Für Flugreisende könnte eine langjährige Unannehmlichkeit bald der Vergangenheit angehören. Die strenge 100-Milliliter-Regel für Flüssigkeiten im Handgepäck, die seit 2006 besteht, wird an immer mehr europäischen Flughäfen gelockert. Grund dafür ist der Einsatz moderner Sicherheitstechnik, weshalb dank der neuen Regeln für Handgepäck-Flüssigkeiten die Kontrollen für Passagiere deutlich schneller und unkomplizierter werden.
Die ursprüngliche Beschränkung wurde damals eingeführt, um zu verhindern, dass flüssiger Sprengstoff an Bord von Flugzeugen geschmuggelt wird. Seitdem mussten alle Flüssigkeiten in Behältern von maximal 100 ml in einem durchsichtigen, wiederverschließbaren Ein-Liter-Beutel transportiert werden. Diese Vorschrift führte oft zu Verzögerungen und dem unfreiwilligen Entsorgen von Getränken oder Kosmetika an der Sicherheitskontrolle.
Wie neue Technik die Sicherheitskontrolle verändert
Die entscheidende Neuerung sind Computertomografie-Scanner, oft als CT-Scanner bezeichnet. Diese Geräte funktionieren ähnlich wie die aus der medizinischen Diagnostik und erstellen hochauflösende, dreidimensionale Bilder des Gepäckinhalts. Im Gegensatz zu herkömmlichen Röntgengeräten, die nur zweidimensionale Ansichten liefern, ermöglichen CT-Scanner eine wesentlich genauere Analyse.
Dadurch können die Sicherheitsmitarbeiter die Dichte und Zusammensetzung von Flüssigkeiten, Gelen und Aerosolen präzise bestimmen. Das System ist somit in der Lage, harmlose Substanzen wie Wasser oder Shampoo zuverlässig von potenziellen Gefahrstoffen zu unterscheiden. Diese technologische Weiterentwicklung macht die strikte Mengenbegrenzung überflüssig, ohne die Sicherheit zu beeinträchtigen.
Die Vorteile der neuen Handgepäck-Regeln
Für Passagiere ergeben sich durch die Umstellung gleich mehrere positive Effekte, die das Reiseerlebnis deutlich angenehmer gestalten. Die Abfertigung an den Sicherheitskontrollen beschleunigt sich merklich, da weniger Gepäckstücke manuell nachkontrolliert werden müssen.
Die wichtigsten Verbesserungen im Überblick:
- Größere Flüssigkeitsmengen: An Flughäfen mit der neuen Technik dürfen Behälter mit bis zu zwei Litern Flüssigkeit mitgeführt werden. Das umständliche Umfüllen in kleine Fläschchen entfällt damit.
- Kein separater Beutel mehr: Die Flüssigkeiten müssen nicht mehr in einem separaten Plastikbeutel verpackt und vorgezeigt werden, sondern können einfach im Handgepäck bleiben.
- Elektronik bleibt im Gepäck: Auch Laptops, Tablets und andere größere elektronische Geräte müssen dank der 3D-Ansicht nicht mehr aus dem Rucksack oder der Tasche genommen werden.
Wo gelten die neuen Regeln für Handgepäck-Flüssigkeiten bereits?
London-Heathrow, einer der verkehrsreichsten Flughäfen Europas, hat die 100-Milliliter-Regel bereits vollständig abgeschafft und ist damit ein wichtiger Vorreiter. Allerdings ist er nicht der einzige Flughafen, denn auch an anderen Standorten in Europa profitieren Reisende schon von den Lockerungen.
Zu den Flughäfen, die größere Flüssigkeitsbehälter im Handgepäck erlauben, gehören unter anderem Mailand (Malpensa und Linate), Rom-Fiumicino, Barcelona-El Prat sowie Madrid-Barajas. Weitere Städte wie Birmingham, Edinburgh und Krakau haben ihre Sicherheitsschleusen ebenfalls umgerüstet.
In Deutschland ist die Situation noch uneinheitlich. An den Flughäfen in Frankfurt am Main und München sind bereits einige Kontrollspuren mit CT-Scannern ausgestattet. Da Passagiere jedoch nicht im Voraus wissen, welcher Kontrollstelle sie zugewiesen werden, empfehlen die Betreiber weiterhin, sich vorsichtshalber an die alte 100-Milliliter-Regel zu halten. An den jeweiligen Kontrollstellen ist die aktuell gültige Regelung allerdings klar ausgeschildert.
Wichtige Tipps für Reisende: Das sollten Sie beachten
Trotz der positiven Entwicklung ist es für Reisende wichtig, sich vor jedem Flug genau zu informieren. Die größte Fehlerquelle liegt darin, dass die Regeln am Abflug- und Zielflughafen unterschiedlich sein können. Dies betrifft insbesondere den Rückflug.
Wer beispielsweise von einem modernisierten Flughafen wie London nach München fliegt, darf auf dem Hinflug eine große Wasserflasche mitnehmen. Fliegt man jedoch von einem Flughafen zurück, der noch nicht umgerüstet ist, muss diese Flasche vor der Sicherheitskontrolle entsorgt werden. Daher ist es ratsam, sich vor Reiseantritt auf der Webseite des jeweiligen Flughafens über die aktuell geltenden Bestimmungen zu erkundigen, um unangenehme Überraschungen zu vermeiden.
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