PV-Anlage Ost-West Ausrichtung: Mehr Eigenverbrauch, weniger Kosten

Viele zukünftige Besitzer einer Photovoltaikanlage planen intuitiv eine reine Südausrichtung der Solarmodule. Dies verspricht zwar den maximalen Energieertrag zur Mittagszeit, ist aber für den Eigenverbrauch nicht immer die beste Lösung. Eine PV-Anlage mit Ost-West-Ausrichtung kann den selbst erzeugten Strom oft deutlich effizienter nutzbar machen, da sie die Energieproduktion gleichmäßiger über den ganzen Tag verteilt.

Diese Ausrichtung fängt bereits am Morgen die ersten Sonnenstrahlen ein und produziert bis in die Abendstunden Strom. Dadurch können Haushalte ihren Strombedarf vom Frühstück bis zum Abendessen kontinuierlich mit eigener Solarenergie decken. Im Gegensatz dazu erzeugt eine reine Südanlage mittags oft einen großen Überschuss, der dann für eine geringe Einspeisevergütung ins Netz fließt, während morgens und abends teurer Strom zugekauft werden muss.

So funktioniert eine PV-Anlage mit Ost-West-Ausrichtung

Bei diesem Konzept werden die Solarmodule auf beiden Dachhälften – also nach Osten und Westen – installiert. Die Ostseite beginnt mit der Stromproduktion, sobald die Sonne aufgeht. Gegen Mittag, wenn die Sonne am höchsten steht, lässt ihre Leistung nach, während die Westseite zu diesem Zeitpunkt ihre Produktion aufnimmt und diese bis zum Sonnenuntergang fortsetzt.

Durch diese Verteilung entstehen zwei Erzeugungsspitzen: eine am Vormittag und eine am Nachmittag. Anstelle eines hohen, kurzen Peaks zur Mittagszeit erzeugt die Anlage also über einen längeren Zeitraum eine gleichmäßigere Strommenge. Dies führt dazu, dass der erzeugte Solarstrom besser zu den typischen Verbrauchszeiten eines Haushalts passt.

Die Vorteile für den Eigenverbrauch

Der entscheidende Vorteil einer Ost-West-Anlage liegt in der Maximierung des Eigenverbrauchs. Der Eigenverbrauch beschreibt den Anteil des Solarstroms, den man direkt im eigenen Haus nutzt. Da Strom aus dem Netz teuer ist, lohnt es sich, so viel wie möglich vom eigenen, günstigen Solarstrom selbst zu verbrauchen.

Während eine Südanlage mittags oft mehr Strom produziert, als der Haushalt verbrauchen kann, passt sich die Erzeugungskurve einer Ost-West-Anlage besser dem Tagesablauf an. Morgens läuft die Kaffeemaschine mit eigenem Strom, tagsüber die Waschmaschine und abends wird das Abendessen mit Solarenergie gekocht. Dadurch sinkt der Bedarf an zugekauftem Netzstrom erheblich, was die Stromrechnung spürbar reduziert und die Amortisationszeit der Anlage verkürzt.

Praktische Tipps zur Planung und Umsetzung

Wer über eine Solaranlage nachdenkt, sollte die Dachausrichtung sorgfältig prüfen lassen. Ein Fachbetrieb kann berechnen, welche Variante für den individuellen Verbrauch am wirtschaftlichsten ist. Dabei spielen verschiedene Faktoren eine Rolle:

  • Dachneigung: Für eine Ost-West-Ausrichtung ist eine flachere Dachneigung oft vorteilhaft, um die Sonneneinstrahlung optimal auszunutzen.
  • Verbrauchsprofil: Familien, die tagsüber zu Hause sind, oder Haushalte mit hohem Strombedarf am Morgen und Abend profitieren besonders stark.
  • Anlagengröße: Durch die Belegung beider Dachflächen kann oft eine größere Gesamtleistung installiert werden als bei einer reinen Südausrichtung.
  • Speicherlösung: Die Kombination mit einem Stromspeicher kann den Eigenverbrauch weiter optimieren, allerdings ist dies bei einer Ost-West-Anlage oft weniger dringend notwendig als bei einer Südanlage.

Ein konkretes Beispiel zeigt, dass ein Haushalt mit einer 10-kWp-Anlage in Ost-West-Ausrichtung seinen Autarkiegrad deutlich steigern konnte. Obwohl die Jahresproduktion etwas geringer ausfiel als bei einer theoretischen Südanlage, wurde der selbst genutzte Anteil so hoch, dass die Wirtschaftlichkeit insgesamt besser war.

Was man vermeiden sollte

Ein häufiger Fehler ist die alleinige Fokussierung auf die maximale Kilowatt-Peak-Leistung (kWp). Diese Kennzahl gibt nur die Spitzenleistung unter Idealbedingungen an. Viel wichtiger für die Wirtschaftlichkeit ist jedoch, wie viel des erzeugten Stroms tatsächlich selbst verbraucht werden kann.

Man sollte sich daher nicht von der niedrigeren spezifischen Jahresleistung pro Modul bei einer Ost-West-Anlage täuschen lassen. Obwohl die einzelne Modulfläche weniger Ertrag bringt als bei optimaler Südausrichtung, ist der Gesamtertrag über den Tag verteilt für den Haushalt oft wertvoller. Es ist daher ratsam, die Planung nicht nur auf den maximalen Ertrag, sondern auf den maximalen Eigenverbrauch auszurichten.