspruch zu nehmen, weshalb sich Eltern heute oft früher melden – teilweise sogar schon vor der Geburt des Kindes. Dies ist eine positive Entwicklung, denn je früher die Unterstützung ansetzt, desto wirksamer kann sie einer Überlastung vorbeugen.

Die Zahlen belegen den hohen Bedarf eindrücklich. Allein in Schleswig-Holstein begleiteten im Jahr 2025 rund 400 Ehrenamtliche etwa 350 Familien und leisteten dabei mehr als 8.000 Stunden Unterstützung. Bundesweit engagieren sich aktuell sogar rund 5.800 Menschen als Wellcome-Paten.

Entlastung für Eltern: Eine wertvolle Auszeit vom Alltag

Für Mütter wie Nina Krutikova, die vier Töchter hat, ist diese Hilfe von unschätzbarem Wert. Ihr Alltag ist oft sehr fordernd, insbesondere da ihre älteste Tochter aufgrund einer psychischen Beeinträchtigung besondere Betreuung benötigt. Die regelmäßigen Besuche der Wellcome-Patin verschaffen ihr Freiräume, die sie dringend braucht.

Diese Auszeiten nutzt sie bewusst für sich selbst, um neue Kraft zu schöpfen. Statt den Haushalt zu erledigen, zieht sie sich in ihr kleines Atelier zurück, um zu malen oder zu stricken. Solche Momente sind entscheidend, um dem permanenten Stress entgegenzuwirken und die psychische Gesundheit zu erhalten.

Wellcome-Pate werden: So funktioniert die ehrenamtliche Hilfe

Wer sich selbst engagieren und Familien unterstützen möchte, kann sich unkompliziert als Wellcome-Pate bewerben. Die Voraussetzungen sind niedrigschwellig gehalten, denn die Ehrenamtlichen sollen keine Fachkräfte ersetzen, sondern eine moderne Form der Nachbarschaftshilfe leisten. Zu den grundlegenden Anforderungen gehören:

  • Die Vorlage eines erweiterten polizeilichen Führungszeugnisses.
  • Die Teilnahme an einem standardisierten Aufnahmegespräch.

Auf verpflichtende Schulungen wird bewusst verzichtet, um den Zugang einfach zu halten. Allerdings bietet die Organisation freiwillige Fortbildungen an, beispielsweise zu Themen wie Kinderschutz oder Erste Hilfe am Kind. Die Vermittlung der Paten an die Familien erfolgt über lokale Träger vor Ort, wie etwa die Evangelische Familienbildung. Finanziert wird das Programm durch Spenden und die Beiträge von Kooperationspartnern.

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