Die Diskussion um die Abschaffung von 1- und 2-Cent-Münzen gewinnt immer wieder an Fahrt, denn die kleinen Kupfermünzen verursachen hohe Kosten. Viele Länder haben sich bereits von ihnen verabschiedet, weshalb sich die Frage stellt, ob dies auch ein sinnvoller Schritt für den gesamten Euroraum wäre.
Warum die Abschaffung von 1- und 2-Cent-Münzen zur Debatte steht
Die Herstellung von Kleinstmünzen ist oft teurer als ihr Nennwert. Material-, Präge- und Transportkosten übersteigen den Wert von einem oder zwei Cent deutlich, weshalb ihre Produktion für die Staaten ein Verlustgeschäft darstellt. Außerdem verlieren die Münzen durch die Inflation stetig an Kaufkraft.
Im alltäglichen Gebrauch werden sie oft als unpraktisch empfunden und landen nicht selten im Sparschwein oder gehen verloren, anstatt im Umlauf zu bleiben. Supermärkte und andere Unternehmen müssen zudem erhebliche Summen für die Beschaffung und das Handling des Kleingelds aufwenden, da sie es für die exakte Herausgabe von Wechselgeld benötigen.
Rundungsregeln als Alternative zur Münzprägung
Länder wie die Niederlande, Finnland, Belgien oder Irland haben die 1- und 2-Cent-Münzen bereits aus dem Verkehr gezogen. Stattdessen werden die Endbeträge an der Kasse beim Bezahlen mit Bargeld gerundet. Üblicherweise wird dabei auf den nächsten Fünf-Cent-Betrag auf- oder abgerundet.
So wird beispielsweise ein Betrag von 10,92 € auf 10,90 € abgerundet, während 10,93 € auf 10,95 € aufgerundet werden. Diese Praxis hat sich in den genannten Ländern bewährt und vereinfacht den Zahlungsverkehr erheblich. Elektronische Zahlungen, wie mit Karte oder Smartphone, sind von diesen Rundungen allerdings nicht betroffen, da hier der exakte Betrag abgebucht werden kann.
Mögliche Auswirkungen auf die Preise
Eine häufige Sorge ist, dass die Abschaffung der kleinen Münzen zu versteckten Preiserhöhungen führen könnte. Die Befürchtung ist, dass Händler die Preise systematisch aufrunden würden. Erfahrungen aus den Ländern, die diesen Schritt bereits vollzogen haben, zeigen jedoch, dass sich Auf- und Abrundungen im Durchschnitt die Waage halten.
Die Europäische Kommission hat in einer Studie ebenfalls darauf hingewiesen, dass keine nennenswerten Inflationseffekte zu erwarten sind. Die psychologische Wirkung von Schwellenpreisen wie 0,99 € würde zwar entfallen, allerdings könnten neue Preisschwellen wie 0,95 € an ihre Stelle treten.
Der Status Quo in Deutschland und der Eurozone
In Deutschland ist die Meinung zur Abschaffung der Cent-Münzen gespalten. Während der Handel die damit verbundenen Kosten kritisiert, schätzen viele Verbraucher die Möglichkeit, passend bezahlen zu können. Eine einheitliche Regelung für die gesamte Eurozone steht bislang aus, obwohl die EU-Kommission das Thema bereits mehrfach geprüft hat.
Ein koordiniertes Vorgehen aller Mitgliedsstaaten wäre notwendig, um ein einheitliches Zahlungssystem zu gewährleisten. Solange es keine gemeinsame Entscheidung gibt, bleiben die kleinsten Euro-Münzen weiterhin ein gesetzliches Zahlungsmittel, auch wenn ihre praktische Bedeutung im Alltag weiter abnimmt.
