Ein neues Verfahren könnte die Landwirtschaft und den Klimaschutz entscheidend voranbringen, denn es zielt darauf ab, ausgelaugte Böden zu heilen und gleichzeitig große Mengen CO₂ zu binden. Die Technologie eines Potsdamer Unternehmens nutzt organische Abfälle, um künstliche Huminsäuren herzustellen, die eine massive CO₂-Speicherung im Boden anregen. Dadurch wird die Bodenfruchtbarkeit verbessert und ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet.
So funktioniert die CO₂-Speicherung im Boden
Das Kernstück der Technologie ist ein Prozess namens hydrothermale Humifizierung. Bei diesem Verfahren werden verschiedene organische Reststoffe wie Stroh, Holzspäne oder Gärreste aus Biogasanlagen unter hohem Druck und bei Temperaturen um 200 °C in kurzer Zeit in eine Substanz umgewandelt, die natürlichem Humus sehr ähnlich ist. Dieser künstlich erzeugte Humus ist reich an Huminstoffen – das sind komplexe organische Moleküle, die für gesunde Böden essenziell sind.
Während die natürliche Humusbildung Jahrhunderte dauert, stellt die neue Methode die wertvollen Stoffe in nur wenigen Stunden her. Der so gewonnene „Superhumus“ wird anschließend auf Ackerflächen ausgebracht. Dort wirkt er wie ein Aktivator für das Bodenleben, wodurch Mikroorganismen wie Bakterien und Pilze stimuliert werden, sich zu vermehren und dabei Kohlenstoff aus der Atmosphäre im Boden zu binden.
Der doppelte Nutzen für Landwirtschaft und Klima
Die Vorteile dieser Methode sind vielfältig. Für die Landwirtschaft bedeutet der Einsatz der künstlichen Huminsäuren eine deutliche Verbesserung der Bodenqualität. Der Humus erhöht die Fähigkeit des Bodens, Wasser und Nährstoffe zu speichern, was die Pflanzen widerstandsfähiger gegen Trockenheit macht und den Bedarf an Düngemitteln reduzieren kann. Erste Feldversuche deuten auf Ertragssteigerungen von bis zu 20 Prozent hin.
Gleichzeitig leistet das Verfahren einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Durch die Anregung des Mikrobioms im Boden wird die CO₂-Speicherung stark erhöht. Berechnungen zeigen, dass eine Tonne der künstlichen Huminstoffe pro Hektar Ackerland die Bindung von bis zu 50 Tonnen zusätzlichem CO₂ im Boden bewirken kann. Dieser Effekt macht den Ansatz zu einer potenziell wirksamen Methode, um Treibhausgase langfristig aus der Atmosphäre zu entfernen.
Praktische Anwendung und Ausblick
Die Technologie ist darauf ausgelegt, im Sinne der Kreislaufwirtschaft zu funktionieren. Organische Abfälle, die ansonsten oft ungenutzt bleiben, werden zu einem wertvollen Produkt für die Bodenverbesserung aufgewertet. Das Verfahren ist außerdem skalierbar und soll direkt dort eingesetzt werden, wo die Biomasse anfällt, beispielsweise bei landwirtschaftlichen Betrieben oder Biogasanlagen. Dies verkürzt Transportwege und macht den Prozess effizienter.
Die Grundlage für dieses Verfahren ist dabei nicht neu, sondern basiert auf den Arbeiten des deutschen Nobelpreisträgers Friedrich Bergius aus dem frühen 20. Jahrhundert. Forscher des Max-Planck-Instituts für Kolloid- und Grenzflächenforschung haben diesen Prozess weiterentwickelt und für die Herstellung von Huminstoffen optimiert. Das Ziel ist es nun, die Produktion aus dem Labormaßstab in eine industrielle Anwendung zu überführen, um einen globalen Beitrag zur Bodengesundheit und zum Klimaschutz zu leisten.
