China treibt offenbar den Aufbau einer eigenen Schattenflotte voran, um sanktioniertes Flüssigerdgas (LNG) aus Russland zu importieren. Diese Entwicklung könnte Moskau dabei helfen, westliche Sanktionen zu umgehen, während Peking seine Energiepartnerschaft mit dem Kreml weiter vertieft. Der Aufbau dieser speziellen Tankerflotte gilt als komplexer als bei Öl, da LNG auf minus 162 °C gekühlt werden muss und es weltweit nur wenige Hundert Spezialschiffe dafür gibt.
So funktioniert Chinas Schattenflotte
Eine Schattenflotte besteht aus Schiffen, die oft unter unklaren Eigentumsverhältnissen operieren, um ihre Herkunft und Ladung zu verschleiern. Diese Tanker werden häufig in Ländern mit lockeren Registrierungsregeln angemeldet und nutzen verschiedene Taktiken, um nicht entdeckt zu werden. Dazu gehört beispielsweise das Abschalten der Transponder, die ihre Position übermitteln, oder die Nutzung von Briefkastenfirmen zur Verschleierung der wahren Besitzer.
Beobachtungen zeigen, dass sich bei chinesischen LNG-Tankern Muster abzeichnen, die bereits von Russlands Ölexporten bekannt sind. Ein Schiff mit russischer Ladung soll beispielsweise vor der Ankunft in einem chinesischen Hafen sein Ortungssignal verborgen haben. Die eingetragene Eigentümerfirma ist mit einer Adresse in Hongkong verbunden, die auch von Scheinfirmen genutzt wird, um die Besitzverhältnisse bei sanktionierten Geschäften zu verschleiern.
Warum der Aufbau einer solchen Flotte strategisch ist
Für Russland ist der Export von Flüssigerdgas von entscheidender Bedeutung, nachdem die traditionellen Märkte in Europa weggebrochen sind. China wiederum ist der größte Energieimporteur der Welt und sichert sich durch die Seetransporte eine zusätzliche Versorgungsquelle neben den bereits bestehenden Pipelines. Dadurch stärken beide Länder ihre wirtschaftlichen und politischen Beziehungen in einer Zeit, in der westliche Nationen versuchen, Russlands Einnahmen zu beschränken.
Durch den Einsatz einer Schattenflotte können Sanktionen, wie etwa ein Preisdeckel für russisches Öl und Gas, unterlaufen werden. Dies sichert nicht nur Einnahmen für die russische Kriegswirtschaft, sondern stellt auch die Wirksamkeit der westlichen Sanktionspolitik infrage. Außerdem verschafft es China Zugang zu Energieressourcen, die potenziell zu günstigeren Preisen gehandelt werden.
Risiken und internationale Bedenken
Der Betrieb von Schattenflotten birgt erhebliche Gefahren. Die Schiffe sind oft alt, schlecht gewartet und unzureichend versichert, was das Risiko von Umweltkatastrophen bei einem Unfall deutlich erhöht. Experten warnen daher vor einer wachsenden Bedrohung für die Schifffahrtssicherheit und die Meeresumwelt.
Darüber hinaus gibt es Bedenken, dass solche Flotten auch für militärische Zwecke wie Spionage oder die Sabotage kritischer Unterwasserinfrastruktur genutzt werden könnten. Es gab bereits Vorfälle, bei denen Schiffe mit verdächtiger Ausrüstung an Bord in strategisch wichtigen Meeresgebieten aufgefallen sind. Westliche Staaten und die EU suchen daher nach Wegen, um effektiver gegen diese Praktiken vorzugehen und die bestehenden Sanktionen besser durchzusetzen.
