Theaterhaus Jena: Hass – Kultfilm wird zum Stück über Jena

Der französische Kultfilm „La Haine“ (Hass) von 1995 prägte mit seiner rohen, schwarz-weißen Darstellung von Rassismus und Staatsgewalt eine ganze Generation. Nun überträgt eine Inszenierung am Theaterhaus Jena „Hass“ in die Gegenwart und verlegt die Handlung von den Pariser Vororten nach Thüringen. Dadurch schafft das Stück einen aktuellen Bezug zu universellen Themen wie Ausgrenzung und Wut.

So wird der Kultfilm zur Bühne im Theaterhaus Jena

Die Theateradaption unter der Regie von Daniele Szeredy versucht nicht, den ikonischen Film einfach nachzuerzählen. Stattdessen übernimmt die Inszenierung nur einzelne zentrale Handlungselemente, während sie gleichzeitig eine neue Ebene schafft. So liegt auch hier ein Freund der Protagonisten nach einer Demonstration schwer verletzt im Krankenhaus und ein Polizist hat seine Dienstwaffe verloren.

Allerdings kennen die Charaktere auf der Bühne den Film „La Haine“ und zitieren ihn wiederholt. Der Film dient ihnen als eine Art kultureller Bezugsrahmen, wodurch sie ihr eigenes Schicksal reflektieren. Sie haben das brutale Ende des Originals vor Augen und wissen daher, wie Gewalt und Gegengewalt eskalieren und politische Missstände letztlich Leben kosten können.

Von Pariser Banlieues nach Jena-Lobeda: Ein Ortswechsel mit Bedeutung

Das Theaterstück wagt das Experiment, die Geschichte aus den französischen Banlieues – den oft sozial benachteiligten Vorstädten – in das Jenaer Plattenbauviertel Lobeda zu verlagern. Dieser Ortswechsel ist eine bewusste Entscheidung des Regisseurs, denn Lobeda ist ein Ort der Kontraste. Dort treffen verschiedene Lebensrealitäten aufeinander, da in diesem Viertel sowohl viele Menschen mit Migrationsgeschichte leben als auch die Zustimmung für die AfD besonders hoch ist.

Durch diese Verlagerung zeigt die Produktion, dass die im Film dargestellten Konflikte keine rein französischen Phänomene der 90er-Jahre sind. Die Inszenierung macht deutlich, dass die Marginalisierung bestimmter gesellschaftlicher Gruppen und die daraus entstehende Wut auch heute und an anderen Orten präsent sind. Der Bogen von damals nach heute wird somit schlüssig gespannt.

Authentizität durch reale Stimmen und universelle Symbole

Um eine hohe Authentizität zu erreichen, basiert der Bühnentext auf echten Erfahrungen. Studierende des Masterstudiengangs „Professionelles Schreiben“ der Friedrich-Schiller-Universität Jena führten dafür Interviews mit den Bewohnerinnen und Bewohnern von Lobeda. Diese Gespräche lieferten die Grundlage für die Dialoge und geben den Perspektiven der Menschen vor Ort eine Stimme.

Auch das Bühnenbild unterstützt die realistische Atmosphäre mit minimalistischen, aber aussagekräftigen Elementen. Einige ramponierte weiße Plastikbänke prägen den Raum, denn laut Regisseur Szeredy sind sie ein universelles Symbol für das Warten und die Trostlosigkeit in den Randgebieten vieler europäischer Städte. Sie schaffen eine Stimmung langer Nachmittage, die von Gesprächen über alles und nichts geprägt sind.

Musik und Sprache als Ausdruck von Wut und Widerstand

Die Inszenierung ist eine deutsch-griechische Koproduktion, weshalb auf der Bühne mehrere Sprachen gesprochen werden. Das Ensemble agiert auf Deutsch, Rumänisch und Griechisch, während Übertitel auf Deutsch und Englisch das Verständnis für alle Zuschauer sichern. Diese Mehrsprachigkeit unterstreicht die Vielfalt der Lebenswelten, die in Vierteln wie Lobeda aufeinandertreffen.

Ein weiteres zentrales Element ist die Musik. Der Schauspieler und Rapper Sorbas liefert den Soundtrack mit eigenen Liedern, die er live auf der Bühne performt. Seine Musik fängt die Wut und den Wunsch nach Widerstand ein, die auch den Originalfilm prägten. Dadurch verbindet die Inszenierung zeitgenössische Rap-Kultur mit den zeitlosen Themen des Stücks.

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